Tierquälerei in Osterholz

Vermeidbarer Tod von Rehkitzen

Erneut sterben beim Mähen von Wiesen in der Osterholzer Feldmark junge Rehe. Inzwischen laufen mehrere Anzeigen gegen den verantwortlichen Landwirt.
26.06.2020, 19:23
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Vermeidbarer Tod von Rehkitzen
Von Christian Hasemann

Sie hatten keine Chance: Bei Mäharbeiten in der Osterholzer Feldmark sind vier Rehkitze ums Leben gekommen. Der zuständige Jagdpächter und der Tierschutzverein haben den verantwortlichen Landwirt aus Bremen angezeigt, denn der Tod der Tiere ist nach ihren Angaben vermeidbar gewesen.

Manfred Aumund-Kopp ist Jagdpächter in Osterholz und damit zuständig für die Wildtierpflege in der Feldmark. Anfang der Woche entdeckte er die toten Tiere auf einer Wiese. „Mein Sohn und meine Schwiegertochter haben morgens gehört, dass es laut wird, dann bin ich direkt hin.“ Eigentlich lautet die Absprache ihm zufolge, dass vor der Mahd der Jagdpächter informiert wird, damit er die Wildtiere verscheuchen kann.

Mit seinem Geländewagen habe er sich vor den Trecker gestellt und den Fahrer zur Rede gestellt. „Da konnte ich schon ein kleines Stück weiter ein Kitz liegen sehen“, sagt Aumund-Kopp. „Ich habe dann schnell weitere Tiere gefunden.“ Bei einem späteren Rundgang über das Feld habe er dann noch ein viertes Tier entdeckt, bei dem die Hinterläufe durch das Schneidwerk abgetrennt worden seien. „Das Tier hat vermutlich noch einige Zeit gelebt“, befürchtet Aumund-Kopp.

Der Vorfall ist kein Einzel-, sondern ein Wiederholungsfall. 2017 gab es gegen denselben Landwirt eine Anzeige von Anwohnern. Auch damals waren Kitze auf einer benachbarten Wiese getötet worden. Damals musste der Landwirt 500 Euro Geldbuße zahlen. Aumund-Kopp und der Landwirt kennen sich: Beide sind Jäger, beide waren oder sind Landwirte. „Was ich nicht verstehe, ist, dass er selber Jäger ist – und dann macht der solche Sachen“, sagt Aumund-Kopp. Deswegen sei es keine Frage für ihn gewesen, diesmal eine Anzeige aufzugeben. Bestätigung für den Tod der Kitze holte er sich unter anderem beim Ortsamt und einer Tierärztin. Auf Fotos mit entsprechendem Zeitstempel sind die zugerichteten Kitze zu erkennen.

Dabei bietet Aumund-Kopp den Landwirten in seinem Pachtbereich nach eigenen Angaben an, die Kitze vor der Mahd zu vertreiben. Dafür gehen Freiwillige an den Vortagen durch die Wiese und scheuchen die Ricken, so werden die Muttertiere genannt, auf. Diese ziehen sich dann mit ihren Kitzen zurück. Aber es gibt auch technische Möglichkeiten. Vermehrt wird mit Drohnen gearbeitet. An den Traktoren sind außerdem spezielle Pfeifen installiert, die das Wild aufscheuchen sollen. Nach Aumund-Kopps Angaben waren diese allerdings ausgeschaltet. „Als ehemaliger Landwirt sage ich, dass bedauerlicherweise immer etwas passieren kann, aber das hier war pure Ignoranz.“

Der Anzeige hat sich auch der Bremer Tierschutzverein angeschlossen. „Die Landwirte sollen sich an die gängigen Regeln halten und sich bemühen. Es geht nur um einen Anruf, der nichts kostet“, sagt Tanja Pollak vom Tierschutzverein. Der Vorfall sei mindestens grob fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich. Der betreffende Landwirt hat inzwischen Anzeige gegen sich selbst gestellt. „Das war menschliches Versagen“, bestätigt er auf Nachfrage des WESER-KURIER. Deswegen sei es auch zur Selbstanzeige gekommen. Weiter wolle er sich nicht äußern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+