Kattenturmer Heerstraße: Beirat Obervieland sieht aber noch Beratungsbedarf Senator Loske will Tempo 30

Obervieland. Der Beirat Obervieland hat jetzt seine Entscheidung vertagt, ob Tempo 30 oder eine Tonnagebegrenzung das richtige Mittel gegen den Verkehrslärm auf der Kattenturmer Heerstraße ist. Es bestehe immer noch Beratungsbedarf, hieß es auf der jüngsten Sitzung am Dienstagabend. Gegen die Mehrheitsentscheidung stimmte die Grünen-Fraktion, die in diesem Zuge von einem "ganz schwachen Bild des Beirats" sprach. Zuvor hatte Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) verschiedene Optionen vorgestellt und sich für die Geschwindigkeitsbegrenzung ausgesprochen.
10.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Assmann

Obervieland. Der Beirat Obervieland hat jetzt seine Entscheidung vertagt, ob Tempo 30 oder eine Tonnagebegrenzung das richtige Mittel gegen den Verkehrslärm auf der Kattenturmer Heerstraße ist. Es bestehe immer noch Beratungsbedarf, hieß es auf der jüngsten Sitzung am Dienstagabend. Gegen die Mehrheitsentscheidung stimmte die Grünen-Fraktion, die in diesem Zuge von einem "ganz schwachen Bild des Beirats" sprach. Zuvor hatte Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) verschiedene Optionen vorgestellt und sich für die Geschwindigkeitsbegrenzung ausgesprochen.

Laut Loske kommen drei Möglichkeiten in Betracht: die Beibehaltung des Status quo, ein Durchfahrverbot für Lastwagen mit einem zulässigem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen oder die Absenkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer. Gegen die Tonnagebegrenzung sprächen jedoch Berechnungen, wonach die Lärmminderung geringer als gedacht ausfalle und Grenzwerte weiterhin überschritten würden. Außerdem zeitige das Durchfahrverbot einen großen bürokratischen Aufwand. Jeder Lasterfahrer, der Waren anliefern und die Kattenturmer Heerstraße benutzen wolle, müsse eine Erlaubnis beantragen. Aus diesen Gründen seien eine Klage gegen das Verbot sowie ein bremisches Scheitern vor Gericht "so sicher wie das Amen in der Kirche", führte der Senator aus.

Dass im Fall der Kattenturmer Heerstraße Handlungsbedarf bestehe, "darüber müssen wir nicht diskutieren", sagte Loske weiter. Für eine "vertretbare Maßnahme" halte er es, Tempo 30 samt einer sogenannten Grünen Welle einzuführen. Beides zusammen ergebe eine Lärmminderung um "satte drei Dezibel" und führe zu lediglich "moderaten Verlagerungsverkehren". Entschließe sich der Beirat für diese Variante, gehe er so schnell wie möglich in die Deputation und setze sich für die Umsetzung ein. Tempolimit und Grüne Welle sollten zunächst ein Jahr lang gelten, die Ergebnisse dann ausgewertet werden - das Ganze "in enger Tuchfühlung" mit dem Beirat, kündigte Loske an.

Über die Kattenturmer Heerstraße rollen täglich und je nach Abschnitt 20000 bis 30000 Fahrzeuge, neun Prozent davon sind Lastwagen. Dem im Beirat vorgestellten Lärmgutachten zufolge vermindert sich die Lärmbelastung durch Tempo 30 um 3,1 bis 3,4 Dezibel, infolge eines Duchfahrverbots um maximal 2,1 Dezibel. Und Letzteres nur auf einem von vier Straßenabschnitten. "Das reicht von einer Ecke zur nächsten", kommentierte Waltraud Osterloh vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Tempo 30 hingegen ließe sich durchgängig durchsetzen und stelle eine "solide Grundlage" bei jeder gerichtlichen Anfechtung dar. Darüber hinaus bleibe der Verdrängungseffekt durch die Geschwindigkeitsbegrenzung "noch erträglich", prognostizierte die Abteilungsleiterin.

Grenzwerte überschritten

Straßen, auf denen sich im Fall eines Tempolimits mehr Verkehr bewegen würde, wären unter anderem der Kattenescher Weg mit 36 Fahrzeugen pro Stunde, die Alfred-Faust-Straße (45) und die Brenningstraße (54). "In Spitzenzeiten", fügte Waltraud Osterloh hinzu und stellte "flankierende Maßnahmen" in Aussicht, sollte der Ausweichverkehr zu stark zunehmen. Eingehalten werden bei der vorgeschlagenen Geschwindigkeitsbegrenzung die Lärmgrenzwerte an der Kattenturmer Heerstraße, so das Gutachten. Demnach liegt der Wert bei derzeit 58 Hausseiten über dem Soll; acht wären es noch im Fall eines Durchfahrverbots, null bei Tempo 30.

"Im Grunde haben Sie uns klar gemacht, dass wir nur eine Wahl haben", sagte Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) launig, "mental" habe sich die Verkehrsbehörde wohl schon auf Tempo 30 festgelegt. Ähnlich äußerte sich die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Sandra Ahrens. Loske habe einen "ganzen Strauß an Möglichkeiten" mitgebracht, übrig sei "die Blume" Tempo 30.

Aus Sicht von Grünen-Beiratsmitglied Klaus Rudolph wäre die Geschwindigkeitsbegrenzung besser, als auf einer Lösung im Zuge des A-281-Baus zu bestehen. Dies wiederum regten die Bürgerschaftsabgeordneten Winfried Brumma (SPD) und Magnus Buhlert (FDP) an. Brumma machte sich dafür stark, die Autobahn in die Planungen einzubeziehen und "sorgfältig zu arbeiten, damit wir nicht noch mal Schiffbruch zu erleiden"; Buhlert nannte Loskes Vorschläge "zu klein gedacht" und erinnerte an die Bundesstraße "B6 neu".

Als Anwohner der Kattenturmer Heerstraße und im Namen seiner lärmgeplagten Nachbarn appellierte Jens Körber: "Tut etwas für uns! Lasst uns nicht im Regen stehen!" Der Beirat Obervieland hörte es - und vertagte sich. Die vorgelegten Zahlen und die Stellungnahmen der Behördenvertreter müssten seriös ausgewertet werden, sagte etwa Beiratsmitglied Roman Fabian (Linke) zur Begründung.

Die nächste Sitzung des Beirats ist für Dienstag, 12. April, im Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland (BGO) vorgesehen.

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