Workshop mit dem Schnürschuh-Theater

Jugendprobleme selbst inszeniert

Obervieland. Jeremy, ein dunkelhäutiger Junge, wird in seiner Klasse gemobbt, weil er neu ist, anders aussieht. Mitschüler prügeln auf ihn ein und beschimpfen ihn als 'Nigger'. Auch wenn sich die Schüler der 8c der Integrierten Gesamtschule Obervieland zuvor von den Inhalten ihrer Szenen distanziert haben, zeigen sie doch Ausschnitte, die genau so passiert sein könnten.
20.01.2010, 16:31
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Von Carolin Henkenberens
Jugendprobleme selbst inszeniert

Das Bremer Theater hat weiterhin mit Finanzproblemen zu kämpfen.

Jochen Stoss

Obervieland. Jeremy, ein dunkelhäutiger Junge, wird in seiner Klasse gemobbt, weil er neu ist, anders aussieht. Mitschüler prügeln auf ihn ein und beschimpfen ihn als 'Nigger'. Auch wenn sich die Schüler der 8c der Integrierten Gesamtschule Obervieland zuvor von den Inhalten ihrer Szenen distanziert haben, zeigen sie doch Ausschnitte, die genau so passiert sein könnten. Die Ergebnisse ihres Workshops in Zusammenarbeit mit dem Schnürschuh- Theater haben die Jugendlichen kürzlich im Bürgerhaus Obervieland präsentiert.

Drei Tage lang probten sie mit den beiden Theaterpädagogen Pascal Makowka und Mathias Hilbig. Eigentlich viel zu kurz, finden die Schüler. Gerne hätten sie mehr Zeit gehabt. 'Am ersten Tag haben wir uns alle vorgestellt und Aufwärmspiele gemacht', erzählt Tobias, einer der 21 Teilnehmer. Am zweiten Tag seien sie dann selbst gefordert gewesen: 'Wir sollten uns ein eigenes Stück ausdenken. Dazu haben wir uns in kleine Gruppen geteilt', berichtet der 14-Jährige. Seine Gruppe bereitete die Szene mit Jeremy, dem dunkelhäutigen Neuen in der Klasse vor. 'Wir wollten keine witzige Szene, sondern etwas Ernstes zum Nachdenken zeigen', erklärt Tobias. Mustafa, der den Jeremy gespielt hat, hat - genau wie seine Rolle - Erfahrungen mit Ausländerfeindlichkeit. Manchmal, sagt er, sei es vorgekommen, dass ihn jemand Neger genannt hat. 'Ich mag das nicht, wenn man jemanden nur wegen seiner Hautfarbe verurteilt', findet Mustafa.

Eifersucht, Gewalt und unerwiderte Liebe

Auch seine Mitschüler inszenierten alltägliche Probleme von Jugendlichen. Eifersucht, Gewalt und unerwiderte Liebe aber auch das Thema Masturbation behandelten sie in ihren kurzen Stücken - durchaus auch mit viel Witz. 'Ich war wirklich überrascht, was in manchen stillen Wassern steckt', gibt Klassenlehrer Jürgen Kuchelmeister zu. 'Erstaunlich, was ihr von euch gezeigt habt. Das ist mutig', lobt er die Schüler. Er und seine Kollegin Sigrid Schubart durften beim Workshop nicht dabei sein. 'Wir wurden immer hinausgeschickt', schmunzelt Schubart. Das habe die Schüler befreit und machte es ihnen leichter, ihre Hemmungen fallen zu lassen.

Die Idee zu dem Workshop hatte Sigrid Schubart. Nach einem Theaterbesuch mit den Schülern habe sie Schnürschuh- Intendant Reinhard Lippelt um Unterstützung für ein Theaterprojekt gebeten. 'Ich bin zwar auch Deutschlehrerin, aber ich wollte lieber Experten heranholen', sagt sie. Dass das Ganze geklappt hat, 'ist unheimliches Glück gewesen', meint Lippelt. Kurz zuvor sei ein Sponsoringvertrag mit der Beluga Shipping GmbH geschlossen worden. 'Leider ist es nicht die Regel, dass wir mit Schülergruppen Workshops veranstalten können, weil wir die finanziellen Mittel dazu oft nicht haben', bedauert Lippelt. Der Beirat Obervieland und der Schulverein finanzieren das Projekt auch mit.

Gesprächsrunde im Anschluss

Um die gewonnen Eindrücke und Erfahrungen zu reflektieren, fand im Anschluss der Aufführung eine Gesprächsrunde statt. Einigkeit herrschte darüber, dass alle gut zusammengearbeitet haben. Nur ein Schüler brach den Workshop ab. Die Regel der Theaterpädagogen lautet nämlich: Nur wer auch Theater spielt, darf teilnehmen. 'Eine Gemeinschaft kann nur dann entstehen, wenn alle mitspielen', erklärt Theaterpädagoge Mathias Hilbig. Da scheint er Recht behalten zu haben. Die 14-jährige Agnesa: 'Unsere Klassengemeinschaft ist in den Tagen viel besser geworden. Früher gab es öfter Streit, in den letzten Tagen aber nicht'.

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