"In Arsten wird Plattdeutsch lebendig gehalten"

Arsten. Die Kultur- und Mehrzweckhalle war brechend voll. Jung und Alt aus Arsten waren zusammengekommen, um gemeinsam mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Bürgermeister Jens Böhrnsen, Ortsamtsleiter Ingo Funck, Friedrich Greve vom Arbeitskreis Arster Geschichte(n) und vielen Gästen den Geburtstag Arstens zu würdigen.
12.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von VOLKER ALTHOFF

Arsten. Die Kultur- und Mehrzweckhalle war brechend voll. Jung und Alt aus Arsten waren zusammengekommen, um gemeinsam mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann, Bürgermeister Jens Böhrnsen, Ortsamtsleiter Ingo Funck, Friedrich Greve vom Arbeitskreis Arster Geschichte(n) und vielen Gästen den Geburtstag Arstens zu würdigen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann lobte in seiner Rede zunächst die Plattdeutsch AG, die in der Grundschule Arsten angeboten wird. Sie sei ein Teil der vielfältigen Kultur, die Arsten präge. Dazu gehöre auch die Geschichte, die sehr wichtig sei, "um sich heimisch zu fühlen und sich mit dem Ortsteil zu identifizieren", hob Neumann hervor. Die Festwoche spiele dabei eine ganz wichtige Rolle, denn sie zeige, wie " Tradition und das Leben in der heutigen Zeit harmonieren". Zum Schluss seiner Rede sprach Neumann vom Zusammenhalt, der eine Gemeinschaft stärke.

Was der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der bis 2008 Vorsitzender der CDU in Bremen war, in seinem Vortrag theoretisch beschrieb, setzten Ehemalige der Grundschule Arsten praktisch um. Sie führten unter Leitung von Plattdeutsch-Lehrerin Helga Poppe mehrere plattdeutsche Rollenspiele wie "Dat verdammte Telefon" auf. Als Belohnung gab es kräftigen Applaus vom Publikum und ein dickes Lob von Bürgermeister Jens Böhrnsen, der seine Rede mit den Worten "Ist es nicht wunderbar, dass wir so viele Plattsnackers haben?" begann. Besonders Arsten trage dazu bei, "das Plattdeutsch lebendig zu halten", lobte er. Der Ortsteil sei ein "lebendiger und attraktiver Stadtteil", in dem man sich "in Vereinen wie etwa im Chor oder in der Freiwilligen Feuerwehr" engagiere. Nur so könne man zeigen, "dass man sich hier zu Hause fühlt", stellte Böhrnsen fest. Als Kind habe er sehr viel über den Ortsteil gehört. Zum einen waren es die Erdbeeren, die "sehr gut geschmeckt haben", und zum

anderen die Straßenbahnlinie 4, die nach Arsten fährt.

Er verbinde aber auch schwere Arbeit mit dem dörflichen Ortsteil von Bremen. So hätten beispielsweise Straßenmacher oder Steinsetzer hart geschuftet. Außerdem habe "Arsten viel zum Schutz und zur Verteidigung Bremens beigetragen", würdigte Böhrnsen. Insofern schulde Bremen dem Ortsteil großen Dank. Obwohl der sich im vergangenen Jahrhundert stark verändert habe, habe er seine dörfliche Identität immer bewahrt. Auffallend sei auch, dass dort sehr viele junge Leute wohnten und "gerne heiraten". Das brachte Böhrnsen auf die Formel: "Jung, verheiratet und beliebt bei Familien - ein Stadtteil mit Zukunft." Nach Böhrnsen hatten die Kinder der Plattdeutsch-AG wieder das Wort. Sie sangen zwei Lieder.

Ortsamtsleiter Ingo Funck ging in seinem Kurzvortrag auf den Festumzug ein, der ein schönes Erlebnis war. "Ich saß auf dem Traktor von Jonny, der mir gleich zeigte, welche Straßen saniert werden müssen. Dabei wurde ich richtig durchgeschüttelt. Etwa 700 Menschen, alte und junge, sind mitgelaufen." Außerdem sei für ihn beeindruckend gewesen, dass viele Arster ihre Gärten geschmückt hätten.

Doch was ist eine Geburtstagsfeier ohne auf die Geburt zu schauen. Und genau diesen Part übernahm Friedrich Greve, der zum Abschluss eine Reise durch 800 Jahre Arsten unternahm. Die begann mit einem Dokument aus dem Jahr 1211, das den Ort erstmals urkundlich erwähnt. Er erzählte, dass Arsten als Schutz vor feindlichen Truppen eine große Rolle spielte. Er sprach vom Lahrshof in der Lake 11, der sich seit 400 Jahren im Familienbesitz befindet, erwähnte die Ziegeleien und die Straßenmacher, die aus Arsten kamen. Die Erdbeeren, die die Marktfrauen in die Stadt gebracht haben, waren ebenso Thema wie der Bau der Autobahn in den 1960er-Jahren. Gegenwärtig zeichne sich der Ort durch viele Neubaugebiete aus, er sei grün und habe immer noch dörflichen Charakter, beschrieb Greve. Er wünschte sich zum Schluss, dass "Arsten jung bleibt".

Das war die perfekte Überleitung, denn am Ende des Festaktes durften dann noch mal die Kinder der Plattdeutsch-AG auf die Bühne. Sie brachten die Gäste mit zwei Sketchen zum Lachen. "Es war so aufregend, weil ich noch nie vor einem so großen Publikum gespielt habe", sagte Arvid Witkabel. Der Elfjährige kann schon sehr gut Plattdeutsch sprechen, denn er hat Spaß am Lernen. "So kann ich mit meinen Großeltern reden." Das macht auch seine elfjährige Schwester Katharina, die bei den Sketchen mitgespielt hat. Ihre Eltern Anja und Manfred waren sehr stolz auf den Auftritt ihrer Kinder. "Sie haben das gut gemacht", sagte Manfred Witkabel. Dieser Meinung schloss sich seine Frau an und ergänzte: "Die Schüler haben das Programm aufgelockert, das war schön."

Diethard Wittlich gefiel die historische Reise sehr gut, da er sich sehr für den geschichtlichen Hintergrund interessiert. Insgesamt war es ein "gelungener Auftakt" für die große Geburtstagsfeier, wie Anja Witkabel zusammenfasste.

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