Beirat gegen mögliches Förderungsende

Bangen um Geld für Kattenturm

Jahrelang haben die Menschen in Kattenturm auf Verbesserungen für Familien und ihr Wohnumfeld hingefiebert. Nun muss der Beirat darum kämpfen, dass das Armutsgebiet in der Städtebauförderung bleiben kann.
05.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Bangen um Geld für Kattenturm

Bunt gestaltete Arkaden, ein Bouleplatz und Strandkörbe – der Sonnenplatz hat vom Programm Soziale Stadt profitiert.

Roland Scheitz

Im Ortsteil gibt es Probleme mit den Folgen von Armut, mit unansehnlichen Gebäuden und Freiflächen, vielen überforderten Familien, die Hilfe benötigen, und zahlreiche weitere Schwierigkeiten – darin sind sich die Ortspolitiker und Fachleute aus den Bremer Behörden einig. Und dennoch wird derzeit darüber diskutiert, ob Kattenturm künftig weiter über den Nachfolger des städtebaulichen Förderprogramms Soziale Stadt von Bund, Ländern und Kommunen unterstützt werden soll. Der Beirat Obervieland hat dazu eine klare Haltung: Er fordert den Fortbestand der finanziellen Hilfen auch über das Jahr 2024 hinaus.

Mit dem Geld aus dem Programm Soziale Stadt haben Wohnquartiere mit vielen baulichen und sozialen Problemen in den vergangenen Jahren die Chance bekommen, dass sich die Lebensumstände der Menschen dort verbessern können. 2024 läuft die Förderung offiziell aus, sie soll aber überführt werden in ein neues Programm, das den Namen Sozialer Zusammenhalt tragen wird. Doch Kattenturm spielt dabei offenbar keine Rolle mehr.

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In Bremen zählt Kattenturm zu den insgesamt zehn Gebieten, die momentan noch aus dem alten Fördertopf Geld erhalten, um Gebäude, Grünanlagen und Plätze lebenswerter für die Bewohner zu gestalten. 60.000 Euro jährlich stehen dem Ortsteil dazu zur Verfügung. Darüber hinaus können für Großprojekte auch weitere, zentrale Mittel beantragt werden.

In Kattenturm ist der umgestaltete Sonnenplatz ein Positivbeispiel für die Wirkung des Programms: Dort kann man seit dem Jahr 2016 sehen, welchen Unterschied es macht, wenn das Umfeld rings um große Wohnblöcke wie an der Theodor-Billroth-Straße nicht mehr trist und verwahrlost wirkt, sondern aufgeräumt, bunt und maßgeschneidert auf die Wünsche der Bewohner ist. Für das Zusammenleben ein Gewinn, zeigt sich Quartiersmanagerin Sandra Ahlers überzeugt. Diesen Effekt wünscht sie sich auch dringend für etliche andere Stellen im Ortsteil.

Zu wenig Personal in der Baubehörde

„Daher hat es mich schockiert und total überrascht, dass wir im Sommer aus der Baubehörde gehört haben, dass Kattenturm nicht für das neue Programm vorgesehen ist“, sagt Ahlers. Auch Beiratssprecher Stefan Markus ist dabei gewesen, „und besonders hat mich geärgert, dass die Begründung für diese Überlegung war, dass es zu wenig Personal in der Baubehörde gibt.“ Denn in Zukunft gilt: Nur Gebiete, für die ein integriertes Entwicklungskonzept (IEK) erarbeitet wird, können in das neue Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt aufgenommen werden.

Und das ist sehr aufwendig und personalintensiv, weil es sich dabei um ein verbindliches, strategische Programm zur Quartiersentwicklung handelt mit einem Zeit-, Finanzierungs- und Maßnahmenplan. Damit alle geplanten Verbesserungen gut zusammenpassen. „Es kann nicht sein, dass das Armutsgebiet Kattenturm nach den sozialen Kriterien ganz klar ins Programm passt, es aber dann an zu wenig Personal für das IEK scheitert“, erläutert Markus.

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Dass Personalmangel in den Abteilungen Stadtumbau und Stadtplanung besteht, bestreitet niemand in der Baubehörde. Neue Stellen seien bereits bewilligt, aber noch nicht besetzt, lautet die Auskunft. Dennoch sei das nicht die Basis der anstehenden Entscheidung zu der Frage, für welche der bestehenden Soziale Stadt-Fördergebiete ein IEK erstellt werden solle. Alle könnten das nicht sein, ist aus der Baubehörde zu erfahren. Daher werde derzeit eine Art Rangliste erstellt, in welchen Quartieren der größte Umbau- und Erneuerungsbedarf festzustellen ist.

Jan Casper-Damberg aus dem Bauressort verweist darauf, dass sich die bisherige Sicht der Behördenmitarbeiter auf Kattenturm, die in Obervieland für viel Unruhe sorgt, bereits verändert habe. „Wir sind wieder von der Einschätzung abgerückt, dass Kattenturm weniger Bedarf hat als andere Bereiche in Bremen.“

Probleme über andere Geldquellen lösen

Eine Zusage sei das trotzdem nicht, denn „es ist noch nicht entschieden, wer ein IEK bekommt“, so Casper-Damberg weiter. Gegen Ende dieses Jahres wollen die Fachleute mit den Beiräten über die ersten Zwischenergebnisse zu den Soziale Stadt-Fördergebieten sprechen. „Um sicherzustellen, dass wir alle relevanten Probleme berücksichtigt haben.“ Für alle Gebiete, die nicht in das Programm Sozialer Zusammenhalt aufgenommen werden, werde über das Jahr 2024 ein sogenanntes „bauliches Verstetigungskonzept“ erarbeitet, sodass bestehende Probleme möglicherweise auch über andere Geldquellen gelöst werden können.

Für die Akteure in Kattenturm ist das allerdings nur ein schwacher Trost. „Wenn das Förderprogramm nicht weiterläuft, sehe ich ernsthaft unsere Anstrengungen für das dringend nötige Lernhaus-Projekt und die Aufwertung von Kattenturm Mitte in Gefahr“, sagt die Quartiersmanagerin. Sie verweist darauf, dass nicht nur die 60 000 Euro aus dem Programm Soziale Stadt wegfallen würden. „Auch europäische Mittel für die sozialen Beschäftigungsprojekte „Biwaq“ und „Los“ in Höhe von jährlich etwa 100.000 Euro werden uns dann wegbrechen“, warnt die Quartiersmanagerin. Denn die könnten nur in offiziellen Fördergebieten beantragt werden.

Beiratssprecher Markus setzt große Hoffnungen darauf, dass die Wahl zugunsten Kattenturms ausfällt: „Denn sollten wir nicht im neuen Programm landen, zieht uns das den Boden unter den Füßen weg und macht unsere jahrelangen Bemühungen für bessere Lebensbedingungen in Kattenturm zunichte.“

Weitere Informationen

Der Beirat Obervieland tagt am Dienstag, 6. Oktober ab 19 Uhr zum Thema, wie das Zentrum von Kattenturm städtebaulich aufgewertet werden kann. Die Sitzung kann nur im Internet über die Facebookseite des Bürgerhauses Gemeinschaftszentrum Obervieland live mitverfolgt werden. Weiteres Thema: Die polizeiliche Lage im Stadtteil.

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