Wohnungen für behinderte Menschen

Beirat begrüßt Gesundheitszentrum

Der Obervielander Beirat hat den Plänen für ein Gesundheitszentrum am Rande von Huckelriede zugestimmt. Anwohner protestieren gegen die geplante Höhe. Das Konzept der Bauherren findet aber Anklang.
07.03.2020, 06:00
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Von Karin Mörtel
Beirat begrüßt Gesundheitszentrum

Edith Großschädl (Prokuristin) und Jörg Martens (Geschäftsführer) vom Bauherrn, dem Martens Sanitätshaus.

Christina Kuhaupt

Die Stadtteilpolitiker in Obervieland haben den Weg freigemacht für den Bau eines Gesundheitszentrums, das die Firma Orthopädie-Technik Martens auf der ehemaligen Straßenbahn-Wendeschleife am Huckelrieder Park errichten will (wir berichteten). Im Kern überzeugte die Mitglieder des Bauausschusses besonders das Konzept der Bauherren, die neben der neuen Firmenzentrale auch Wohnungen für behinderte Menschen am nördlichsten Zipfel von Kattenturm errichten wollen. Die geplante Höhe von sieben Stockwerken und maximal 24,75 Metern an der höchsten Stelle beurteilten die Ortspolitiker hingegen als weniger problematisch als ihre Neustädter Beiratskollegen.

Edith Großschädl von der „Projektgesellschaft Gesundheitszentrum Martens“ zeigte sich nach dem einstimmig gefassten Beiratsbeschluss am Donnerstagabend hoch erfreut. „Nach fünf Jahren Planung müssen wir nun endlich bauen“, sagte die Prokuristin des Kattenturmer Orthopädie-Technik-Betriebes. Die Planungen hatten sich wegen der Lage des Grundstücks direkt am Verkehrsknoten Habenhauser Landstraße und Niedersachsendamm als sehr schwierig erwiesen. Wie berichtet waren zahlreiche Änderungen sowie der Zukauf des angrenzenden Grundstücks mit dem Telekom-Gebäude erforderlich gewesen, um die Zufahrten so gestalten zu können, dass die Stadt ihre Genehmigung erteilt.

Die nun vorgelegten Pläne sehen den Neubau des Gesundheitszentrums am Niedersachsendamm vor. Er wird die Büros und Schauräume von Orthopädie-Technik Martens beherbergen sowie Arztpraxen, eine Apotheke, ein Café sowie Wohnungen für Wachkoma-Patienten. „Wir wollen, dass auch schwerstbehinderte Menschen schön wohnen können“, erklärte Großschädl. Außerdem werden für ältere und behinderte Menschen sogenannte „Ambient Assisted Living (AAL)“- Wohnungen eingerichtet. Im Kern geht es dabei um den Einsatz intelligenter Informations- und Kommunikationstechnologien in den Wohnräumen, die den Komfort, die Sicherheit und die Gesundheit der Bewohner steigern sollen. Diese reichen von elektrischen Fensteröffnern bis hin zu Sensoren im Bodenbelag, die Stürze registrieren und einen Notruf absetzen können.

Weitere AAL-Wohnungen wird es in ein bis zwei neuen Geschossen geben, die auf das Telekom-Gebäude aufgesetzt werden. Beide Häuser bekommen ein Gründach. Es werden oberirdisch und in einer Tiefgarage insgesamt 89 kostenpflichtige Stellplätze gebaut. Für zwölf geschützte Bäume, die gefällt werden müssen, pflanzen die Bauherren auf dem Grundstück 17 Bäume nach.

Es war eine Vorgabe der Baubehörde, dass an dieser zentralen Stelle an der Umsteigestelle Huckelriede ein markantes Gebäude als Landmarke am südlichen Eingang zur Neustadt entsteht. Der Baukörper wird nun 22 Metern breit und 62 Meter lang sein. Er ist überwiegend vierstöckig angelegt mit einem Turm, der inklusive Technikgeschoss an der Ecke Niedersachsendamm/Habenhauser Landstraße sieben Etagen und damit etwa 24 Meter hoch aufragen wird.„Dass Senatsbaudirektorin Iris Reuther gerne Hochhäuser mag, ist mittlerweile bekannt, aber deswegen wollen wir nicht gleich mehrere davon in Huckelriede haben“, kritisierte Anwohner Wolfgang Lehmkuhl von der Bürgerinitiative „Protest Huckelriede“ die bauliche Dimension des Projektes.

Aus dem Neustädter Beirat waren zuletzt ebenfalls kritische Töne an der Höhe des Neubaus zu hören, auch wenn das Projekt knapp außerhalb der Neustädter Stadtteilgrenze liegt. Hintergrund der Kritik ist, dass rings um die ehemalige Wendeschleife in Huckelriede bereits parallel mit einem Studierendenwohnheim, den Wohnblöcken auf dem Scharnhorstkasernen-Gelände sowie an anderen Stellen ebenfalls recht wuchtige Gebäude geplant sind (siehe Text unten). Aus Sicht einiger Stadtteilpolitiker sowie der Bürgerinitiative in der Gesamtschau eine zu massive Bebauung.

„Ich sehe, dass die Höhe ein Problem ist. Der Bau überzeugt mich auch nicht, das Konzept mit den Wohnangeboten für behinderte Menschen aber schon, das sicherlich überregional Strahlkraft entwickeln wird“, sagte Roman Fabian (Linke) aus dem Obervielander Bauausschuss. Erich Peters (SPD) zeigte sich vor der Abstimmung überzeugt, „dass wir keinen Einfluss darauf haben, ob Huckelriede zu stark verdichtet wird.“

Die Stellungnahme des Obervielander Beirates ist einer der letzten Schritte, die Voraussetzung dafür sind, dass die Stadtbürgerschaft den vorgelegten Plänen zustimmen kann. Außerdem läuft derzeit noch bis zum Freitag, 20. März, die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen. Alle Bürgerinnen und Bürger, die von dem Neubauvorhaben direkt betroffen sind oder sich dafür interessieren, haben bis dahin die Gelegenheit, ihre Anregungen, Einwände und weitere Stellungnahmen abzugeben. Die Pläne und Gutachten sind sowohl in der Baubehörde im Siemenshochhaus in der Innenstadt als auch im Ortsamt Obervieland einsehbar.

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