Freunde erfinden Spiele China-Puzzle ist jetzt ein Ratespiel

Horst Christoph und Torsten Marold sind Spieleerfinder aus Kattenturm. Zwei Jahre lang haben sie an ihrer neuen Version des Spiels „Tangram Kreis“ getüftelt, die sie auf der Messe vorgestellt haben.
12.04.2019, 20:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Horst Christoph und Torsten Marold verbindet einiges. Beide sind gelernte Tischler, beide sind Nachbarn in Kattenturm, beide sind sozial engagiert und beide haben zusammen das Spiel „Tangram Kreis“ entwickelt, das seit Februar vom Philos-Verlag ausgeliefert wird und bei der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellt wurde.

Bereits 2006 konnte Torsten Marold eine Variante des Tangram-Spieles vorstellen, die farbig statt schwarz war. Tangram ist ein Legespiel, das es bereits über zweitausend Jahre gibt. Es wird bisweilen auch als China-Puzzle bezeichnet. Ziel des Spieles ist es, aus insgesamt fünf Dreiecken in drei Größen, einem Quadrat und einem Parallelogramm zahlreiche vorgegeben Figuren nachzulegen. Dabei sind nur die Umrisse der Figuren bekannt, nicht aber, wie sie sich aus den geometrischen Formen zusammensetzen. Das Ur-Tangram ist also eigentlich ein Geduldsspiel für einen Solospieler. Marold hat daraus sein farbiges Speed-Tangram entwickelt, ebenfalls bei Philos verlegt. Die Herausforderung liegt dabei weniger im Entschlüsseln der Zusammensetzung der Legefiguren, als vielmehr im Tempo, mit dem ein Spieler sie legen kann. Aus Tangram hat er damit ein Wettkampfspiel gemacht, das seither vielfach nachgeahmt wurde.

Das neue „Tangram Kreis“ hat nun die geometrischen Formen für das Legespiel verändert und aus dem Gedulds- ein Ratespiel gemacht: Ein Spieler beginnt damit, Stein für Stein eine der möglichen Figuren nachzubilden, während die anderen möglichst frühzeitig erraten sollen, welche Figur es werden soll. Wer als erster richtig rät, bekommt einen Punkt. Wer die Spielsteine legt, versucht natürlich so zu legen, das erst spät erkannt werden kann ob ein Vogel, ein Männchen oder ein Muster entsteht. Gespielt werden können bei diesem Spiel eine farbige oder die schwarze Variante, denn die hölzernen Spielsteine sind nur auf einer Seite gefärbt. Eine Spielrunde dauert etwa zehn Minuten. Der Spielkreis, der sich zu den Spielsteinen zerlegen lässt, liegt in einem quadratischen Karton und die hölzernen Elemente wirken hochwertig.

Die Laubsägearbeiten von Horst Christoph waren der Ursprung dieser Idee. Obwohl gelernter Tischler hat er mehr in der Pflege gearbeitet. Zum Ausgleich gab er Werkkurse, bei denen er vornehmlich feine Laubsägearbeiten und Arbeiten mit der Kupiersäge anbot. Dabei entstanden feiner hölzerner Schmuck für die Weihnachtszeit, kreative Nistkästen und in den Vorlagen, die er aus Zeitschriften und Büchern sammelte, fanden sich auch Tangram-Vorlagen in unterschiedlichen Formaten, mal in Herzform und auch oval. Das waren aber eher dekorative Holzpuzzle und keine Spiele. Aber es inspirierte die beiden Freunde. Zwei Jahre dauerte es, ihre Spielvariante und Regeln des Spielverlaufs zu entwickeln, die Elemente farbig zu gestalten, ihre Ideen wieder zu verwerfen und wieder neu anzufangen. Torsten Marold hat als Spieleentwickler mehr Erfahrung, bezeichnet sich aber als Tischler fürs Grobe. Horst Christoph übernahm daher die Aufgaben des Feinmechanikers. Er sägte und teilte das Spiel, das nun aus einem Kreis entstehen sollte, immer wieder neu und immer wieder in genauer Passform der Teile zueinander, damit Figuren wie Männchen, Vögel, Fische oder geometrische Muster gelegt werden konnten. Schließlich waren die Spieleentwickler zufrieden und gaben das Ergebnis vieler Mühen an den Verlag. „Nicht interessant genug“, bekamen sie als Antwort und entwickelten weiter, bis es dann doch zu dem fertigen Produkt für zwei bis fünf Spieler im Alter von fünf bis 99 Jahren kam.

„Ich selber habe eigentlich gar kein Lust, ­etwas zu spielen“, sagt Marold und schiebt hinterher, dass es interessanter sei, ein Spiel neu zu entwickeln. „Finanziell lohnt sich das natürlich nicht“, hat Horst Christoph gelernt. Er überlässt das Finanzielle ganz seinem Freund Torsten. Ein kleines Honorar und eine Provision pro verkauftem Spiel, allerdings im Cent-Bereich, das würden Spieleverlage ausgeben, erklärt Marold. „Aber unsere Namen stehen auf dem Spiel“, erklären die Freunde ihre Autorenschaft mit etwas Stolz in der Stimme. Und ja, noch eine Tangram-Variante als Herz oder als Oval, das Reize die beiden Tüftler.

Das Spiel empfiehlt sich für Kinder, um geometrisches Verständnis zu entwickeln und besonders als generationenübergreifendes Spiel für Jung und Alt. Es braucht keine Vorbereitungszeit, hat einfache klare Regeln und kostet im Handel rund 15 Euro.

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