Leerstehende Flüchtlingsunterkunft

Klassenzimmer statt Wohncontainer

Die verlassene Flüchtlingsunterkunft an der Marie-Mindermann-Straße ist Anwohnern und Ortspolitikern ein Dorn im Auge. Doch die meisten der leeren Container haben noch lange nicht ausgedient.
08.09.2019, 16:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Seit eineinhalb Jahren wohnt kein einziger Flüchtling mehr in den Mobilbauten, die unter heftigem Protest einiger Anwohner im Sommer 2017 an der Marie-Mindermann-Straße aufgestellt wurden. Nun wollen Stadtteilpolitiker und die Nachbarschaft, dass die leeren Wohncontainer so schnell wie möglich entfernt werden. Das wird wohl noch ein paar Monate dauern, ist von der zuständigen Gesellschaft Immobilien Bremen (IB) zu erfahren.

Derzeit sind Gerüchte im Umlauf, die leeren Container seien ein Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern, weil sie angeblich nicht weiter genutzt würden. Dafür hat der Sprecher von Immobilien Bremen keinerlei Verständnis. Schulz: „Das sind aus der Luft gegriffene Behauptungen, die jeglicher Sachkenntnis entbehren.“ Denn eines sei klar: Das meiste auf dem Platz erfülle bald eine neue Aufgabe in der Stadt.

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Es sieht aber tatsächlich ziemlich rumpelig aus auf dem Gelände der verlassenen Flüchtlingsunterkunft. Dort standen einst aus je mehreren Wohncontainern zusammengestapelte „Häuser“, in denen Menschen nach ihrer Flucht eine vorübergehende Bleibe gefunden hatten.

Aber weil viele der Fenster und Türen ausgebaut wurden, hat sich Regenwasser zum Teil auf den Böden der Mobilbauten angesammelt. Abmontierte Eisentreppen liegen durcheinander auf dem Gelände. Anwohner sprechen von „Verwahrlosung“, wenn sie den Ort beschreiben. Sie wünschen sich ihr wildes Grün zurück, das zuvor die Fläche überwuchert hat.

Der Obervielander Ortsamtsleiter Michael Radolla kennt diesen Wunsch: „Auch der Beirat beschäftigt sich bereits länger mit der Frage, wie die Container weiterverwendet und wie schnell das Gelände geräumt werden kann.“ Ginge es nach den Stadtteilpolitikern, soll auf der Fläche zwischen den Reihenhäusern und der Autobahn so schnell wie möglich wieder ein Grünzug entstehen. „Die Container stehen schon viel zu lange dort leer“, so Radolla. Zuletzt sei der Ortspolitik zugesagt worden, dass bis Ende Oktober die Mobilbauten entfernt werden.

Neuer Einsatz an Schule und Kita

Doch bei Immobilien Bremen gibt es offenbar aktuell einen neuen Zeitplan. „Bis Anfang des kommenden Jahres wird das mindestens noch dauern“, sagt IB-Sprecher Peter Schulz. Damit verbunden gebe es allerdings eine gute Nachricht: „Die verbliebenen Mobilbauten werden zum Großteil an der Grundschule Nordstraße in Walle und für eine Kita auf dem Gelände des Klinikums Ost weiter genutzt“, so Schulz.

Auch sei etwa die Hälfte der Wohncontainer bereits zu neuen Einsatzorten in der Stadt transportiert worden. An zehn Schulstandorten in Bremen würden bereits Mobilbauten aus ehemaligen Flüchtlingsunterkünften verwendet, heißt es aus der Bildungsbehörde. Etliche davon sind auch von der Marie-Mindermann-Straße gekommen. „Wir sind sehr froh, dass wir auf die vorhandenen Container zurückgreifen können, weil das eine Zeitersparnis für uns bedeutet und wir so schneller die dringend benötigten Schulkapazitäten ausbauen können“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp.

Die restlichen Mobilbauten müssen aber offenbar noch so lange in Kattenesch stehen bleiben „bis wir für die zukünftigen Standorte die Baugenehmigung haben und den Untergrund sowie die Anschlüsse vorbereitet haben“, erklärt Schulz. Die Container irgendwo zwischenzulagern, sei indes keine Option. Denn für jeden Transport muss ein spezieller Kran und ein Tieflader angefordert werden, die längere Zeit im Einsatz sind. „Und die sind dann zweimal notwendig, da kommen schnell Kosten in Höhe von 100.000 Euro zusammen – das wollen wir auf keinen Fall dafür ausgeben“, so Schulz.

Nicht verwahrlost, sondern eine Baustelle

Von Verwahrlosung wollen weder der Ortsamtsleiter noch die Fachleute bei Immobilien Bremen sprechen: „Das ist in keinster Weise verwahrlost, das ist eine Baustelle“, sagt Schulz und verweist darauf, dass die Demontage einzelner Elemente wie Fenster und Türen ganz bewusst bereits passiert sei. „Das wird am neuen Standort dann wieder nach den neuen Bedürfnissen zusammengesetzt, aber die Mobilbauten bleiben gut verwendbar“, versichert der Sprecher.

Im Sommer habe es zwischenzeitlich Sicherheitsbedenken gegeben, weil offenbar ein Container sowie weiteres Material außerhalb des Bauzauns gelegen habe, berichtet der Ortsamtsleiter. „Doch das wurde dann wieder hinter dem Bauzaun gesichert, damit Kinder und Jugendliche keinen Zugriff mehr haben“, so Radolla.

„Etwas wüst“, das gesteht man bei Immobilien Bremen ein, würden dagegen die herumliegenden Eisentreppen aussehen, die extra für die Häuser in einer speziellen Höhe angefertigt worden seien. Die wieder aufzustellen ginge leider nicht. „Aber auch die werden verschrottet und wir erhalten einen Erlös dafür“, sagt Schulz.

Auch die Sanitärcontainer könnten weiterverkauft werden als Ergänzung zu Baustellenunterkünften oder für andere Zwecke. „Wir bereiten derzeit den Verkauf derjenigen Container vor, die die Stadt nicht verwenden kann“, so Schulz. Aber auch dafür sei erst ein Ausschreibungsverfahren nötig, daher gehe das nicht von heute auf morgen.

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