Beim ATSV Habenhausen endet am Sonnabend eine besondere Spieler-Trainer-Konstellation Das war es nur noch ein Uhlenberg

Habenhausen. Die Überraschung war gestern Abend perfekt: Bei Bettina Uhlenberg klingelte an der Tür, sie öffnete. Vor der frischgebackenen 38-Jährigen stand ihre komplette Mannschaft und sang ihr ein Ständchen - während der Trainingszeit! Ein Anblick, den die Oberliga-Handballerin des ATSV Habenhausen in vollen Zügen und doch gerührt genoss. Denn diesen Moment wird Tina Uhlenberg so schnell nicht mehr wieder erleben: Die Linkshänderin reicht am Sonnabend um 16.30 Uhr im Heimspiel gegen den BV Garrel ihren Abschied vom höherklassigen Handball ein. Das wird ihr am Bunnsackerweg gleich den nächsten Kloß in den Hals treiben.
05.05.2010, 21:21
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Von Olaf Kowalzik

Habenhausen. Die Überraschung war gestern Abend perfekt: Bei Bettina Uhlenberg klingelte an der Tür, sie öffnete. Vor der frischgebackenen 38-Jährigen stand ihre komplette Mannschaft und sang ihr ein Ständchen - während der Trainingszeit! Ein Anblick, den die Oberliga-Handballerin des ATSV Habenhausen in vollen Zügen und doch gerührt genoss. Denn diesen Moment wird Tina Uhlenberg so schnell nicht mehr wieder erleben: Die Linkshänderin reicht am Sonnabend um 16.30 Uhr im Heimspiel gegen den BV Garrel ihren Abschied vom höherklassigen Handball ein. Das wird ihr am Bunnsackerweg gleich den nächsten Kloß in den Hals treiben.

Hinter der Überraschung zum Geburtstag steckte ihr Ehemann Torsten, von den meisten eigentlich nur 'Eule' genannt, und freute sich diebisch. 'Ich bin mit der Schule bei Jugend trainiert für Olympia in Berlin, außerdem kommen wir von unserem guten fünften Platz nicht mehr weg: Da kann ich meiner Mannschaft ja auch mal ausnahmsweise frei geben', sagte er und lachte.

Und es ist schon eine besondere Konstellation, die da nun schon seit zwölf Jahren im Hause Uhlenberg eingezogen ist. Er ist derjenige, der am Spielfeldrand sagt, wo es langgeht - sie die Spielerin, die das mit Engagement tatkräftig umsetzt. Zuerst in Brinkum, wo sie sich kennengelernt hatten und gemeinsam von der damaligen Bezirksliga bis in die Oberliga durchmarschiert sind. Mittlerweile hat es die Trainer-Spieler-Beziehung auch in Habenhausen gemeinsam in die vierthöchste Spielklasse geschafft.

Und das ohne häusliche Schwierigkeiten, wenn es um die Spielaufbereitung in der 'dritten Halbzeit' in den eigenen vier Wänden ging? 'Na ja, am Anfang gab?s schon mal hier und da Probleme', lässt Tina Uhlenberg durchblicken, 'mittlerweile ist das für uns aber längst der Sportleralltag.' Torsten Uhlenberg verrät: 'Sie ist ja unter anderem auch meine Ratgeberin, wenn es um die Einsätze meiner Spielerinnen geht.' Im Gegenzug beurteilt er seine Frau dafür auf dem Feld wesentlich kritischer als den Rest des Teams. Wobei nicht ausgeschlossen ist, dass er sie auch schon mal länger auf der Bank schmoren lässt. 'Dann erinnern mich aber schon meine Spielerinnen an Tinas Einsätze', sagt der ATSV-Coach.

Die Konstellation mit der spielenden Ehefrau bereitet in Habenhausen keine Schwierigkeiten - und nicht nur dort. 'Das gab?s und gibt es ja auch immer noch in unserem Umfeld', erzählt 'Eule'. Marc und Sandra Winter (vom Regionalliga-Absteiger TuS Komet Arsten) oder auch auf Jörg und Christiane Leyens (damals beim TV Oyten), der inzwischen den letzten Habenhauser Konkurrenten dieser Saison, BV Garrel, trainiert, sind weitere Beispiele.

Beim ATSV Habenhausen hat das nun jedoch nach dem Abpfiff gegen Garrel allemal ein Ende. 'Es geht einfach nicht mehr', erklärt die 38-Jährige. Im vergangenen Jahr hatte sie sich einen Bandscheibenvorfall zugezogen und hilft im Team seitdem oft nur in mehreren Kurzeinsätzen über acht bis zehn Minuten aus. 'Länger reicht die Luft ja auch nicht, so nahezu ohne Training', räumt sie ein.

In der ATSV-Abwehr wird sie mit ihrer Routine als Abräumerin aber immer noch kräftig gebraucht. Und die zweimalige erfolgreiche Rückkehr nach den Geburten ihrer Töchter Jantje (5) und Lilith (2) - die muss man ihr ohnehin erst einmal nachmachen. 'Davor ziehe ich den Hut', sagt ihr coachender Mann, 'das würde ich aber auch zu jeder Anderen sagen. Denn das ist in dieser Liga meines Erachtens schon eine einzigartige Leistung.' Die Babysitter der beiden Kleinen, Nikola und Insa Klün, spielen derweil längst selbst im Team - was die Trainings- und Spielkoordination der Uhlenbergs freilich erschwert.

Ob Bettina Uhlenberg, die vor 32 Jahren beim TuS Arsten mit dem Handball begann, es nun aber auch endgültig damit sein lässt, das bleibt noch offen. 'Mal abwarten, so ganz aufhören kann man nach solch einer langen Zeit ja nie', ist sie überzeugt. Mit Janin Klingenberg ist sie zugleich die einzige Linkshänderin des Teams, die nun kürzer treten wird. Doch daran will jetzt noch niemand denken. Bis zur Verabschiedung oder der Saisonabschlussfeier direkt nach dem Spiel, wenn langsam der erste Wehmut aufkommt...

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