Förderprogramme für Armutsgebiete

Hilfe für Arsten-Nord läuft weiter

In Arsten-Nord kann der Nachbarschaftstreff weiter Hilfe für Jung und Alt anbieten. Und auch die Chancen für Kattenturm stehen nicht schlecht, weiter Geld aus der Städtebauförderung zu erhalten.
12.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karin Mörtel
Hilfe für Arsten-Nord läuft weiter

Die Arbeit des Nachbarschaftstreffs am Erdbeerpflückerplatz in Arsten-Nord kann auch 2021 weitergehen.

Petra Stubbe

Die Sorge um die möglicherweise endende finanzielle Unterstützung für die Quartiere Kattenturm-Mitte und Arsten-Nord hat den Beirat Obervieland am Dienstagabend während einer Videokonferenz erneut beschäftigt. Im Falle von Kattenturm geht es um das städtebauliche Förderprogramm Soziale Stadt von Bund, Ländern und Kommunen, das 2024 endet. Für Arsten-Nord war außerdem bislang unklar, wie es nach dem Abzug der städtischen Mittel aus dem Fördertopf „Wohnen in Nachbarschaften“ weitergeht.

Jan Casper-Damberg aus der Baubehörde versicherte den Beiratsmitgliedern, dass mittlerweile Einigkeit im Ressort darüber bestehe, „dass es in Kattenturm auch weiterhin große Umbaubedarfe gibt“ sowie weitere drängende Themen wie das geplante Lernhaus. Daher sei der Vorschlag der Baubehörde nun, Kattenturm als eines von etwa fünf Gebieten in der Stadt, im neuen Förderprogramm Sozialer Zusammenhalt unterzubringen.

Lesen Sie auch

Gleichzeitig entschuldigte er sich für die unglückliche Kommunikation in dieser Frage, die zu großer Unruhe im Stadtteil geführt habe. Denn zeitweise sei im Ressort tatsächlich darüber nachgedacht worden, Kattenturm nach 2024 keine Hilfe mehr aus dem Nachfolgeprogramm zukommen zu lassen. „Doch nun sind wir zu einem anderen Ergebnis gekommen“, sagte Casper-Damberg. Hilfreich bei dieser Entscheidung sei der Abschlussbericht des erst kürzlich beendeten Moderationsverfahrens zu Kattenturm-Mitte gewesen. „Diesen Prozess haben Sie genau zum richtigen Zeitpunkt aufgegleist und die Ergebnisse bieten uns nun eine gute Grundlage“, sagte der Fachmann für Stadtumbau.

Eine verbindliche Zusicherung sei das allerdings immer noch nicht, warnte Casper-Damberg. Der stadtweite Auswahlprozess von Quartieren mit den drängendsten städtebaulichen Problemen sei noch nicht ganz abgeschlossen. „Das muss noch mit dem Senat abgestimmt werden.“ Die dafür notwendigen Gespräche mit Senatskanzlei und Sozialbehörde würden bis Jahresende stattfinden.

Keine grundsätzlichen Einwände zu erwarten

Dass zumindest von den Fachleuten von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) keine grundsätzlichen Einwände zu erwarten sind, signalisierte bereits deren Fachbereichsleiter für soziale Stadtentwicklung, Kai-Ole Hausen: „Aus unserer Sicht ist es unbedingt notwendig, dass es im Bereich Kattenturm weitergeht.“

Er sehe die Voraussetzungen für das neue Förderprogramm erfüllt, dass nicht nur soziale Probleme vorliegen sondern auch städtebauliche Mängel und größere Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt werden müssten. „Daher sind wir hocherfreut über diese eindeutige Aussage (aus der Baubehörde, Anm. d. Red.) heute Abend“, so Hausen.

Lesen Sie auch

Die Beiratsmitglieder reagierten durchweg positiv auf die Aussicht, dass Kattenturm weiterhin Unterstützung erhalten könnte. Kritische Anmerkungen gab es jedoch zu der Ankündigung, die dazu nötige Aufstellung eines Integrierten Handlungskonzeptes könnte recht lange auf sich warten lassen. „Fünf bis sechs Jahre darf das nicht dauern, bis Ergebnisse zu sehen sind, das muss schneller gehen“, forderte Sara Dahnken (SPD).

Auch Rolf Noll (Grüne) drängte auf eine zügige Umsetzung von baulichen Verbesserungen. „Es gab eine so positive Aufbruchstimmung bei allen Beteiligten zur Umgestaltung von Kattenturm Mitte, da können wir jetzt nicht noch jahrelang diskutieren, sondern müssen jetzt loslegen.“ Andernfalls, so waren sich Dahnken, Noll und Linkenpolitikerin Heike Hey einig, würde das zu Frust bei den Bürgern führen, die sich bereits mehrfach mit ihren Ideen und Verbesserungswünschen eingebracht hätten – wovon jedoch bislang kaum etwas sichtbar geworden sei.

Weitere Förderung über Landesprogramm

Deutlich klarer als für Kattenturm lautet indes die Botschaft aus dem Sozialressort für die weitere Unterstützung von Arsten-Nord: „Ab dem 1. Januar steht einer weiteren Förderung über das Landesprogramm Lebendige Quartiere der Regierungskoalition nichts mehr im Wege und sie soll auch dauerhaft gewährleistet sein“, sagte Hausen. Kritik kam an dieser Stelle erneut von Sara Dahnken, die auch beruflich mit dem Arster Nachbarschaftstreffpunkt „Aktivtreff“ über ihre Arbeit beim Deutschen Roten Kreuz verbunden ist.

Sie könne nicht verstehen, „warum man den Übergang von Wohnen in Nachbarschaften hin zum Programm Lebendige Quartiere nicht wie angekündigt besser gestalten kann“, so die Sozialdemokratin. Denn für die kleinen Gebiete wie Arsten-Nord, die aufgrund ihrer Größe von unter 1000 Bewohnern in der Win-Förderung keine Berücksichtigung mehr finden, sei eigentlich eine andere Rubrik vorgesehen gewesen als die nun für 2021 eingeplante.

Lesen Sie auch

Die Förderkriterien für Kleinstgebiete stünden aber erst ab dem Jahr 2022 fest. Daher fürchte sie, 2021 in der Rubrik „Quartierszentren“, wo es zentral um Themen wie Mietenabsicherung geht, nicht das benötigte Geld für die bewährten Beratungs- und Freizeitangebote für Jung und Alt bewilligt zu kommen. „Nun müssen wir sehen, was man mit der miserablen Lage macht“, so Sara Dahnken.

Maximal 12.000 Euro sind für 2021 für Arsten-Nord abrufbar. Mehr ist es auch über das Win-Programm in den Vorjahren nicht gewesen. „Ich bin optimistisch, dass das wichtige Angebot, das es bisher vor Ort gegeben hat, weitergeführt werden kann“, versucht Quartiersmanagerin Sandra Ahlers zu beruhigen. Sie biete ihre Beratung und Hilfe bei der Antragstellung für das Jahr 2021 an, die auch bereits begonnen habe.

Der Beirat forderte nun in einem einstimmigen Beschluss eine Art Krisentreffen mit allen beteiligten Ressorts, um eine tragfähige Lösung für das Jahr 2021 zu finden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+