Ideen für Bremer Armutsgebiet

So soll es mit Kattenturm aufwärts gehen

Eine Stadtteilbibliothek, schönere Plätze, weniger Müll auf den Straßen und mehr Einkaufsmöglichkeiten – die Wunschliste der Bewohner von Kattenturm ist lang. Wir klären sechs Fragen zur Zukunft des Zentrums.
08.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
So soll es mit Kattenturm aufwärts gehen

Die Trostlosigkeit im Zentrum von Kattenturm soll verschwinden – das wünschen sich zumindest die Menschen, die dort leben.

Roland Scheitz

Wie soll es funktionieren, die trostlose Betonwüste im Zentrum von Kattenturm in einen lebenswerteren Ort zu verwandeln, an dem die Bewohnerschaft sich wohlfühlen, einkaufen und soziale Angebote nutzen kann? Diese Frage hat das Büro Forum in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Investoren, Fachleuten aus Behörden, Stadtteilpolitik, Nachbarschaft und Akteuren aus Einrichtungen vor Ort diskutiert. Herausgekommen ist ein Abschlussbericht, der alle Ideen für das Kattenturmer Zentrum bündelt und aufzeigt: Genau jetzt könnte es für das Armutsgebiet aufwärts gehen. Zumindest, wenn es am Ende nicht wieder am Geld scheitert. Und der Bericht gibt Antworten auf diese zentralen Fragen:

Warum muss im Zentrum überhaupt etwas verändert werden?

Seit Jahren versuchen die Menschen im Stadtteil, die für das politische und soziale Leben vor Ort verantwortlich sind, Verbesserungen für das Zentrum in Kattenturm zu erreichen. Denn sowohl die Häuser als auch die Infrastruktur passen nicht mehr zu den Bedürfnissen der Kattenturmer. Trotzdem ist es bisher häufig bei kleineren Einzelmaßnahmen geblieben. Der große Wurf, die Gesamtsituation zu verbessern, blieb bislang wegen mehrerer Hindernisse aus. Unter anderem war bislang unklar, wie es mit den beiden prägenden Gebäuden von Ortsamt und ehemaliger Post an der Gorsemannstraße weitergeht.

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Warum stehen die Chancen nun besser, dass sich etwas bewegen könnte?

Das ehemalige Postgebäude ist an Investoren verkauft worden, die offenbar willens sind, gemeinsam mit dem Stadtteil die Entwicklung der Immobilie zu gestalten. Außerdem steht nun fest, dass die Stadt das Ortsamtsgebäude, in dem auch das Polizeirevier untergebracht ist, verkaufen will. In dem Kaufvertrag könnten Bedingungen zu Nutzungsart und Aussehen des Hauses stehen, an die der Käufer sich halten müsste.

Gleichzeitig plant die Wohnungsbaugesellschaft Gewoba, den Parkplatz neben der Straßenbahnhaltestelle zu bebauen. Und zuletzt ist bereits das Geld für die geplante Verschönerung des Cato-Bontjes-van-Beek-Platzes durch die Baudeputation freigegeben worden. Gründe genug für Beirat und Quartiersmanagement, das nun abgeschlossene Moderationsverfahren mit dem Büro Forum anzustoßen.

Welche Probleme gibt es im Zentrum, die behoben werden sollen?

Einst war der Bereich Sanierungsgebiet, bis 2024 ist Kattenturm nun Fördergebiet des Bund-Länder-Programms Soziale Stadt und erhält Geld aus dem städtischen Fördertopf „Wohnen in Nachbarschaften“. Der Grund: Es leben dort viele arme Menschen und Familien, die auf Hilfsangebote angewiesen sind, um ihren Alltag bewältigen zu können.

Außerdem gibt es viele städtebauliche Mängel wie die trostlosen Fassaden mit dem Charme der 1960er-Jahre, die zum Teil ungepflegt wirkenden Freiflächen liegen eher am Rand verteilt als mitten im Zentrum und die Menschen halten sich dort nur ungern auf. Weitere Beispiele: Die Haltestellen von Bussen und Bahnen liegen für ein bequemes Umsteigen zu weit auseinander, es fehlen Verbindungswege, Räume für soziale Angebote und weitere Einkaufsmöglichkeiten wie ein Drogeriemarkt, den andere Stadtteilzentren haben.

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Welche Ideen gibt es, um das Zentrum attraktiver zu gestalten?

Die BSAG kann sich beispielsweise vorstellen, die Bushaltestellen näher an die Straßenbahn zu verlegen. An der Theodor-Billroth-Straße wünschen Stadtplaner sich mehr Vorderansichten anstatt unansehnliche Rückansichten der Häuser, die bisher nur zur Gorsemannstraße ausgerichtet sind. Es gibt die Idee, eine Stadtteilbibliothek als Angebot mit Strahlkraft ins Zentrum zu holen.

Außerdem soll es weitere Anlaufstellen geben, die die Bevölkerung in ihrem Alltag unterstützen. Auch neue Wohnungen für junge Menschen, die eine Ausbildung machen oder studieren, sind angedacht, um das Zentrum zu beleben. Die Freiflächen sollen mit Sitzplätzen und Pflanzen attraktiver und der Wochenmarkt ausgebaut werden. Ein städtebaulicher Wettbewerb soll sicherstellen, dass Neubauten und Freiflächen hochwertig gestaltet sind und zusammenpassen.

Welche Risiken gibt es, die die Verschönerung behindern könnten?

Aus Sicht von Quartiersmanagement und Beirat ist das größte Risiko, dass die Stadt zu wenig oder kein Geld zur Verfügung stellt, um die Ziele zu erreichen. Denn bislang ist unklar, ob Kattenturm nach 2024 in der Städtebauförderung bleiben kann (wir berichteten). Außerdem besteht die Sorge, dass die Ideen versanden, weil sich in der Bürgerschaft und Verwaltung sowie bei den anderen Beteiligten keiner für deren Umsetzung verantwortlich fühlt. „Wir müssen aber den Bürgern jetzt dringend beweisen, dass sie sich nicht wieder umsonst beteiligt haben, sondern ihre Wünsche ernst genommen werden“, mahnt Quartiersmanagerin Sandra Ahlers an. Der Beirat fordert von der Baubehörde, schnell tätig zu werden.

Wie geht es nun weiter?

Der Bericht könnte als Grundlage für die Fachleute in der Baubehörde dienen, um ein integriertes Entwicklungskonzept für Kattenturm zu entwickeln. Denn das ist neuerdings Pflicht für alle Gebiete, die im Städtebauförderprogramm Sozialer Zusammenhalt als Nachfolger für das Programm Soziale Stadt aufgenommen werden wollen. Außerdem kann Immobilien Bremen aus dem Bericht entnehmen, welche Punkte dem Stadtteil im Zuge des anstehenden Ortsamtsverkaufs wichtig sind. Diese können dann in der Ausschreibung mit aufgenommen werden.

Am Ende des Berichtes sind zehn Aufgaben definiert und Verantwortliche benannt, die sich darum kümmern sollen. Von Finanzierungsfragen über Klärung von Zuständigkeiten bis hin zu ausstehenden Gesprächen, die noch geführt werden müssen. Außerdem wird sich die Arbeitsgruppe „Zentrum“ des Beirates darum kümmern, dass alle Beteiligten am Ball bleiben und die Ziele nicht mehr aus den Augen verlieren.

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