Krankenhausdirektorin tritt ihren Dienst an

Übernahme in unruhigen Zeiten

Das Klinikum links der Weser hat eine neue Direktorin: Michaela Ackermann-Redl. „Ich bin mir bewusst, dass es sehr harte Monate werden“, sagt die 55-Jährige. Doch Corona sei nicht die einzige Herausforderung.
16.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel
Übernahme in unruhigen Zeiten

„Es ist nicht die erste Welle, wir sind vorbereitet“, sagt Michaela Ackermann-Redl über den Kampf von Ärzten und Pflegepersonal gegen Covid-19.

Roland Scheitz

An die Verleihung ihres Abschlusses als Krankenschwester erinnert sich Michaela Ackermann-Redl so lebendig, als wäre es gestern gewesen. „Es war ein fantastischer Moment“, fasst sie die Ehrung im Wiener Rathaus vor mehr als 30 Jahren zusammen. Und die Begeisterung ist geblieben. „Ich habe einen so tollen und ehrenwerten Beruf.“ Seit Kurzem ist Michaela Ackermann-Redl neue Krankenhausdirektorin am Klinikum links der Weser. Mit ihrer Berufung als Nachfolgerin von Angela Peter, die die Altersgrenze erreicht hat, leitet sie den Klinik-Standort in Kattenturm nun gemeinsam mit Arnd Steffen Böhle und Thorsten Rüßmann.

Michaela Ackermann-Redl wurde 1965 in Österreich geboren. „Genauer gesagt in Niederösterreich“ – diese Unterscheidung ist ihr wichtig. „Mit 16 bin ich in die Hauptstadt an die Uniklinik gegangen, um dort eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen.“ 1997 verschlug es sie dann nach Bremen. Fernweh und Neugier waren die Gründe dafür. „Ich wollte nach langer Zeit an der Uniklinik – inzwischen war ich da auch die stellvertretende Pflegeleitung – etwas anderes sehen.“

Sie begann am Klinikum lins der Weser zu arbeiten und wurde nach einiger Zeit Stationsleitung in der Kardiologie und Inneren Medizin. Über ihre neue Aufgabe als Direktorin sagt sie: „Ich trete in sehr große Fußstapfen“, und macht damit ihrer Vorgängerin, Angela Peter, ein Kompliment. Worauf sie sich einlassen würde, wusste sie sehr genau. Die 55-Jährige durchlief mehrere Stationen am Klinikum links der Weser. Unter anderem war sie Klinikpflegeleitung für die Frauenheilkunde und Geburtshilfe, OP sowie Anästhesie und die Notfallaufnahme. Seit 2018 war sie als Abwesenheitsvertretung der Pflegedirektorin tätig und sie ist Mitglied im Aufsichtsrat der Gesundheit Nord Dienstleistungen GmbH. „Ich bin immer mehr in die Direktionsebene gerutscht“, fasst Ackermann-Red ihren beruflichen Werdegang zusammen.

Ihre Diagnose fällt eindeutig aus

Das Ruder übernimmt sie in unruhigen Zeiten. Als größte Aufgabe abseits des Kampfes gegen die Pandemie nennt sie den Fachkräftemangel. „Corona ist eine Herausforderung, aber mehr Menschen dazu zu bekommen, Krankenpfleger oder Krankenschwester zu werden, das ist wirklich schwer.“ Ihre Diagnose ist eindeutig: „Es werden die Häuser überleben, die es schaffen, genug Personal zu bekommen und zu halten.“

Der Markt sei im besten Falle hart umkämpft und im schlechtesten wie leer gefegt. Die Gründe hierfür seien vielfältig, aber der Ruf der Branche sei sicherlich mitentscheidend.

„Es ist einfach vonseiten der Politik sehr viel gespart worden, das geht zulasten der Arbeitsbedingungen. Wenn die Arbeitsbedingungen nicht stimmen, ist das ein großes Problem“, sagt sie. Abgesehen von der Bezahlung sei dies ausschlaggebender Faktor bei der Suche nach Personal. Ackermann-Redl setzt diesbezüglich auf Mundpropaganda. Wenn sich ein Krankenhaus als guter Arbeitsort rumspreche, sei das die beste Werbung. Eine brancheninterne Kennzahl dafür: Die Größe des Teams vor Ort.

Ein grundsätzliches Problem sei aber die moralische Erpressbarkeit von Menschen, die ihren Beruf als Berufung begreifen. „Streik und Verantwortung für Menschenleben, das passt nicht gut zusammen.“ So würden hier ansetzende Argumente viele Pflegekräfte davon abhalten, für eine bessere Bezahlung, mehr Personal oder schlicht für Respekt, der über den Applaus von Balkonen hinausgeht, die Arbeit niederzulegen.

Direktorin mit Erfahrung in der Pflege

Mit dieser Erfahrung im Hintergrund hat sie ihre neue Tätigkeit vor Kurzem angetreten. Ihren Beruf als Krankenschwester vermisst sie dennoch manchmal: „Wenn ich heute durchs Haus gehe und dabei traurig aussehende Patienten sehe, berührt mich das sehr.“ Sie denke dann oft an schöne Erlebnisse und gute Gespräche zurück. Das will sie sich bewahren. „Was früher die Patienten für mich waren, sind jetzt meine Mitarbeiter.“

Dass sie vor vielen Jahren in die Hansestadt gekommen ist, habe sie nie bereut. „Bremen ist eine tolle, grüne Stadt mit Bürgern, die zu meiner Mentalität passen.“ Auch das Klinikum sei ihr bald ans Herz gewachsen. Ein Grund dafür war der herzliche Empfang. „Ich habe mich wirklich wertgeschätzt gefühlt und hatte sofort die Gewissheit, dass ich hier auch Sachen bewegen kann.“

„Es herrschte damals einfach eine tolle Aufbruchstimmung, die uns dahin gebracht hat, wo wir jetzt sind. Zum Glück ist das Klinikum Links der Weser ein Haus, in dem ich auf einer sehr guten Struktur aufbauen kann.“ Eben hier möchte sie nun in leitender Position – verantwortlich für gut 1500 Angestellte – langfristig ansetzen.

„Da war ich dann sehr deutsch“

Freizeit bleibe ihr nicht viel, „aber im Sommer fahre ich oft Mountainbike in den Bergen.“ Und sie verreise gern – außerhalb der Pandemie natürlich. Das Maximum, das sie sich diesen Sommer erlaubt hat, war ein Besuch in ihrer österreichischen Heimat. In Zeiten der Pandemie fiel es ihr dennoch schwer, die Gedanken an das Virus abzuschalten. „Ich war sehr überrascht, wie wenige Menschen Masken getragen haben. Da war ich dann sehr deutsch“, sagt sie über sich selbst.

„Ich hoffe, dass es nicht zu Situationen kommt, die sich keiner wünscht. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es wäre, wenn wir zwischen Leben und Tod Einzelner auswählen müssten.“ Eine solche Entscheidung fällen zu müssen, hätte nicht nur Folgen für den jeweils Betroffenen, seine Familie, Freunde, Arbeitskollegen , sondern würde auch Ärzte und Pflegekräfte in ungeheurem Maße belasten. Doch Ackermann-Redl möchte auch Zuversicht verbreiten. „Es ist nicht die erste Welle, wir sind vorbereitet. Aber ich bin mir bewusst, dass es sehr harte Monate werden.“ Dennoch habe sie nicht gezögert, die neue Aufgabe anzunehmen.

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