Warten auf Baugenehmigung

Bau von Hospiz „Sirius“ verzögert sich

Sterbenskranke Menschen müssen länger als ursprünglich geplant auf acht weitere Hospizplätze in Bremen verzichten: Denn der Bauantrag für das Hospiz „Sirius“ in Arsten ist noch nicht genehmigt.
19.10.2019, 05:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Bau von Hospiz „Sirius“ verzögert sich

Die fertigen Pläne und Modelle für den Umbau des Lahrshof in Arsten in ein Hospiz hatte die Zentrale für private Fürsorge bereits Ende 2018 vorgestellt. Die Baugenehmigung für das Projekt verzögert sich jedoch immer wieder. Nun hofft der Verein, dass die Arbeiten bald beginnen können.

Archiv/Klama

Die angekündigten acht neuen Hospizplätze in Arsten entstehen erst später als geplant: Eigentlich sollten längst die Baumaschinen vor Ort sein und der Umbau des Lahrshof auf Hochtouren laufen. Doch kürzlich wurde bekannt, dass das Projekt der Zentrale für private Fürsorge für unheilbar Kranke, denen keine Therapien mehr helfen, erst deutlich später starten kann als ursprünglich angenommen. Der Grund: Es gibt noch keine Baugenehmigung für das neue Hospiz „Sirius“ in dem ehemaligen Bauernhof.

Elke Scharff aus dem Vorstand der Seniorenvertretung Bremen hatte sich zuletzt öffentlich zu Wort gemeldet und über den Kurznachrichtendienst Twitter im Bremer Rathaus nachgefragt: „Wo bleibt die Baugenehmigung?“ Als Kritik an der Baubehörde will sie die Nachfrage dennoch nicht verstanden wissen. „Ich warte lediglich gemeinsam mit dem Stadtteil und vielen älteren Menschen, die ein solches Angebot nutzen möchten, auf einen möglichst schnellen Baubeginn“, sagt Scharff, die jahrelang auch im Beirat Obervieland Mitglied war.

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Auch im Sozialausschuss des Obervielander Stadtteilparlaments ist der spätere Baubeginn kürzlich Thema gewesen. „Der Verein hat sein geplantes Angebot für sterbende Menschen vorgestellt und erklärt, dass die Baugenehmigung noch nicht vorliegt“, gibt Ortsamtsleiter Michael Radolla Auskunft.

Für die Stadtteilpolitiker, die sich regelmäßig mit Bauvorhaben in ihrem Gebiet beschäftigen, sei eine derartige Verzögerung zunächst noch kein Anlass zur Besorgnis. „Nach jetzigem Stand gehen wir davon aus, dass Baubehörde und Verein die offenen Punkte einvernehmlich klären und der Umbau des Lahrshof dann schnell starten kann“, so Radolla. Unbestritten sei jedoch, dass die weiteren Hospizplätze dringend benötigt werden, darin sind sich Radolla und Scharff einig. Derzeit gibt es nur 16 stationäre Plätze in Bremen. „Es ist traurig, dass einige Menschen derzeit noch von den beiden Hospizen in Bremen-Nord und Walle abgewiesen werden müssen, weil zu wenig Plätze da sind“, so Scharff.

Hohe bürokratische Hürden

Besonders Johannes Foppe von der Zentrale für private Fürsorge hätte gerne die zusätzlichen acht Plätze bereits in den kommenden Monaten für Menschen zur Verfügung gestellt, die weder im Krankenhaus noch zuhause sterben möchten. „Wenn ich gewusst hätte, wie lange das dauert und wie kompliziert das ist, hätten wir das Projekt vermutlich nicht gemacht“, sagt Foppe. Der Baubehörde sei kein Vorwurf zu machen, „doch ohne Fachmann in baulichen Themen zu sein, scheint die Bürokratie und die Auflagen, die für ein solches Vorhaben zu erfüllen sind, deutlich mehr geworden zu sein“, so der Geschäftsführer des Vereins. Beim Umbau einer Villa in Walle zum Hospiz „Brücke“ vor 18 Jahren sei das noch deutlich unkomplizierter gewesen.

Aus der Baubehörde ist zu erfahren, dass die Baugenehmigung nun bald erteilt werden könne. Nur noch wenige Punkte, unter anderem zum Thema Brandschutz und Statik, seien zu klären. „Wenn alles gut läuft, gehe ich davon aus, dass wir das Projekt noch in diesem Monat genehmigen können“, sagt Sprecher Jens Tittmann. Der Bauantrag sei im April eingereicht worden. „Dass die Bearbeitungszeit nun ein halbes Jahr gedauert hat, ist sicherlich ärgerlich, aber nicht zu ändern gewesen“, so der Sprecher.

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Mal hätten Unterlagen gefehlt, die für die Genehmigung benötigt werden, mal hätten externe Gutachter Nachbesserungen in der Planung gefordert, lautet die Begründung aus der Baubehörde für die lange Genehmigungsdauer. „Inzwischen befinden sich alle Beteiligten auf einer guten Zielgeraden, damit das dringend benötigte Hospiz schnell gebaut werden kann“, sagt Tittmann.

Das sieht auch Johannes Foppe so: „Wenn wir jetzt bald loslegen können und es keinen extremen Winter gibt, hoffe ich, dass wir noch vor Weihnachten 2020 eröffnen können.“

Neue Hoffnung bei der Finanzierung

Und auch bei der Finanzierung des neuen Hospizes hat er neue Hoffnung geschöpft: Denn bislang ist der Verein noch auf Spenden angewiesen, um einen Teil der Investitionskosten von voraussichtlich etwa vier Millionen Euro stemmen zu können. Im Koalitionsvertrag steht nun, dass die neue Regierung in Bremen den Ausbau stationärer Hospizplätze auch durch die Bezuschussung von Investitionskosten vorantreiben will. „Das ist eine politische Wende, daher haben wir vor zwei Wochen Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne, Anm. d. Red.) angeschrieben und um Unterstützung gebeten“, so Foppe.

Deren Sprecher dämpft allerdings allzu hohe Erwartungen: „Aus der erklärten Absicht der Regierungspartner, Hospize zu stärken, lässt sich derzeit leider keine unmittelbare finanzielle Unterstützung für laufende oder anstehende Investitionen ableiten, weil sie aus dem laufenden Haushalt nicht zu finanzieren sind“, so Bernd Schneider.

Zunächst müssten die Haushaltsberatungen für die kommenden beiden Jahre abgewartet werden, die vermutlich im Sommer 2020 abgeschlossen sein würden. Schneider: „Dabei wird sich auch zeigen, ab wann und in welchem Umfang der Senat sich an Investitionen beteiligen kann. Diesen parlamentarischen Prozessen können wir nicht vorgreifen.“

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