Auf Exkusion in den Ahlker Wald

Im ständigen Kampf ums Licht

Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann führt durch den Ahlker Wald, den der Naturschutzbund bewirtschaftet. Es ist ein junger Laubwald, in dem Eiche, Esche, Hainbuche und Ahorn um das Sonnenlicht konkurrieren.
12.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Im ständigen Kampf ums Licht

Sönke Hofmann kennt sich aus. Er ist gelernter Förster und Naturschützer.

PETRA STUBBE

Sonnenlicht flutet den Wald, und wer nach oben in die Kronen blickt, sieht häufig die Fiederblätter von Eschen. Über den Wegen schließen sich die Bäume manchmal zu grünen Tunneln zusammen – der Ahlker Wald hat sein ganz eigenes Flair. „Die Bäume wurden erst vor 24 Jahren gepflanzt und haben noch längst nicht ihre maximale Höhe erreicht – eigentlich ist das ein ‚Teenie-Wald‘“, sagt Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Nabu Bremen. Der gelernte Förster und Naturschützer führt auf einer Exkursion durch den Ahlker Wald, um den sich der Nabu seit 14 Jahren kümmert.

Gleich hinter der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 4 beginnt der Spaziergang, der die Teilnehmer bald abseits ausgetretener Pfade hinein ins tiefe Grün führt. Das rund vier Hektar große Areal wurde im Jahre 2006 als Ausgleichsmaßnahme in mehreren Abschnitten gepflanzt. Es ist ein reiner Laubwald, in dem Eiche, Esche, Hainbuche und Ahorn dominieren. „Die Bäume stocken auf eigentlich bestem Ackerboden, der fruchtbar und gut mit Wasser versorgt ist. Dies hat dazu geführt, dass die Bäume extrem schnell wuchsen – und damit ist ihr Holz für Möbel nicht geeignet“, erklärt Hofmann. Im Zuge von Motorsäge-Kursen entnimmt der Nabu jährlich ungefähr 80 Bäume entnehmen. „Dadurch wird der Wald immer wieder durchlichtet – dies fördert die Vielfalt, denn eigentlich wurden viele der Bäume viel zu dicht gepflanzt.“ Im kommenden Winter sollen auch die Randbereiche des Ahlker Waldes durchforstet werden. „Dadurch werden Heckensträucher wie Hasel, Heckenrosen oder Schlehen an den Wegen freigestellt und vor dem Überwachsen durch die Baumkronen geschützt.“ Diese sogenannten Waldsäume seien für die Entwicklung der Fauna extrem wichtig. „Als Blütenangebote für Insekten, aber auch mit ihren zahlreichen Früchten im Herbst, die Vögeln als Nahrung dienen.“ Doch Fällungen stehen auch an, wenn Bäume nah an Häusern stehen und zum Beispiel bei einem Sturm auf Terrasse oder Dach kippen könnten.

„Schade, dass die Früchte des Pfaffenhütchens giftig sind, mit ihren rosa Kapseln und orangefarbenen Samen sehen sie doch so appetitlich aus“, sagt Hofmann und zeigt eine Frucht herum. Das Gehölz, das auch Spindelstrauch genannt wird, ist im Ahlker Wald häufig und liefert ein feinfaseriges Holz, das früher für die Spindeln von Webstühlen verwendet wurde. „Das Pfaffenhütchen wird häufig von den Raupen einer Gespinstmottenart befallen, die den gesamten Blattbestand abfressen können. Doch in Anpassung an diesen Schmetterling hat der Strauch grüne Zweige entwickelt – so kann er Fotosynthese betreiben, auch wenn er keine Blätter mehr hat.“ Hofmann zeigt eine gelichtete Stelle. Die Motorsäge hat hier ganze Arbeit geleistet. Doch schon nach wenigen Jahren hat sich dort die Flatter-Ulme breitgemacht. „Im Wald herrscht ein ständiger Kampf ums Licht und wenn durch Baumfällung eine kleine Lichtung entsteht, sind sofort Arten da, die diese Lücke füllen.“ In einem anderen Bereich war die Schlehe erfolgreich und hat ihn sich durch Wurzelbrut erobert.

Beim Gang durch den Wald fällt auf, wie wenig Laubstreu am Boden liegt: zahlreiche Äste und Zweige, doch nur wenige Blätter. „Das liegt an dem guten Bodenleben – es sorgt dafür, dass die herabgefallenen Blätter meist schon innerhalb eines Jahres zersetzt werden.“ Erstaunlich ist auch, dass Bäume, die alle im selben Jahr gepflanzt worden sind, extrem unterschiedliche Höhen erreicht haben, mit mal dünnen, mal dicken Stämmen, oft in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Dies könne an genetischen Unterschieden, aber auch an verschiedenen Standortbedingungen auf kleinstem Raum liegen.

Hofmann demonstriert auch die erstaunliche Regenerationskraft, die Hainbuchen auszeichnet: „Wenn sie gefällt werden, sprießen aus dem Rest des Stammes wenig später neue Triebe. Im Mittelalter hat man niedrigwüchsige Hainbuchen immer wieder mit der Axt abgeschlagen, um sie als Brennholz zu nutzen.“ So entstanden die sogenannten Niederwälder, die es heute kaum noch gibt.

Ein großes Problem im Ahlker Wald ist das Eschensterben, das 80 bis 90 Prozent der Bäume betrifft und von einem Pilz verursacht wird. Weil der Baum seine Blätter nicht mehr mit Wasser und Nährstoffen versorgen kann, sterben einzelne Triebe und schließlich die gesamte Esche ab – ob jung oder alt. „Wegen des Eschensterbens pflanzen wir diese Baumart nicht mehr. Wir hoffen, dass diese resistenten Eschen sich fortpflanzen und im Ahlker Wald später neue Bäume bilden, die gegen die Erkrankung gefeit sind.“

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