Trainer-Karussell im Bremer Fußball

Eine pikante Trennung

Kein Vertrauen trotz Erfolge: Warum Steffen Dieckermann Komet Arsten verlässt und künftig Blumenthal trainiert. Spieler zeigen Verständnis für die Entscheidung
11.05.2020, 08:13
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Eine pikante Trennung

War seit 2013 Trainer bei TuS Komet Arsten: Steffen Dieckermann, der jetzt nach Blumenthal wechselt.

Jonas Kako

Bremen. Sollte es doch noch gehen, dann wird Steffen Dieckermann seine Aufgabe ganz normal zum Abschluss bringen. „Ich hätte auch Bock, die Saison zu Ende zu machen, aber Corona ist eine blöde Kuh“, sagt der 45-jährige Fußballtrainer. Solange die Pandemie ein großes Thema ist, wird sich vermutlich auch in der Landesliga nichts tun. Dann wird kein Spiel ausgetragen und Steffen Dieckermann nicht auf der Bank des TuS Komet Arsten sitzen. Es läuft also alles auf ein Ende des Kapitels zwischen dem Verein und seinem Trainer hinaus.

Bereits im Februar hatte Dieckermann ja seinen Abschied zur nächsten Saison angekündigt, und nun wurde bekannt, dass er in der kommenden Spielzeit zum Bremen-Ligisten Blumenthaler SV wechseln wird. Das ist an sich kein ungewöhnlicher Vorgang. Es kommt schließlich oft vor, dass sich ein Übungsleiter entscheidet, mal etwas anderes zu machen. Im Fall von Steffen Dieckermann wird die Trennung aber von besonderen Umständen begleitet.

Dieckermann und Arsten, das passte

Er sitzt nun seit 2013 auf der Bank des TKA und hat die Mannschaft nach dem Aufstieg 2016 in die Spitzengruppe der Landesliga geführt. Als Tabellendritter der aktuellen Saison mischte das Team zudem um den Aufstieg in die Bremen-Liga mit. Man könnte sagen: Steffen Dieckermann war mit dem TuS Komet Arsten verheiratet, und es lief recht gut in dieser Beziehung.

Nun sagt der Trainer allerdings: „Ich spürte kein Vertrauen und habe die Konsequenzen gezogen.“ Das sind Worte, die einer Erklärung bedürfen. Von Dieckermann wird es diese indes nicht geben. Ihm sei daran gelegen, kein „böses Blut“ zu erzeugen. Davon gab es ja auch genug im letzten Jahr. Damals hatte der TKA Steffen Dieckermann durch Nico Klein ersetzen wollen. Es war alles besprochen mit dem neuen Trainer. Der alte Trainer, also Dieckermann, war dagegen nicht informiert. Was zur Folge hatte, dass die Mannschaft sich auf dessen Seite stellte. Die sich anschließende Unruhe im Verein war umfassend. Sie kostete Serdal Tümkaya das Amt. Der Abteilungsleiter hatte den Trainerwechsel ja zu verantworten. Also trat er zurück. Aus der angedachten Personaländerung wurde dann auch nichts, Dieckermann blieb TKA-Coach. Und später sollte auch Tümkaya wieder ins Amt gewählt werden.

Vielleicht wurde damals schon der Grundstein für eine belastete Beziehung zwischen dem Abteilungsleiter und dem Trainer gelegt. Es gilt jedenfalls als offenes Geheimnis, dass Steffen Dieckermann das mangelnde Vertrauen in seine Person vor allem an Serdal Tümkaya festmacht. Und es gibt in dieser Hinsicht eine Art Kronzeugen: Stefan Wuttke. Er ist seit dem vergangenen Herbst der spielende Co-Trainer von Dieckermann und berichtet von einem Gespräch mit Serdal Tümkaya in der Winterpause. Es sei dabei auch um Steffen Dieckermann und dessen Zukunft gegangen. „Dabei hat er mich gefragt: Was wäre wenn?“, sagt Wuttke, der im Februar ebenfalls seinen Abschied angekündigt hatte. Er legte Tümkaya damals dahingehend aus, dass der Verein sich durchaus vorstellen könnte, den Trainer im Sommer abzulösen.

Es wäre quasi der zweite Anlauf gewesen nach der gescheiterten Trennung im letzten Jahr. „Wenn man will, kann man das so verstehen, aber dann hat er mich komplett falsch verstanden“, sagt Serdal Tümkaya. Er halte sehr viel von Stefan Wuttke und habe deshalb nur abfragen wollen, ob der Co-Trainer zwingend mit Dieckermann zusammen arbeiten müsse. „Ich biete ihm ja jedes Jahr irgendeine Jugendmannschaft an und wollte wissen, ob er sich auch eine Rolle ohne Steffen Dieckermann vorstellen kann“, so Tümkaya. Der Abteilungsleiter weiß allerdings, wie sensibel das Thema ist nach der gescheiterten Trennung im letzten Jahr. Für 2019 müsse der Verein auch die Verantwortung übernehmen: „Das ist blöd gelaufen, wir haben einen großen Fehler gemacht.“

Ginge es ihm aber ganz grundsätzlich um den Rauswurf des Trainers, so wäre dies in der Phase des schlechten Saisonauftakts leicht möglich gewesen. „Wenn ich kein Vertrauen zu Steffen hätte, dann hätte ich das nach den ersten fünf, sechs Spielen gemacht“, sagt Serdal Tümkaya. Für ihn ist auch die Sache mit den Spielern unkritisch. In der Winterpause – nachdem es wochenlang recht gut gelaufen war – hatte der Abteilungsleiter mit einigen TKA-Kickern gesprochen und dabei Kritik am Trainer vernommen. „Ich hatte diese Sachen gehört und bin dem in einem vernünftigen Gespräch mit Steffen Dieckermann nachgegangen“, sagt Tümkaya. Dem Trainer gefiel diese Aktion weniger gut. Er stellte den Teamgeist seiner Elf in einer der anschließenden Sitzungen infrage.

Spieler zeigen Verständnis

Menad Belkessam konnte das gut verstehen. Der 30-jährige Kapitän zählte auch nicht zu den besagten Spielern – es soll sich überwiegend um die Talente des Kaders gehandelt haben. „Grundsätzlich möchte ich mich zu dem gesamten Thema nicht äußern, aber ich kann Steffen Dieckermann schon nachvollziehen“, sagt Belkessam, der in der kommenden Saison in die 4. Herren des TKA wechseln wird. Ein Trainer, der kein Vertrauen spürte, auf der einen und ein Abteilungsleiter, der vorgibt, seine Aufgabe gewissenhaft erledigt zu haben, auf der anderen Seite – es ist offenbar kompliziert. Angesichts der Vorgeschichte erscheint die Trennung dagegen ebenso logisch wie konsequent. Hinsichtlich der Nachfolgeregelung besteht immerhin Einigkeit: Serdal Tümkaya ist „sehr froh“, in Kevin Köhler (derzeit Trainer der U 17) einen A-Lizenz-Inhaber gewonnen zu haben. „Ich freue mich wirklich über diese Nachfolge und werde das Amt sauber an ihn übergeben“, sagt Steffen Dieckermann.

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