Leseförderung im Stadtteil Beirat will Lesen fördern

Der Obervielander Stadtteilparlament setzt sich für zwei Bibliotheken im Quartier ein. Der Leiter des Gymnasiums, Uwe Sudmann, hat jetzt beantragt, die Schulbibliothek mit zwei Vollzeitstellen auszustatten.
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Beirat will Lesen fördern
Von Karin Mörtel

Der Beirat Obervieland hat in der zurückliegenden Woche gleich zwei Projekte in den Blick genommen, um die Leseförderung im Stadtteil voranzutreiben und dadurch die Bildungschancen von Kindern und Erwachsenen zu erhöhen. Zum einen betrifft das die Forderung, eine Stadtteilbibliothek im Zentrum von Kattenturm einzurichten. Zum anderen soll die bislang einzige, öffentlich zugängliche Kinder- und Jugendbibliothek des Stadtteils mit mehr Personal ausgestattet werden.

Denn Letztere musste zuletzt die Nachmittage, an denen die Türen für die Allgemeinheit geöffnet sind, von vier auf nur einen Tag in der Woche reduzieren. „Mehr als diesen Dienstagnachmittag schaffen wir zu zweit mit unserer Wochenstundenzeit von 46,5 Stunden einfach nicht“, sagte Rainer Kohz kürzlich vor dem Bildungsausschuss des Obervielander Beirates. Verschärft werde das Problem durch krankheitsbedingte Einschränkungen im Bibliotheksbetrieb.

Zum Hintergrund: Für Schulbibliotheken ist die Bildungsbehörde zuständig. Diese stellt prinzipiell keine Bibliothekare ein, sondern vergibt die Arbeitsstellen an Pädagogen, die vornehmlich aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilweise oder gar nicht mehr im Unterricht einsetzbar sind.

Bedarf ist deutlich höher

Besonders auch die Kernaufgabe der als Schulbibliothek konzipierten Anlaufstelle im Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO) könne er zusammen mit seiner Kollegin derzeit nicht im notwendigen Umfang erledigen, beklagte Kohz. „Wir betreuen etwa 40 Grundschulklassen und zwölf Kitagruppen aus Obervieland, die regelmäßig zu uns kommen, aber der Bedarf ist deutlich höher“, stellte der Bibliotheksleiter fest. Mehrere weitere Kitas, die ebenfalls gerne das Angebot wahrgenommen hätten, habe er bereits zurückweisen müssen.

Jeden Schultag besuchen ein bis zwei Klassenverbände oder Kindergruppen die Bibliothek und bekommen dort ein Bilderbuchkino zu sehen und können sich Bücher ausleihen. Doch die zeitlichen Abstände zwischen den Besuchen würden immer länger. „Manche Klassen können zwischen den Sommerferien und Weihnachten nicht einmal zu uns kommen, so verlieren die Kinder den Bezug zu diesem Ort“, so Kohz. Ideal wäre aus seiner Sicht ein Abstand von fünf Wochen, „doch das klappt ohne weiteres Personal leider nicht.“

Auch für die Schülerschaft des Gymnasiums Links der Weser, die einen direkten Zugang über ihren Schulflur zur Bibliothek haben, bedeutet die personelle Situation Einschränkungen: So entfällt derzeit in der ersten großen Pause der Leseclub. Das war ein offenes Angebot für alle, die zuvor die Räume zum Schmökern oder einfach als ruhigen Rückzugsort nutzen wollten.

Antrag auf zwei Vollzeitstellen

Aus diesen Gründen hat mittlerweile auch der Leiter des Gymnasiums, Uwe Sudmann, einen Antrag an die Schulaufsicht gestellt, die Obervielander Schulbibliothek mit zwei Vollzeitstellen auszustatten. „Das, was im Unterricht läuft, wird dort verfestigt, daher ist es ein wichtiges Angebot für uns“, so Sudmann.

Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) verwies zudem darauf, dass in Obervieland und speziell Kattenturm viele Kinder leben, „die im Elternhaus keinen Zugang zu Büchern haben, für die ist dieses Angebot bereits im Kita-Alter für den späteren Lernerfolg besonders wichtig“.

Einstimmig beschlossen die Stadtteilpolitiker nun „eine Ausstattung der Schulbibliothek mit zwei pädagogisch qualifizierten Vollzeitstellen“. Ausreichendes Personal in Schulbibliotheken sei „sehr wichtig, aber zunächst nicht prioritär“, heißt es dazu aus der Bildungsbehörde. „Wir haben große Herausforderungen mit notwendigen zusätzlichen Lehrkräften, Schulsozialarbeit, Erziehenden, Assistenzen und so weiter“, teilt Sprecherin Annette Kemp mit. Dennoch „schauen wir immer, was sich machen lässt“.

Hoffnung auf Stadtteilbibliothek

Nur unweit des BGO eröffnet sich aus Sicht des Beirates nun eine weitere Möglichkeit, die Leseförderung im Stadtteil voranzutreiben: Im Zuge eines möglichen Neubaus auf einem derzeitigen Parkplatz an der Straßenbahnhaltestelle Kattenturm Mitte, sieht das Gremium die Chance, eine Stadtteilbibliothek an zentraler Stelle anzusiedeln.

Bereits im Vorfeld hatte die Stadtbibliothek Bremen ihr Interesse nach einer zusätzlichen Zweigstelle in Obervieland bekundet. In der zuständigen Kulturbehörde bestätigt Sprecherin Alexandra Albrecht dieses grundsätzliche Vorhaben. Der relativ weite Weg zur nächsten öffentlichen Bibliothek sowie die Bevölkerungsdichte, die soziale Struktur sowie der Bedarf an Leseförderung im Stadtteil seien die ausschlaggebenden Kriterien gewesen, diesen neuen Standort ins Gespräch zu bringen.

Der Beirat Obervieland drängt nun auf eine schnelle Umsetzung der Idee und fordert mit einem aktuellen Beschluss den Senator für Kultur auf, „ohne weiteren zeitlichen Verzug“ umgehend alle notwendigen Schritte für die Umsetzung einer solchen Filiale einzuleiten.

Kattenturm ist mit seinen vielen ärmeren Familien und der guten ÖPNV-Anbindung genau der richtige Ort dafür", wirbt Beiratssprecher Markus für das Vorhaben. Außerdem sei eine Bibliothek ein wichtiger Anker, um das Zentrum von Kattenturm für alle Obervielander als neue Mitte des Stadtteils attraktiver zu machen.

„Da derzeit offenbar jedoch noch keine Planungsmittel für konkrete weitere Abstimmungsschritte vorliegen, befürchtet der Beirat Obervieland, dass durch einen längeren Stillstand Fakten am potenziellen Standort geschaffen werden könnten, die eine Ansiedlung der Stadtbibliothek Bremen zu einem späteren Zeitpunkt dann erschweren oder im schlimmsten Fall unmöglich machen“, verweist der Beirat in dem Beschluss auf die Dringlichkeit seines Anliegens.

Aktuell sei bereits zu diesem Zweck für die kommenden Haushaltsberatungen ein erhöhter Mittelbedarf der Stadtbibliothek angemeldet worden, heißt es dazu aus der Kulturbehörde. „Aber nur, wenn die Bürgerschaft dann auch entsprechend den Haushalt beschließt, wäre eine Anmietung von Räumen in Obervieland möglich“, so Albrecht.

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