20 Grad im Operationssaal Klimasystem des Klinikums Links der Weser kommt an seine Grenzen

Die Hitze bringt das Klimasystem im Krankenhaus Links der Weser an seine Grenzen. Jetzt werden bei laufendem Betrieb Kompressoren für die Versorgung des Ambulanten Versorgungs-Zentrums ausgetauscht.
06.08.2018, 10:55
Lesedauer: 3 Min
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Klimasystem des Klinikums Links der Weser kommt an seine Grenzen
Von Nina Willborn

Läuft man durch die Techniketage des Klinikums Links der Weser (LDW), fühlt man sich ein bisschen wie in der Kulisse für einen Science-Fiction-Film mit mittelmäßigem Etat. Es surrt und dröhnt wie in einem Flugzeug in diesem Labyrinth aus silberfarben verkleideten und schwarzen Röhren – dicke, mitteldicke und dünne. Wohin sie führen und woher sie kommen, erschließt sich dem Laien nicht. Dazu unzählige Regler, Apparaturen und Anzeigetafeln. Einer, der sich auskennt hier oben in der dritten Etage, ist Elektromeister Thomas Neugebauer. Ohne die Mitarbeiter der Gebäudetechnik würde der ganze Krankenhausbetrieb zum Erliegen kommen, denn sie sorgen unter anderem dafür, dass die anlagen funktionieren.

Bei Temperaturen wie im Moment kommt das System an seine Grenzen. Im Bereich des Ab- und Zuluftsystems für das Ambulante Versorgungs-Zentrum (AVZ) sind Neugebauer und seine Kollegen dabei, Kompressoren für die Kältemittel auszutauschen. Das ist notwendig, weil die Technik, die beim Bau des Zentrums 2007 verwendet wurde, inzwischen überholt ist. Die Herausforderung für die Techniker besteht darin, dass sie am laufenden System arbeiten. In der zentralen Notaufnahme läuft die neue Technik schon seit 2015.

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Umbau der Klima-/ Luftreinigungsanlage nötig

„Wir merken, dass sich die bisherige Anlage bei hohen Temperaturen nicht bewährt. Deshalb wird sie umgebaut. Wir hoffen, den ersten Teil demnächst in Betrieb nehmen zu können“, sagt Neugebauer. Durch die neuen Kompressoren soll, vereinfacht gesagt, die Luft, die von draußen für die Operationssäle und Technikräume angesaugt wird, schneller und besser gekühlt werden.

Das Raumklima auf den Stationen und in den Aufenthaltsbereichen für Patienten wie Besucher wird im LDW sozusagen manuell, also durch Lüften, gesteuert. Das hat unter anderem den Grund, dass bei Klimaanlagen das Risiko einer Verbreitung von Keimen und Viren größer wäre. „Normalerweise bekommen wir das gut hin“, sagt Rolf Schlüter, Sprecher der Gesundheit Nord (Geno), „auch wenn wir es uns natürlich im Moment für die Patienten kühler wünschen würden.“ Früh morgens und abends werden die Fenster geöffnet und tagsüber darauf geachtet, dass sie geschlossen bleiben.

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Besondere Temperatur- und Luftvorgaben für die OP-Säle

In den Operationssälen, alleine im AVZ gibt es vier, braucht es dagegen die Technik. Normalerweise liegt die Temperatur in einem OP zwischen 20 und 22 Grad Celsius, bei speziellen Operationen wie beispielsweise einem Kaiserschnitt kann sie zum Schutz der Patienten aber auch höher liegen. Manchmal wird die Technik auch angewendet, um Patienten während der Operation auf Wärmedecken zu legen. „Jeder Raum ist einzeln ansteuerbar“, erklärt Schlüter. „Das OP-Personal kann die Temperatur auch nach den Wünschen der Operateure selbst nach oben oder unten regeln.“ Auch auf den Intensivstationen liegt die Temperatur bei ungefähr 20 Grad. Schlüter: „Für Operationssäle gelten keine Toleranzen. Das ganze System muss 24 Stunden an 365 Tagen funktionieren.“

Nicht nur für die Temperatur, auch für die Qualität der Luft gelten in einem Operationssaal besondere Vorgaben: Sie ist besonders rein. „99,98 Prozent der Staubpartikel werden herausgefiltert“, sagt Techniker Neugebauer. „Die Lüftungstechnik eines OP-Traktes ist ein hochdifferenziertes Konzept.“ Vor den Sälen gibt es Schleusen. In den Saal gelangt die saubere Luft durch die Decke, über dem OP-Tisch sind in einem größeren Bereich Filter und eine spezielle Schicht eingelassen. „Die Zuluft ist ein Grad kälter als die Luft im Raum“, erklärt Neugebauer. Das hat den Effekt, dass sich die kältere Luft, die ungefähr ein Drittel der Raumluft ausmacht, gleichmäßig absenken kann, ohne dass Verwirbelungen entstehen.

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Funktioniert etwas nicht oder stimmt einer der Werte nicht, wird die Gebäudetechnik alarmiert. Alle halbe Jahre wird das System einem Test unterzogen, bei dem mithilfe eines speziellen Gases die Absenkung der Luft gemessen werden kann. Grundsätzlich gehört die Lüftungstechnik in einer Klinik zu den Bereichen, die an eine unterbrechungsfreie Stromversorgung angeschlossen sein müssen. Fällt der Strom für längere Zeit aus, läuft das System über Batterien, bis der Notfall-Dieselmotor angelaufen ist. Zwei Mal pro Jahr wird ein Stromausfall simuliert. Schlüter: „Das LDW könnte sich etwa eine Woche lang autonom versorgen. Danach würde es kritisch.“

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