Kriminalität in Obervieland:

Sicherheitsempfinden klafft auseinander

Obervieland. Wie sicher ist Obervieland? Die Einen sagen: Die Lage ist besser, als man denkt. Andere wiederum sind der Meinung, dass ihr Stadtteil eine Hochburg der Kriminalität ist. Die Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit war eines der Hauptthemen beim sogenannten Bürgerdialog im Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland.
19.04.2010, 12:20
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Von Christian Meyer
Sicherheitsempfinden klafft auseinander

Auf dem Podium im Dialog mit den Obervielandern: Ingo Funck, Ulrich Mäurer, Andrea Wittrock und Peter Wührmann (von link

Walter Gerbracht

Obervieland. Wie sicher ist Obervieland? Die Einen sagen: Die Lage ist besser, als man denkt. Andere wiederum sind der Meinung, dass ihr Stadtteil eine Hochburg der Kriminalität ist. Die Diskrepanz zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit war eines der Hauptthemen beim sogenannten Bürgerdialog im Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland.

In Kooperation mit Ortsämtern und Beiräten sucht der Innen- und Sportsenator Ulrich Mäurer seit einigen Wochen Bremens Stadtteile auf, um mit den Anwohnern dort über die Sicherheit in ihrer Umgebung zu diskutieren. Am Donnerstag saß er in Obervieland auf dem Podium. Auch der SPD-Politiker konnte nicht dazu beitragen, das Missverhältnis zwischen Statistik und Gefühl aufzulösen. Fakt sei, dass in Obervieland in vielen Fällen die Kriminalität rückgängig ist. Die Zahlen belegen das eindeutig, so Mäurer. Trotzdem müsse man es ernst nehmen, wenn sich einige Obervielander nachts nicht mehr auf die Straße trauen.

'Ich habe noch nie erlebt, dass das Sicherheitsempfinden in einem Stadtteil so weit auseinander geht', bezog sich Mäurer vor etwa 50 Zuhörern auf eine Umfrage der bremischen Polizei. Danach fühlen sich im Obervielander Ortsteil Habenhausen mehr als 90 Prozent der Befragten sicher. Ein paar Kilometer weiter in Kattenturm sind es weniger als die Hälfte (46 Prozent). Damit sich die unterschiedliche Gefühlslage angleiche, sei es wichtig, dass die Polizei sehr differenzierte Maßnahmen treffe. 'Die Zusammenarbeit zwischen uns, der Polizei und den verschiedenen Einrichtungen muss gestärkt werden', nannte Mäurer eine Maßnahme.

Mehr Prävention angekündigt

Statistisch gesehen wird Obervieland sicherer. Das belegte Andrea Wittrock von der Polizeiinspektion Süd (PI). 'Es gibt weniger Körperverletzungen.' Auch bei den Sachbeschädigungen und den Fahrraddiebstählen liege der Stadtteil unter dem städtischen Durchschnitt. Sorgen bereiten der PI-Chefin allerdings die Wohnungseinbrüche 'Hier gibt es einen Zuwachs von 36 Prozent.' Um das in den Griff zu bekommen, werde man in Zukunft noch enger mit den Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeiten, so Wittrock. 'Es soll Präventionsprojekte geben.' Außerdem empfiehlt sie, künstliche DNA einzusetzen. 'Das hat einen sehr abschreckenden Effekt.'

'Ich ärgere mich darüber, wenn die Probleme hier schön geredet werden', kritisierte Pastor Rüdiger Kurz von der Abraham-Gemeinde Polizei und Innensenator. Seine Kirche liege mitten in Kattenturm. 'Viele Veranstaltungen kann ich nur noch bei Tageslicht machen, weil man Angst hat, bei Dunkelheit auf die Straße zu gehen.' Besonders der Marktplatz sei ein Ort, den viele seiner Gemeindemitglieder als unsicher empfinden. Kurz forderte mehr Polizeipräsenz, besonders in der Nacht und am Wochenende.

'Wir haben so wenig Polizisten im Einsatz wie seit Jahren nicht', reagierte Mäurer auf die Forderung. Es gebe im ganzen Stadtgebiet Lücken, die gefüllt werden müssten. Da seit einigen Jahren verstärkt ausgebildet werde, hoffe er, die Löcher in den kommenden Jahren stopfen zu können.

Auch in seiner Funktion als Sportsenator musste sich Mäurer Kritik gefallen lassen. Die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Sandra Ahrens bemängelte, dass dem Habenhauser Hundesportverein nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt werde. Der muss sein Gelände am Bunnsackerweg für ein Neubaugebiet räumen. Noch hat er keinen Ausweichplatz. Ahrens warf der Sportbehörde vor, dem Verein nur unpassende Angebote gemacht zu haben und sich nicht ausreichend um die Zukunft der Hundefreunde zu kümmern. Diesem Vorwurf widersprach Mäurer. Er habe sich stets bemüht, eine Lösung zu finden und werde sich weiter um das Problem kümmern.

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