Projekt für Freiwillige

Männer gesucht

Das Projekt „Mein Kiez – mein Kattenturm – mein Zuhause“ soll Missstände im Stadtteil beheben. Dafür suchen die Organisatoren Männer, die sich engagieren möchten.
26.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel

Eine Nachbarschaft ist weit mehr als nur eine Ansammlung von Häusern. Sie besteht aus Menschen, die in ihr leben, sich mit ihrem Umfeld identifizieren und sich deshalb kümmern – eben durch das Lösen von Problem oder den Einsatz für die Gemeinschaft. Eben hier möchte das Bürgerhaus Obervieland helfen, indem es explizit die Hälfte der Bevölkerung motiviert, mit anzupacken: die Männer. Sie sollen vor die Haustür und in ihrem Stadtteil mit anpacken, do der Gedanke der Organisatoren eines neues Projekts.

Mit „Mein Kiez – mein Kattenturm – mein Zuhause“ möchte man nicht nur Missstände im Stadtteil beheben, sondern auch ein soziales Umfeld für die Helfenden schaffen, denen derzeit oder vielleicht schon länger der Anschluss fehlt. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt, und die Grundidee ist, dass Bürger sich mit ihren Ideen an das Bürgerhaus Obervieland wenden, um dort mit Gleichgesinnten loszulegen.

„Sagt uns, was fehlt oder was gemacht werden müsste und wir überlegen, wie wir deine Idee umsetzen und zusammen realisieren können“, appelliert Stefan Markus, Leiter und Geschäftsführer des Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland, an die männlichen Stadtteilbewohner. Dabei ist die angedachte Bandbreite der Projekte absichtlich weit gehalten.

Ob nun der zugewucherte Gehweg, die kaputte Sitzbank, die zugemüllte Ecke, der lange nicht mehr beschnittene Busch oder Kinderspielplätze in freier Trägerschaft, auf denen vielleicht Spielgeräte lange keine frische Farbe mehr gesehen habe. All das könnten Aufgaben für Männer sein, meint Markus.

Eigene Ideen voranbringen

Aber warum eigentlich nur Männer? Diese Frage beantwortet Markus unumwunden. Dies sei nicht ausschießend, sondern ergänzend gemeint. „Im Quartiersforum kamen zunehmend Wünsche nach Projekten auf, die sich speziell an Männer richten. Wir haben ja bereits seit Längerem sehr viele Projekte, die rein für Frauen gedacht sind.“ Und es gäbe eben Männer, die sich gerne in Männergruppen zusammenfänden. Deshalb rufe man unter dem Slogan „Männer braucht das Obervieland“ ebendiese – eventuell alleinlebenden oder arbeitslosen Männer, so die Vorstellung über die Zielgruppe – auf, sich zu melden und ihre Ideen vorzubringen.

„Wir möchten mit ihnen zusammen noch mehr Verantwortung für unseren Stadtteil übernehmen“, stellt Stefan Markus klar. Die Zielgruppe seien vorwiegend Männer, die ohne Aufgabe zuhause sitzen. „Es geht ja nicht nur um Arbeit, sondern auch um soziale Fragen.“ Eine Aufwandsentschädigung soll die Motivation befördern. Eigentlich sei das Konzept auf kleine, coronagerechte Gruppen ausgelegt, aber wer gerne alleine arbeiten möchte, könne dies auch tun. Hilfe vom Bürgerhaus erhalte der jeweilige Mann in jedem Fall.

Gefördert wird das Projekt über Win (Wohnen in Nachbarschaften). Sollten bürokratische, rechtliche oder planerische Hürden wahrscheinlich erscheinen, werde er sich persönlich diesen Fragen annehmen und klären, was geht, was geht nicht oder welche Schritte nötig wären, um zum Ziel zu kommen, sagt Markus zu. „Ich werde helfen, so gut ich kann, damit die Bürger ihre Ideen alleine oder im Team für den Stadtteil umsetzen können.“

Eines der anvisierten Männer-Projekte ist auch bereits im Entstehen. An mehreren Stelen, wo immer wieder Müll hingeworfen oder Sperrmüll abgestellt werde, sollen Schilder aufgestellt werden, um dies in Zukunft hoffentlich zu unterbinden. Allerdings müsse sich noch jemand finden, der für das Schild den Mast fertigt und aufstellt. Hinzu komme die Frage der Aufstellorte. Er sei dabei, die Verantwortlichen ausfindig zu machen, sagt Markus.

Das Projekt soll einen Kontrast zum – wie Markus sagt, oft langatmigen planerischen Prozess der Stadt bilden. „Manchmal erleben wir, dass die Stadt mit ihrer Bürokratie und langen Wegen solange für die Erneuerung eines Bretts braucht, da ist die ganze Bank schon verrottet. Dies soll ein Projekt der kurzen Wege werden.“ Ein Vorwurf an die Stadt solle das nicht sein, sondern mehr ein Angebot zur Entlastung. „Die Stadt hat in der Zeit der Pandemie viele Aufgaben zum Wohl unserer Gesundheit und Zukunft übernommen. Wir möchten unseren Teil zurückgeben“, teilt das Bürgerhaus mit.

Ebenso solle durch das Projekt niemand arbeitslos werden. Man möchte niemandem bestehende Arbeit wegnehmen, betont der Bürgerhausleiter. „Wir werden nur Arbeiten aufnehmen, die sonst niemand macht.“ Sollten im Zuge des Sammelns von Ideen für Bürgerinitiativen Fälle auftreten, wo eigentlich bereits jemand für die Behebung eines empfundenen Missstands verantwortlich ist, würde das Bürgerhaus hier dann mit den Verantwortlichen klären, wo das eventuelle Problem liegt und wie dies zu lösen sei.

Eine Hundertschaft peile man nicht an, aber mindestens 20 Männer sollten sich beteiligen. Wenigstens drei Projekte sollten es schon werden, fordert Markus und appelliert noch einmal an die männliche Leserschaft: „Schau vor deiner Haustür, wo kleine Arbeiten unseren Stadtteil schöner und erlebenswerter machen können“, so Markus. Im Bürgerhaus Obervieland gibt es Werkzeug und Material, um den Männern das passende Werkzeug an die Hand zugeben. Einen Gesamtprojektleiter hat er bereits gefunden: Torsten Marold ist gelernter Tischler, verfüge aber auch über viele Kontakte, um darüber hinaus Hilfe anzubieten.

Weitere Informationen

Wer einen Projektvorschlag hat, kann sich über info@bgo-bremen.de oder telefonisch unter 696730-20 an Stefan Markus wenden.

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