Beirat warnt vor weiterem Zeitverlust Mehr Tempo beim Lernhaus in Kattenturm gefordert

Ein Lernhaus soll die Bildungschancen von Kindern benachteiligter Familien verbessern. Doch die Planungen geraten immer wieder ins Stocken. Nun ist klar: die Umsetzung dauert noch bis zu fünf Jahre.
11.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Ungehalten zeigt sich der Obervielander Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) darüber, dass es mit dem Lernhaus-Projekt für den Ortsteil Kattenturm seit Jahren nicht vorwärts geht. „Seit 2017 agiert eigentlich nur der Beirat, darüber sind wir sehr unglücklich“, sagte Markus während einer Online-Beiratssitzung am Dienstagabend.

Fachfrauen aus der Bildungsbehörde und von Immobilien Bremen beteuerten, das Projekt durchaus im Blick zu haben. Allerdings laufe die konkrete Vorplanung für das Gebäude zwischen dem Kinder- und Familienzentrum und der Grundschule Stichnathstraße gerade erst an, räumten sie ein.

Aufstieg durch Bildung

Ein Lernhaus für bessere Bildungschancen von Kindern und Familien im Armutsquartier Kattenturm – darauf arbeiten seit 2014 engagierte Menschen mit einem großen Unterstützerkreis hin. Doch immer wieder hat sich das Projekt verzögert, nachdem es 2017 offiziell während einer Planungskonferenz des Beirates auf den Weg gebracht worden war. Erst im Herbst 2018 startete die Bildungsbehörde einen „Phase 0“ genannten Arbeitsprozess unter Beteiligung von mehr als 35 Akteuren, um generelle Wünsche, Bedürfnisse künftiger Nutzergruppen und die Anzahl der benötigten Räume grob zu ermitteln.

Danach gab es wie berichtet personelle Schwierigkeiten in der Bildungsbehörde, weshalb Immobilien Bremen (IB) erst im Sommer mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt wurde. Dort wiederum ruhte der Auftrag für eine Vorplanung offenbar ein halbes Jahr. Doch jetzt könne sich eine Mitarbeiterin darum kümmern, hieß es während der Beiratssitzung.

Lernhaus soll 2026 fertig sein

Einen Zeitplan für Fertigstellung der Vorplanung gebe es daher noch nicht, so die Vertreterinnen von IB. Grobes Ziel sei es, im Laufe des Jahres damit fertig zu sein. Insgesamt sei noch mit vier bis fünf Jahren bis zur Fertigstellung des Lernhauses zu rechnen.

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Unverständnis herrschte im Beirat darüber, dass trotz der Vorüberlegungen in der „Phase 0“ die Planung wieder ganz von vorne anfangen und die Bedarfe der beteiligten Einrichtungen erneut abgefragt werden sollen. Der ehemalige Leiter der Grundschule Stichnathstraße, Carsten Dohrmann, der jetzt im Haus der Bildungssenatorin beschäftigt ist, gab sich hingegen optimistisch: „Die Ergebnisse der Phase 0 werden sicherlich einfließen und den Prozess beschleunigen.“

Außerdem zeigten sich einige Mitglieder des Stadtteilparlaments besorgt darüber, dass aktuell ganz neue Überlegungen zur Schaffung zusätzlicher Kitaplätze im Lernhaus eine Rolle spielen, die ebenfalls eine größere Umplanung erforderlich machen könnten. Statt wie bisher angedacht drei neue Kitagruppen könnten nun vier bis fünf im Lernhaus Platz benötigen.

Kitaplatz auf Zeit

„Irgendwann müssen wir uns festlegen, was wir realisieren wollen, sonst fangen wir mit der Planung immer wieder von vorne an“, kritisierte Sara Dahnken (SPD). Auch Roman Fabian (Linke) forderte, die Planung endlich festzuzurren: „Eine größere, schönere Planung darf nicht verhindern, dass man überhaupt mal in den Quark kommt.“ Christin Loroff (CDU) plädierte hingegen dafür, mehr Kitaplätze zu schaffen, wenn die Chance dazu da sei. Sollte es dazu kommen, würden die aktuell unversorgten Kinder angesichts der langen Planungs- und Bauzeit davon allerdings nicht mehr profitieren, so Stefan Markus.

Katharina Hebecker, die im Bildungsressort zuständig für die Kitaplätze im Stadtteil ist, verteidigte den neuen Ansatz. „Der Bedarf an mehr Kitaplätzen im Quartier ist da, daher muss eine Diskussion darüber erlaubt sein.“ Dennoch versicherte sie, die Lernhausidee werde deswegen nicht zugunsten einer großen Kita aufgegeben.

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Das Lernhaus steht als Beispiel für einen „Beitrag einer präventiv orientierten Politik zur Stützung von Bildungsprozessen in förderbedürftigen Quartieren“ sogar im Koalitionsvertrag der rot-grün-roten Regierung. Erste Haushaltsmittel wurden ebenfalls bereitgestellt, die laut Bildungsbehörde in die laufende Vorplanung fließen.

Dass diese Gelder nicht für den Bau reichen werden, ist von vornherein klar gewesen. Der Beirat, der als Bündnispartner des Lernhauses auftritt, hat daher nun einstimmig einen Haushaltsantrag verfasst, in dem er fordert, für die Haushaltsjahre 2022/2023 „ausreichend finanzielle Mittel für das Lernhaus bereitzustellen“.

Info

Zur Sache

Ein Ort für die ganze Familie

Die Idee für ein Lernhaus entwickelten 2014 die Kattenturmer Quartiersmanagerin und die Leitungen der Kita und der Grundschule an der Stichnathstraße. Wegen der schwierigen Lage vieler Kinder vor Ort, deren Probleme auch in der Bilanz der ersten Bremer Armutskonferenz Thema waren. Die meisten Kinder im Quartier sprechen Deutsch nicht als Muttersprache und leben in Familien, die nur wenig Geld zur Verfügung haben. Um ihnen bessere Zukunftschancen zu bieten, soll das Lernhaus ein Ort für die ganze Familie werden. Mit zusätzlichen Räumen für Kita- und Schulkinder, aber auch für die Eltern, in denen sie lebensnahe Bildungsangebote und Unterstützung für einen leichteren Familienalltag erhalten.

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