Reihenhaus-Projekt in Arsten

Anwohner verärgert über Baustart

Anwohner haben Einwände gegen ein Bauprojekt in Arsten eingereicht. Statt einer Antwort rückten die Bagger an. Baubehörde und Investor bemühen sich jetzt um Aufklärung.
20.01.2019, 10:52
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karin Mörtel
Anwohner verärgert über Baustart

Anwohner haben Einwände gegen ein Bauprojekt in Arsten.

brebau

Ohne Vorankündigung sind eine kleine Betonmauer und einige stattliche Bäume weg: Beunruhigt reagieren in diesen Tagen die Anwohner eines Neubauprojektes des Wohnungsunternehmens Brebau an der Martin-Buber-Straße in Arsten. Auf einem Grundstück direkt am Autobahnzubringer Arsten haben vor einigen Tagen schwere Baumaschinen die Arbeiten auf dem Gelände aufgenommen. Anfang Dezember hatten 15 Nachbarn jedoch gemeinsam bei der Baubehörde Einwendungen gegen die Pläne eingereicht und seither keine Antwort erhalten. Nun fühlen sie sich überrumpelt.

Neue Stichstraße

Wie berichtet plant die Brebau an dieser Stelle, 24 Reihenhäuser zu errichten sowie 17 Kleingaragen und einen Parkplatz, auf dem 55 weitere Autos abgestellt werden können. Dazu ist es aus Sicht der Planer allerdings nötig, eine neue Zufahrt zu bauen, die am Fuße der Autobahnbrücke für Fahrradfahrer und Fußgänger verläuft. Denn der ehemalige Zugang zum Areal verläuft unter der Brücke hindurch und wäre für Müllautos sowie für die Feuerwehr zu niedrig.

Aber unter anderem gegen diese neue Stichstraße laufen die Anwohner nun Sturm. „Das sieht auf dem Reißbrett vielleicht gut aus, doch in der Realität wird das ganz klar eine große Gefahr für Fußgänger und Radfahrer sein, die da in großer Zahl den Weg benutzen“, sagt Anwohnerin Kathy Siemer. Insbesondere gelte das für Kinder wie ihr eigenes, die auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Jugendfarm Habenhausen dort unterwegs seien. „Die Stelle ist zu schlecht einsehbar, das hätten sich die Planer gemeinsam mit uns vor Ort gerne anschauen können, so wie wir es vorgeschlagen haben“, ärgert sich Kathy Siemer. Seit Baumaschinen dort kreuzen, würden manche Eltern ihre Kinder aus Sorge um deren Sicherheit nur noch auf einem Umweg über die Arster Landstraße alleine nach Habenhausen lassen.

Abstand ist Nachbarn zu gering

Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner bezieht sich auf den geplanten Garagenhof, der an dieser Stelle bis auf einen Meter an die Grenze heranrücken soll. Gesetzlich zulässig ist gewöhnlich ein drei Meter Mindestabstand zum Nachbargrundstück. „Eine Reduzierung auf einen Meter Abstand (...) ist in unseren Augen unzumutbar“, steht in dem Schreiben der Nachbarn an die Baubehörde. Ohnehin ist die Empörung groß darüber, „dass wir erst von der Behörde aufgefordert werden, Einwendungen gegen die Baumaßnahme vorzubringen, und dann anstatt einer Antwort die Bagger anrücken“, sagt Siemer.

Ein Antwortschreiben sei bereits aufgesetzt und auf dem Weg zu den betroffenen Anwohnern, heißt es dazu aus der Baubehörde. Allerdings sei nur eine einzige Zuschrift der vorliegenden Reaktionen aus der Nachbarschaft zulässig gewesen, weil der Rest sich gegen das gesamte Bauprojekt gerichtet habe. „Da hat es offensichtlich ein großes Missverständnis gegeben“, erklärt Sprecher Jens Tittmann. Denn prinzipiell sei der gültige Bebauungsplan, nach dem sich die Brebau nun richtet, seit 20 Jahren beschlossen und genehmigt. „Die Anwohner haben daher lediglich die Gelegenheit bekommen, sich zu der Abweichung am Garagenhof zu äußern.“

Behörde sieht keine Gefahren

Aus Sicht der Genehmigungsbehörde sei es statthaft, an dieser Stelle den Mindestabstand zu unterschreiten, „weil dort ein Garagenhof an einen anderen angrenzt“, begründet Tittmann, weshalb die Abweichung wohl trotz der Einwände zugelassen werde. „Wir können aber gerne mit den Nachbarn ins Gespräch darüber kommen, ob wir dort anstatt von Garagen offene Stellplätze errichten“, zeigt sich Heinz Riering von der Brebau kompromissbereit.

Der Leiter der Abteilung Neubau zeigt Verständnis für die Verärgerung der Anwohner, ist aber zugleich überzeugt, „dass wir viele Punkte durch genauere Information klären können.“ Ein Schreiben mit Details zur Planung werde in den kommenden zwei Wochen an die Nachbarschaft versendet.

Die neue Zufahrt ist allerdings ein Punkt, wo er keinen Verhandlungsspielraum sieht. „Es gibt keine andere Stelle, die geeignet wäre“, so Riering. Er sei mehrfach vor Ort gewesen und gehe nicht davon aus, dass es dort zu Problemen kommen werde. „Das zuständige Amt für Straßen und Verkehr sieht dort keine größere Gefahr als bei jeder anderen Stichstraße in Bremen, das ist der totale Normalfall in einer Stadt“, sagt Behördensprecher Tittmann dazu. „Wir wissen, dass es die einzig mögliche Zufahrt ist, umso mehr fühlen wir uns machtlos, weil keiner mit uns vor Ort das Problem besprechen wollte“, kritisiert hingegen Anwohnerin Siemer.

Bauantrag noch nicht genehmigt

Auch die Fällung zahlreicher Bäume auf dem Gelände, bereitet den Nachbarn Sorgen. Denn aus ihrer Sicht fällt damit auch der Lärmschutz weg, den das Wäldchen ihnen bislang in Richtung Zubringer geboten hat. Doch auch in diesem Punkt beschwichtigt die Brebau. „Das Gelände wird in jedem Fall grün bleiben, an zwei Stellen erhalten wir den den Wald und investieren außerdem in Neupflanzungen auf dem Gelände und etwa 1,5 Kilometer südöstlich vom Baugebiet.“ Aus seiner Sicht seien die neuen Reihenhäuser zudem ein mindestens ebenso guter Schutz für die Anwohner.

Der eigentliche Bauantrag ist übrigens noch nicht genehmigt worden, sondern die Brebau habe lediglich eine Teilgenehmigung erhalten, um das Grundstück für das Bauprojekt vorzubereiten, stellt Tittmann zusätzlich klar. Heinz Riering geht davon aus, dass die Brebau nach den derzeit laufenden Erdarbeiten und Baumfällungen spätestens im Sommer auch mit dem Bau der drei Reihenhauszeilen beginnen darf. Und er betont: „In der Zwischenzeit sind wir für vernünftige Gespräche mit den Anwohnern offen.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+