Habenhauser Friedenspreis Sichtbares Zeichen

Die Habenhauser Auszeichnung geht an Regina Heygster, die Initiatorin des Friedenstunnels. Die Idee dazu kam ihr am 11. September 2001.
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Von Matthias Holthaus

„Wer zum Frieden rät, wird Freude erfahren.“ Mit diesen Worten begrüßte Jens Lohse, Pastor der Simon-Petrus-Gemeinde in Habenhausen und erster Schaffer der Habenhauser Schaffergesellschaft, die Gäste in der Kirche. Die Verleihung des Habenhauser Friedenspreises stand an, und unisono war zu hören: Diese Preisträgerin hat den Preis mehr als verdient. Regina Heygster, die Initiatorin des Friedenstunnels, hat diesen Preis erhalten. Und Dörthe Pröschild, aktive Schafferin, brachte es bereits vor der Preisvergabe auf den Punkt: „Das trifft unser Thema, mehr geht nicht.“

Der 11. September 2001 war der Tag, an dem Regina Heygster die Idee des Friedenstunnels aufgriff, um ein Zeichen für den Frieden und für den gemeinsamen Weg der Religionen zu setzen. Es dauerte Jahre, bis die Idee vollständig umgesetzt werden konnte, doch Regina Heygster und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter des 2003 gegründeten Vereins Friedenstunnel – Bremen setzt ein Zeichen blieben am Ball, bis der Remberti-Tunnel zum Friedenstunnel wurde.

Ein Tattoo in die Stadt geritzt

„Der Friedenstunnel ist ein sichtbares Zeichen für den Frieden“, sagte Jens Lohse. „Wie ein Tattoo, das in die Stadt geritzt ist. Wir sehnen uns nach Frieden und teilen damit eine Sehnsucht, die in allen Religionen und Staaten verwurzelt ist.“ Der Friedenstunnel habe eine Schöpferin, eine Frau, die ihn gegen alle Wahrscheinlichkeiten durchgesetzt hat. „,Regina Heygster kann Dialoge wie Blumen pflanzen’, das sagte mal Annelie Keil“, erinnerte sich Lohse, „über den Frieden, den Unsinn des Krieges, die Rüstungsindustrie. Und wir hoffen, dass das Gespräch in Gang bleibt.“

Für die Bremer Bürgerschaft grüßte Vizepräsidentin Antje Grotheer: „Bei einer Schaffergesellschaft mit Männern und Frauen zu sein, das ist schon schön“, sagte sie zu Beginn. „Ich selber wohne in Schwachhausen, der Tunnel ist auch mein Tunnel, weil er zu mir und meinem Stadtteil gehört.“ Weil er eine Aussage mache, sagte sie, weil für sie und alle gelte: „Ich will eintreten für Frieden und Völkerverständnis. Und ich empfinde Menschen wie Regina Heygster wie den Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.“

Die Laudatorin Janna Wolff, Politikwissenschaftlerin und langjähriges Vorstandsmitglied im Friedenstunnel-Verein, würdigte anschließend die Preisträgerin, die „mit einer scheinbar unerschöpflichen Energie einen ganz besonderen Beitrag geleistet hat und auch noch leistet“ – um Gemeinsamkeiten zwischen unterschiedlichen Gruppen zu suchen und zu finden und auf eine ganz besondere Art auf ein friedlicheres Miteinander hinzuwirken. Janna Wolff erinnerte an ein von Regina Heygster beobachtetes Ereignis, als ein alter Mann, vielleicht aus Angst, Wut, Trauer oder Hass, auf offener Straße ein muslimisches Mädchen ohrfeigte. „In diesem völlig impulsgesteuerten Gewaltakt erkanntest du die enorme Gefahr, die sich ergibt, wenn das Gefühl der Angst und Hilflosigkeit Oberhand gewinnt.“

Und so schaffte Regina Heygster Verbindungen zwischen Religionsgemeinschaften und vor allem zwischen Menschen, wobei ihr ihre herzliche, integrative Energie, ihre künstlerische Kreativität sowie ihre Entschlossenheit halfen. „Immer weiter Menschen zu berühren, zu motivieren und zusammenzubringen, das charakterisiert dich und dein Projekt“, sagte Janna Wolff. „Zusammenkommen und sich austauschen, sich besser zu verstehen und kennenzulernen, sich zu öffnen, neugierig und interessiert zu bleiben – all das sind kleine Schritte und Bausteine in Richtung Frieden.“ Frieden sei mehr als die Abwesenheit von Gewalt, sondern eng verknüpft mit Freundschaft, mit emotionalen Verbindungen zwischen Menschen. Regina Heygster habe diese Verbindungen, insbesondere mit dem Friedenstunnel, auf unterschiedlichsten Ebenen gefördert. Dabei habe ihr Fokus immer dem Verbindenden, dem Einigenden gelegen – mit dem Ziel, religiöse und spirituelle Menschen miteinander ins Gespräch kommen zu lassen: „Nur so können meines Erachtens Vorbehalte abgebaut und Wertschätzung und Freundschaften aufgebaut werden.“

Einen Traum gehabt

Regina Heygster zeigte sich in ihrer anschließenden Ansprache dankbar für die Verleihung des Preises, erinnerte aber sogleich an ihr Anliegen: „Weltweit passieren täglich unfassbar bedrückende Dinge – Menschen werden ihres Lebensraumes beraubt, fliehen vor unhaltbaren Verhältnissen, haben Angst, leiden und müssen sterben.“ Aus diesem Gefühl der Ohnmacht heraus, daran als einzelner Mensch nichts ändern zu können, sei ihre Sehnsucht entsprungen, „wenigstens ein Mut machendes Friedenszeichen, ein Licht im Alltag, zu gestalten.“

Sie habe einen Traum gehabt, sagte sie anschließend in Anspielung auf die Rede Martin Luther Kings: „Einen Traum, dass es Sinn macht, ein Friedenszeichen von Religionsgemeinschaften und von Menschen, die schlicht und einfach nichts weiter als friedliebend sind, im öffentlichen Raum künstlerisch umzusetzen.“ Und einen Tunnel so zu gestalten, dass Menschen gerne durch ihn hindurchgehen. Vor 18 Jahren habe sie den Mut und das Vertrauen gehabt, dass diese Vision es verdient habe, umgesetzt zu werden, doch sie habe nicht gewusst, dass dieses Vorhaben 15 Jahre dauern würde. „Wie kann ein Mensch das schaffen?“, fragte sie und gibt auch gleich die Antwort: „Indem er an seine Vision glaubt. Nie den Mut verliert, sich nicht ablenken lässt.“

Auch wenn es Umwege gegeben habe, sich Türen verschlossen – „immer taten sich andere auf.“ Und sie erinnerte an die Menschen, die an ihre Vision geglaubt, gespendet oder eine Patenschaft übernommen haben: „Ihnen allen widme ich diesen Preis.“ Es lohne sich, sich für die Gesellschaft einzusetzen, sie habe es verdient: „Die Welt braucht Menschen, die sich einsetzen, im Kleinen und Großen. Wenn mein Werk für manche unter ihnen ein Anstoß sein mag, eigene kleine Ziele zu setzen, dann würde ich mich freuen.“

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