Landesmedienanstalt klärt Schüler am „Safer Internet Day“ über sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken auf

Rote Karte für Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing und Internetsicherheit sind vor allem für Kinder ein wichtiges Thema. Doch wie kann man sich davor schützen und wo bekommt man Hilfe? Anlässlich des "Safer Internet Day" informierten Experten der Bremischen Landesmedienanstalt Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen über den richtigen Umgang mit der medialen Welt.
11.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Schulze

Cyber-Mobbing und Internetsicherheit sind vor allem für Kinder ein wichtiges Thema. Doch wie kann man sich davor schützen und wo bekommt man Hilfe? Anlässlich des "Safer Internet Day" informierten Experten der Bremischen Landesmedienanstalt Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen über den richtigen Umgang mit der medialen Welt.

Habenhausen. Es war still im Klassenzimmer der Oberschule Habenhausen. Daniel Tronnier von der Bremischen Landesmedienanstalt zeigte den Schülerinnen und Schülern der sechsten und siebten Klasse einen Kurzfilm über Cyber-Mobbing. Der Protagonist wurde von seinen Mitschülern bis zur Verzweiflung über sein Handy und das Internet gequält. In seinem Fall ging die Geschichte glimpflich aus, da seine Mutter den Ernst der Lage erkannte. "Doch es gibt zahlreiche prominente Beispiele, wo es nicht gut ausging", sagt Tronnier.

Die neue mediale Welt birgt viele Gefahren. Mit einem einfachen Mausklick ist man ihr ausgesetzt. Vor allem Kinder sind über die Risiken dieser surrealen Welt oft nicht ausreichend informiert. Um das zu ändern, besuchten verschiedene Experten der Bremischen Landesmedienanstalt die Oberschule Habenhausen zum "Safer Internet Day".

Laut der Bremischen Landesmedienanstalt nutzen bereits 23,3 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren das Internet täglich. So werden bereits in der Grundschule Informationen für den Unterricht aus dem Internet bezogen und Onlinespiele genutzt. Darüber hinaus nutzen immer mehr Kinder soziale Netzwerke wie Facebook.

Insgesamt neun Klassen der Jahrgänge sechs und sieben lernten etwas über den richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken. Außerdem zeigten sie, passend zum Motto, "Cyber-Mobbing die rote Karte". Bereits im vergangenen Jahr hat die Oberschule Habenhausen eine Projektwoche zum Thema Mobbing angeboten. Allerdings müsse jetzt noch ein Stück weiter gedacht werden. "Cyber-Mobbing ist sehr aktuell", sagt Daniel Duensing, verantwortlicher Lehrer des "Safer Internet Day".

Opfer verfallen in Depression

Doch was genau ist eigentlich der Unterschied zwischen Mobbing und Cyber-Mobbing? Letzteres geschieht mit Hilfe von modernen Kommunikationsmitteln wie Handys, Tablet PC oder dem herkömmlichen Computer. Während sich die klassische Mobbing-Variante noch auf die Schulzeit beschränkt, ist die interaktive allgegenwärtig und zu jeder Zeit nutzbar. Außerdem wird elektronisch die natürliche Hemmschwelle heruntergesetzt und erleichtert den Tätern einen schnellen, einfachen Einstieg. Oftmals geschehen die gezielten Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen und falsche Behauptungen anonym und vermitteln dem Opfer früher oder später das Gefühl völlig allein zu sein. Sie werden systematisch aus der Gesellschaft ausgegrenzt und verfallen dabei nicht selten in Depressionen.

Laut Daniel Tronnier kennt jeder Vierte jemanden, der Opfer eines Cyber-Mobbings wurde. "Mobbing funktioniert nur in der Gruppe, sowohl aktiv als auch passiv", sagt Tronnier. Angestoßen durch Neid, Langeweile und auch Ahnungslosigkeit entwickelt sich aus einem ins Netz gestellten vermeidlich lustigen Bild eine eigene Dynamik. Wichtig sei es, sich Hilfe zu suchen, ob bei Lehrern, Eltern oder Freunden. Außerdem sollte man nicht wegschauen. Doch viele Täter handeln auch aus der Angst heraus, selbst zum Opfer zu werden und stellen sich daher lieber auf die Seite des Stärkeren. Die Internetplattform Juuuport bietet Hilfe von Jugendlichen für Jugendliche in Sachen Sicherheit, Cyber-Mobbing, Abzocke und Datenschutz an. Dabei können anonyme Fragen an die Scouts gestellt werden. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind zwischen 15 und 21 Jahren alt und wurden für diese Plattform ausgebildet.

Doch die sozialen Netzwerke werden nicht nur für Mobbing missbraucht. "Es gibt Leute, die geben sich für jünger aus, als sie in Wirklichkeit sind", sagt die elfjährige Sarah aus Arsten. In solch einem Fall musste sogar schon die Polizei eingeschaltet werden. Um dieser weiteren Gefahr zu entgehen, führte Edina Medra von der Bremischen Landesmedienanstalt mit den Klassen einen Facebook-Sicherheitscheck durch. Denn wenn das eigene Profil der gesamten Welt zugänglich gemacht wird, erfahren fremde Menschen etwas über den Familien- oder Freundeskreis, wissen womöglich, wo man wohnt oder wo man zur Schule geht. Darüber hinaus gibt es Ortungsfunktionen, die im Netz anzeigen, wo man sich zurzeit gerade aufhält oder ob man gerade im Urlaub ist. Das wiederum erhöht das Risiko eines Einbruchs oder Diebstahls. "Ihr müsst kurz überlegen, möchtet ihr, dass zum Beispiel eure Lehrer eure Profile, Bilder und Kommentare im Internet verfolgen können", fragt Edina Medra. Und da sind sich die Schüler einig, das wäre nicht so lustig.

Klassen der Jahrgänge fünf bis sieben können an einem Facebook-Sicherheitscheck der Bremischen Landesmedienanstalt teilnehmen. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 33659790 und medra@bremische-landesmedienanstalt.de. Wer außerdem Hilfe zum Thema Mobbing sucht oder selbst Scout bei der Internetplattform Juuuport werden möchte, kann sich über www.juuuport.de informieren.

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