Ausstellung in der Kulturambulanz „Fabula Rasa“ in der Galerie im Park

Bremer „Outsider-Künstler“ präsentieren erstmals ihre Bilder, Skulpturen und Objekte aus unterschiedlichen Materialien.
06.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Margot Müller

Wie wäre es mit einem sommerlichen Spaziergang durch das weitläufige Parkgelände am Klinikum Bremen-Ost mit anschließendem Besuch einer ungewöhnlichen Kunstausstellung? Das ermöglicht derzeit die Kulturambulanz. Die Einrichtung der Gesundheit Nord hat aktuell mittwochs bis sonntags ihre Galerieräume geöffnet, um die Ergebnisse ihres offenen Kunstangebotes einmal vorzustellen. Diese Aktion gehört zu dem bremenweiten Programm des „Sommer Summarum“.

Das Atelier im Park besteht inzwischen seit mehr als zwanzig Jahren und befindet sich im Gesellschaftshaus im Park des Klinikums Bremen-Ost. Unter Leitung der Kunsttherapeutin Ariane Blaue können hier Kunstschaffende regelmäßig frei arbeiten. Im Prinzip ist jeder, der künstlerisch tätig sein möchte, willkommen. Vor allem aber sind Frauen und Männer dabei, die eigene Erfahrungen mit seelischen Krisen oder Erkrankungen gemacht haben. Sie beschäftigen sich mit sehr unterschiedlichen Materialien und dürfen sich ausprobieren.

Über hundert Werke

Insgesamt seien im Laufe der Zeit eine Menge spannende und sehr vielseitige Arbeiten entstanden, erklärte Achim Tischer, der Leiter der Kulturambulanz, bei seiner Einführung in diese Ausstellung der sogenannten „Outsider-Kunst“. Die über hundert Zeichnungen, Skulpturen, Gemälde und Objekte wurden noch nie öffentlich gezeigt und finden hier einen würdigen Rahmen.

Alle Kunstwerke würden Lebensgeschichten von glücklichen und bedrohlichen, verträumten und spannenden Momenten und vor allem von Neuanfängen erzählen, sagte Tischer. Deshalb ist der Titel der Sonderausstellung eine Anlehnung an die „Tabula rasa“ – ursprünglich eine mit Wachs überzogene Schreibtafel, die durch Abschaben geglättet und wie ein unbeschriebenes Blatt neu beschrieben werden kann.

Zum Beispiel zeigen die stimmungsvollen Aquarelle von Gerd Köhler bekannte Bremer Ansichten wie das Heckentheater im Bürgerpark – mit gestalteter Unschärfe, die den Betrachter an Nebel denken lässt. Und die Malerin Claudia Schütte ist offensichtlich fasziniert von Dschungel-Landschaften mit Pflanzen, Tieren, Licht und Wasser. Das Bild „See mit Gräsern“ lässt an Wachsen und Vergehen denken.

Ein farbenfroher Hingucker ist das große Motiv mit den kreisenden Feuer-Drachen von Janina Riemer, sie schöpft aus dem Bilderfundus des Unbewussten und der fabelhaften Träume.

Achim Tischer hat die Sonderausstellung „Fabula Rasa“ gemeinsam mit Ariane Blaue konzipiert, die kontinuierlich mit den „Outsidern“ gearbeitet hat. „In der therapeutischen Arbeit kann der Prozess nur dann erfolgreich sein, wenn ich mit den Eigenarten der Menschen achtsam umgehe“, betont Blaue.

Die Künstlerin ist auch selbst mit ihren Holz-Skulpturen in der Ausstellung vertreten. Sie schnitzt Köpfe und Figuren aus dem Holz kranker und gefällter Bäume des Klinikparks und schafft damit quasi eine Brücke zwischen Krankheit und Gesundheit, Versehrtheit und Schönheit. „Das Einzige, was ich vor Beginn des Schnitzens weiß, ist, dass es ein menschlicher Kopf werden soll, bisweilen auch eine ganze Figur“, sagt Blaue und lässt sich ansonsten von den natürlich geschaffenen Auswüchsen des Holzes leiten.

Wer mehr über die verschiedenen Geschichten hinter den Bildern erfahren möchte, ist immer mittwochs genau richtig. Dann sind beteiligte Künstlerinnen oder Künstler von 15 bis 16 Uhr persönlich in der Ausstellung anwesend und beantworten gerne Fragen der Besucher.

Näheres ist zudem im Internet unter www.kulturambulanz.de zu erfahren. Unter der Rubrik „Ausstellungen“ gibt es Audio-Interviews mit einigen Künstlern, die man anklicken und anhören kann. „Mit diesen kurzen, individuellen Gesprächen ist die Ausstellung auch online für Besucher präsent. Man kann sich in Ruhe zuhause auf dem Sofa einstimmen lassen“, sagt Achim Tischer.

Weitere Informationen

„Fabula Rasa – Zeichnungen, Skulpturen, Gemälde und Objekte aus dem Atelier im Park“, Gelände Klinikum-Ost, Züricher Straße 40, ist noch bis Sonntag, 30. August, zu sehen. Geöffnet ist immer mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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