Bürgerschaftswahl 2019

Wiedereinzug ins Parlament verpasst

Sie haben im Wahlkampf alles gegeben, aber den Wiedereinzug in die Bremische Bürgerschaft dennoch verpasst: Die Sozialdemokraten Klaus Möhle und Sükrü Senkal berichten, wie sie mit der Wahlniederlage umgehen.
17.07.2019, 17:38
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Wiedereinzug ins Parlament verpasst

SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Klaus Möhle aus Obervieland und Sükrü Senkal aus Huchting als auch Peter Erlanson aus Obervieland von der Partei Die Linke werden nicht mehr im Parlament zu sehen sein.

imago images / Eckhard Stenge

Nach der Wahl geht für viele Politiker die Arbeit erst so richtig los, doch nicht für diese beiden: Für die früheren SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Klaus Möhle aus Obervieland und Sükrü Senkal aus Huchting ist jetzt Schluss. Die SPD hat etliche Sitze in der Bürgerschaft verloren. Und die beiden Sozialdemokraten aus dem Bremer Süden gehören zu jenen, die den Wiedereinzug ins Parlament nicht geschafft haben.

Gemeinsam mit Peter Erlanson aus Obervieland von der Partei Die Linke sind es drei bekannte Gesichter, die nicht mehr im Parlament zu sehen sein werden – es sei denn auf den Zuschauerrängen. Doch während der 60-jährige Erlanson gar nicht erst wieder angetreten war, wollten Möhle und Senkal durchaus wieder mitmischen in der Landespolitik Bremens.

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„Ich wusste, dass es auf einem hinteren Listenplatz für mich schwierig werden würde, denn ich hatte mich im Vorfeld der Wahl mit manchen Themen ziemlich unbeliebt gemacht“, sagt Möhle zu möglichen Gründen, woran seine Wiederwahl gescheitert sein könnte. Als Beispiel nennt er seinen Vorschlag, die Seniorenbegegnungsstätten in der Stadt zu modernisieren.

„Das haben viele ­Träger als Angriff missverstanden“, glaubt der ehemalige Sozialpolitiker. Er gehe davon aus, dass er mit diesem und weiteren Vorstößen viele seiner Stammwähler vergrault haben könnte. Fakt ist jedenfalls, dass Klaus Möhle am Wahltag im Mai im Vergleich zum Wahljahr 2015 nur noch weniger als die Hälfte der Wählerstimmen (1411 anstatt 3115) erhalten hat.

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Dennoch hält sich bei dem Rentner die Enttäuschung über seine persönliche Wahlniederlage in Grenzen: „Verlieren ist nie schön, aber das Rentnerdasein ist auch ein schöner Beruf“, scherzt der 66-Jährige. 19 Jahre lang hat Möhle als Bürgerschaftsabgeordneter gearbeitet, zunächst von 1996 bis 2009 mit einer Legislaturperiode Unterbrechung als Vertreter der Grünen. Seit 2010 saß er dann für die Sozialdemokraten in der Bürgerschaft. „Ich habe den Job wirklich gerne gemacht, daher ist nun schon etwas Wehmut dabei, das gebe ich zu.“

Und was nun? „Ich bin aufgefordert worden, meinen Abgeordneten-Ausweis abzugeben und mein Fach zu räumen, dabei hatte ich gar keines genutzt“, gibt Möhle Auskunft. Zuletzt muss er noch seine Rentenansprüche abklären lassen, die ihm als Landespolitiker zustehen. „Und dann will ich mich weiterhin im Sozialverband Deutschland engagieren, dort bin ich im Landesvorstand aktiv.“ Welche Themen er dort angehen möchte, weiß er ebenfalls bereits: „Ich versuche, dort eine klarere politische Positionierung hinzubekommen.“ Also ganz frei von Politik wird auch sein Rentnerdasein nicht sein.

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Politisch aktiv will ebenfalls Sükrü Senkal bleiben. Im SPD-Ortsverband Huchting als Vorsitzender beispielsweise, aber zunächst einmal nicht mehr auf Landesebene. Eigentlich ist die Wahl für Senkal äußerst erfolgreich gelaufen: 2006 Stimmen haben die Bremer Wähler für ihn persönlich abgegeben. Das sind fast 600 mehr als noch 2015. Fast drei Viertel seiner Personenstimmen kommen von Huchtinger Wählern. In seinem Heimatstadtteil links der Weser war Senkal nach Spitzenkandidat Carsten Sieling der meistgewählte SPD-Politiker.

Doch dieses gute Ergebnis hat Sükrü Senkal auf dem 20. Listenplatz nichts geholfen, weil die SPD nur 19 Sitze erringen konnte und einige Mitbewerber noch mehr Personenstimmen erhalten haben. Immerhin steht der Huchtinger aktuell auf dem zweiten Nachrückerplatz für die SPD-Bürgerschaftsfraktion. Er kommt also als Zweiter zum Zuge, sollten noch weitere gewählte Abgeordnete neben den bereits als sicher geltenden Kandidaten wie Andreas Bovenschulte als Bürgermeister, Ulrich Mäurer als Innensenator und Claudia Bogedan als Bildungssenatorin auf politische Spitzenposten auf­rücken – oder ihr Mandat wieder niederlegen.

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Doch Senkal will sich nicht auf einen nachträglichen Wiedereinzug ins Parlament verlassen: „Ich konzentriere mich lieber wieder stärker darauf, meinen beruflichen Werdegang voranzutreiben.“ Außerdem möchte er sich politisch in Huchting dafür einsetzen, geeignete Nachwuchskräfte für die Parteiarbeit aufzubauen. „Mir war bereits vor der Wahl klar, dass ich spätestens 2023 den Jüngeren das Feld überlasse, und wir brauchen dann wieder eine starke Huchtinger Stimme in der SPD-Fraktion“, findet Senkal.

Der ehemalige innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion war insgesamt zwölf Jahre als Bürgerschaftsabgeordneter tätig. „In dieser Zeit habe ich viele Kontakte geknüpft, die ich auch in Zukunft im Interesse Huchtings nutzen werde“, kündigt Senkal an. Für ihn sei die Arbeit im Parlament eine „schöne und interessante Zeit gewesen, die ich erleben durfte“, resümiert der Sozialdemokrat.

Der Wahlabend sei für ihn sehr traurig gewesen, besonders aufgrund des hohen Verlustes, den seine Partei hinnehmen musste. Zu seinem persönlichen Ergebnis sagt Senkal: „Ich bin erhobenen Hauptes in den Wahlkampf gegangen – und gehe auch erhobenen Hauptes wieder hinaus.“

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