A281-Baustelle in Obervieland

Drei Jahre Bauzeit sind fest geplant

Auf einer Veranstaltung der Bürgerinitiative "für eine menschengerechte A281" waren sich die SPD- und CDU-Vertreter einig, dass die von der Initiative geforderten Alternativen keine Chancen haben.
08.05.2019, 18:52
Lesedauer: 5 Min
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Von Antonia Dreyer
Drei Jahre Bauzeit sind fest geplant

Das Trogbauwerk zwischen Neuenlander Straße und Zubringer Arsten wird für die Dauer des Baus der A 281 zum Nadelöhr. Mehr Verkehr im Stadtteil wird die Folge sein.

Frank Thomas Koch

Monsterbaustelle, Trassenwahn und Baustellenchaos sind nur einige der Schlagworte, mit der die Bürgerinitiative für eine menschengerechte A 281 jetzt zu einer Diskussion in den Gemeindesaal der St. Markusgemeinde eingeladen hatte. Es ging erneut um den als Bauabschnitt 2/2 bekannten Teil des Projekts.

Derzeit mündet die A 281 noch in die Neuenlander Straße, mit einer Ampel am Ende der Ausbaustrecke. Geplant ist eine Verlängerung der Autobahn entlang des Flughafengeländes bis zum Arster Zubringer zur Autobahn 1. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH (Deges) verspricht sich von dem Bau eine Entlastung des innerstädtischen Verkehrs, der B 75 und der A 1. Außerdem sorge der Ausbau für eine bessere Verknüpfung des internationalen Fernstraßennetzes, der Häfen und des Flughafens. Denn die Autobahn 281 soll den Autobahnring um Bremen mit einer Eckverbindung zwischen der A 1 und A 27 schließen. Die Bürgerinitiative droht aber nun mit einer Klage und einem Eilantrag auf Baustopp. Zwei Hauptkläger haben sich nach ihren Angaben bereits gefunden und Spenden für die bevorstehende Klage werden auch schon gesammelt.

Angespannte Stimmung

Der Gemeindesaal war komplett gefüllt, und bereits am Anfang wurde deutlich, wie angespannt die Stimmung ist. Plakate zu Demonstrationsaufrufen wurden neben den Sitzplätzen ausgestellt. Schon am Anfang der Veranstaltung wies der Journalist Klaus Wolschner als Moderator darauf hin, „wer vernünftig diskutieren will, muss vor allem Zuhören und einander Ausreden lassen.“ Dennoch gab es zahlreiche Zwischenrufe aus dem Publikum.

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Das Podium war sich über die Auswirkungen der bevorstehenden Baustellen einig. „Es ist eine Zumutung, jedoch unausweichlich“, sagte Ralph Saxe (Grüne). „Die Trasse kann unmöglich verhindert werden, das Chaos ist vorprogrammiert“ fügte Olaf Dinné von den Freien Wählern hinzu. Auch Björn Tschöpe (SPD) und Heiko Strohmann (CDU) fanden Konsens. Es werde zu erheblichen Behinderungen kommen, weil Bauen immer eine Belastung mit sich bringe. Klaus-Rainer Rupp (Linke) sprach von einem „vorprogrammierten Irrsinn“ in Anbetracht der geplanten Baumaßnahmen. Hinrich Lührssen (Bürger in Wut) bezeichnete das alles als „großes Schlamassel“ und auch Gunnnar Christiansen von den Piraten sprach von einem drohenden Chaos.

Bürgerinitiative will Untertunnelung

Denn die geplanten Arbeiten des Bauabschnitts 2.2 bedeuten, dass der Tunnel an der Kattenturmer Heerstraße abgerissen wird. Dadurch wird zeitweise ein Linksabbiegen unmöglich. Für den auswärtsfließenden Verkehr bedeutet dies, dass sich ein Teil über die Habenhauser Landstraße, den Arsterdamm und weiter in die Neustadt durch die Kornstraße quälen muss. Staus, überfüllte Straßen und eine Veränderung in den Stadtteilen sind die allgemein erwarteten Konsequenzen.

Die Bürgerinitiative plädiert vor diesem Hintergrund von Anfang an für eine Alternativplanung der künftigen Bundesstraße 6 (B 6). Sie will eine Untertunnelung der B 6 unterhalb der Start- und Landebahn des Flughafens. So könnte die sogenannte B 6n (Bundesstraße 6 neu) abseits der Wohngebiete, insbesondere nicht durch die Wolfskuhlensiedlung, geführt werden. Alternativ schlagen sie den vierspurigen Ausbau zwischen der Anschlussstelle Autobahnzubringer Arsten und der Karl-Carstens-Brücke vor. So könnte dem massiven Verkehrschaos, dass der Bauabschnitt 2.2 mit sich bringt, entgegengewirkt werden.

Die Bürgerinitiative weist zudem auf den minimalen Zeitgewinn durch den Ausbau hin. „Dadurch ist man gerade mal eine Minute schneller“, sagte Initiativen-Sprecher Norbert Breeger. Laut der amtlichen Verkehrsprognose für 2030 würden zudem weder die B 75 noch die A 1 entlastet. „Der Bauabschnitt wird der Neustadt und Obervieland grundsätzlich schaden“, betonte Breeger. Man denke nur an das sich verändernde Stadtbild, den Einzelhandel und die Gastronomie, die in der Neustadt verankert sind. Höhere Verkehrsbelastung, durchfahrende LKW, Feinstaubbelastung und Lärm sind nur einige der erheblichen Folgen durch den Ausbau, befürchtet Breeger.

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Doch zumindest die Vertreter von SPD und CDU waren sich darin einig, dass die von der Initiative geforderten Alternativen keine Chancen habe, weder der vierspurige Ausbau noch die Untertunnelung: Zu hohe Kosten und mit dem vierspurigen Ausbau würde man wieder ganz von vorne beginnen. „Dann bin ich eben Hiob und sage: Es muss diese Trasse geben“ verkündete Strohmann. Das Bauvorhaben sei bereits beschlossen und man könne sich in dieser Planungsphase nicht mehr umentscheiden. Das dreijährige Baustellenchaos sei in Kauf zu nehmen. „Einen Leidtragenden muss es leider immer geben“, fügte Tschöpe hinzu.

Zum vierspurigen Ausbau sagte Rupp, dass man sich in eine Falle manövriert habe und fragte, wieso man am Anfang keine andere Alternative in Betracht gezogen habe. Dennoch müsse die Autobahn angeschlossen werden, andernfalls würde dies Probleme für mittelständische Unternehmen mit sich bringen. Die Piraten sind für die Alternative des vierspurigen Ausbaus, Christiansen betont „der vierspurige Ausbau würde das Problem der immensen Belastung lösen“.

In Sachen Klage zeigte sich Norbert Breeger siegessicher. „Wir haben 2011 schon einmal gewonnen, die Chancen, dass wir wieder ­gewinnen stehen sehr gut“, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative. Er spielt damit auf eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgericht in Leipzig an. Seinerzeit hatten die Richter festgestellt, der Planfeststellungsbeschluss weise „zahlreiche erhebliche Abwägungsmängel auf“. Die Planer seien vom geltenden ­Flächennutzungsplan abgewichen und hätten die Trasse zu Unrecht einfach nach Süden ­verlegt.

Alternativen seien nicht genug geprüft worden. Zudem sei die zu erwartete Lärmbelastung der Anwohner nicht ausreichend untersucht worden. Allerdings wurde der Planfeststellungsbeschluss durch das Urteil nicht aufgehoben, sondern musste nachgebessert ­werden.

Anmerkung der Redaktion:

In dem Text ist es zu einer Verwechslung der Fahrspuren gekommen. Durcheinander geworfen wurde zum einen die Alternatividee der Vereinigung der Bürgerinitiativen für eine menschengerechte A281 zum geplanten Ausbau der Autobahn, und zum anderen einige vorgesehene Baumaßnahmen auf den Ausweichstrecken im Vorfeld des Ausbaus der A281. Die Ursache: In beiden Fällen geht es um einen vierspurigen Ausbau.

Die Idee der Bürgerinitiative ist unter anderem der Bau einer ampelfreien, vierspurigen Auf- und Abfahrt zum bereits fertig gestellten Abschnitt der A 281 auf die Neuenlander Straße. Das würde nach ihrer Auffassung den Weg bis zur Anschlussstelle zur A1 nach Arsten so stark verbessern und den Verkehr so durchgehend ampelfrei ermöglichen, dass ein Ausbau der A 281 im besten Fall sogar überflüssig würde.

Dadurch könnte man sich auch die Großbaustelle an der Kreuzung Neuenlander Straße – Kattenturmer Heerstraße und Kornstraße mit all ihren Auswirkungen auf den Verkehr im Stadtteil ersparen. Überflüssig wäre damit auch die fälschlicherweise als Idee der Bürgerinitiative dargestellte geplante Ertüchtigung der Habenhauser Brückenstraße, um den Verkehr für die Dauer der Bauzeit zu bewältigen. Dafür soll die Straße zwischen der Anschlussstelle zum Autobahnzubringer Arsten und der Karl-Carstens-Brücke (Erdbeerbrücke) vollständig vierspurig ausgebaut werden - und zwar noch bevor die eigentlichen Arbeiten an der A 281 beginnen.

Zudem legt Olaf Dinné von den Freien Wählern Wert auf die Feststellung, dass er es bei aller Skepsis nach wie vor für möglich hält, die geplante Trassenführung für den Weiterbau der A281 noch zu verhindern.

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