Hoodtraining in Bremen

Kraftakte und Rap zwischen Hochhäusern

Kinder integrieren und ihnen gute Vorbilder sein, das ist das Ziel, das Daniel Magel mit seinem Hoodtraining verfolgt. In Kattenturm ist das Projekt gut angekommen.
09.08.2018, 03:02
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg Teichfischer
Kraftakte und Rap zwischen Hochhäusern

Trotz der Hitze haben Masud (links) und Nobar am Hoodtraining in Kattenturm Spaß an den anstrengenden Übungen und zeigen einen perfekten Handstand.

Teichfischer

Kattenturm. Richtig ins Schwitzen kamen die Teilnehmer des kostenlosen Hoodtrainings, dass die Organisation "Aktion Hilfe für Kinder" auf der eingezäunten Sportfläche auf dem Gewoba-Gelände im Max-Jahn-Weg angeboten hat. Barren, Klimmzugstange, Ringe, ein Sandsack und andere Geräte waren dort aufgebaut, wo sonst die Jugend aus dem Viertel (englisch Hood) mit Bällen spielt. Laute Rapmusik animierte die Kinder und Jugendlichen trotz hoher Außentemperaturen zum Tanzen oder Bewegen.

Vier Tage lang konnten die jungen Anwohner und Freunde des Trainingsprogramms verschiedene Sportarten ausprobieren und sich von Fachleuten zu dem speziellen Training anleiten lassen. Nobar zeigte beispielsweise die „menschliche Flagge“. Dabei hängt der eigene Körper möglichst waagerecht und ohne Hilfsmittel an einer senkrechten Stange. Viel Kraft erforderten auch besondere Handstände, Figuren auf einer Barrenstange oder ausdauernde Klimmzüge.

Die Übungen hat unter anderem Projektleiter Daniel Magel den Jugendlichen gezeigt. Er war 2001 auf die Idee gekommen, das Image seines Stadtteils Tenever "aufzupushen", unter anderem mit Hilfe sportlicher Übungen. "Wir wollten die Kinder integrieren und ihnen gute Vorbilder sein“, sagt Magel. Im Freizi Blockdiek gab der Inklusionspädagoge 2009 Boxtraining, 2015 auch in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen. Inzwischen ist sein Hobby zum Beruf geworden. Magel beschäftigt mehrere Mitarbeiter als Trainer und im Büro, da seine Ansätze sind auch in anderen Bundesländern gefragt sind. „Wir wollen schwere Übungen einfach aussehen lassen“, erklärt er sein Konzept, junge Leute zum Sport zu bewegen. Seiner Ansicht nach kommt Sport in der Schule viel zu kurz. „Die Geräte sind da, aber am Personal mangelt es“, weiß Magel. In mehreren Schulen leiten er und seine Mitarbeiter Arbeitsgemeinschaften. „Ständig gibt es neue Anfragen.“

Begleitet wurde das Hoodtraining in Kattenturm von Adrian Adu, der Workshops im Rappen anbot. „Zwischen der Hip-Hop-Kultur und dem Training gibt es Parallelen“, erklärt der Rapper. Dazu gehöre die „Motivation, etwas auszudrücken und der Außenwelt mitzuteilen“. Dieses Bedürfnis hätten viele Jugendliche, sagt Adu. Sie würden in Gesprächen immer wieder die Themen Geschlechterrolle, Diskriminierung und Rassismus in den Vordergrund stellen, die sich auch in vielen Raptexten wiederfinden würden.

Der Junge Nikita fing erst einmal mit Liegestützen an, nachdem er die Vorführungen der Profis gesehen hatte. „Das ist einfacher“, sagte der Achtjährige. Einige Mädchen ließen sich das schnelle Laufen über die „Speed Ladder“ (Sprossenleiter) erklären und probierten es danach selbst aus. „In den Tagen haben sich die Leute immer mehr zugetraut“, bilanziert Magel nach dem Workshop, der in Kooperation mit dem Verein Vaja, der unter anderem die Verpflegung der Teilnehmer organisierte, und der Gewoba durchgeführt wurde. Finanzielle Unterstützung gab es unter anderem aus dem Programm „Soziale Stadt“.

In Obervieland gibt es nach Auskunft von Michael Radolla „erste Vorüberlegungen“ für einen festen Trainingsplatz. „Ich bin mir sicher, dass das von den Kindern und Jugendlichen angenommen wird“, sagte der Ortsamtsleiter nach dem Besuch des Camps.

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