Sozial-Ökologisches Modelldorf

„Holzbude“ fertiggestellt: Bauprojekt Ellener Hof kommt voran

Studenten können nun am Ellerner Hof in einem Wohnheim aus Holz wohnen. In dem geplanten, sozial-ökologischen Modelldorf, sollen dieses Jahr noch weitere Häuser aus Holz entstehen.
08.04.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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„Holzbude“ fertiggestellt: Bauprojekt Ellener Hof kommt voran
Von Christian Hasemann
„Holzbude“ fertiggestellt: Bauprojekt Ellener Hof kommt voran

Das Studentenwohnheim wurde in einem Jahr errichtet und besteht aus Holz.

Christina Kuhaupt

Sieben Stockwerke aus Holz ragen an der Ludwig-Roselius-Allee im Stadtteil Osterholz in die Höhe. Nach knapp einem Jahr Bauzeit ist die „Holzbude“, ein Wohnheim betrieben von der Bremer Heimstiftung, fertiggestellt. Das markante Gebäude ist die Landmarke des Neuen Ellener Hofes, dem sozial-ökologischen Modelldorf mit knapp 500 Wohnungen, das unter der Regie der Bremer Heimstiftung auf dem knapp zehn Hektar großen Gelände einer ehemaligen Erziehungsanstalt entsteht.

Platz für alle

Das Freiraumkonzept sieht statt harter Grundstücksgrenzen sogenannte Vorzonen zwischen Häusern und Straßen vor, die offen gestaltet werden sollen. Der Altbaumbestand des Geländes konnte weitgehend erhalten werden und soll mit Sträuchern und neuen Bäumen ergänzt werden. Für Bremen neuartig ist außerdem, dass das gesamte Niederschlagswasser, auch im Straßenraum, in sogenannten Rigolen versickert.

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Foto: FMA-WK Online

Vielfalt vor Einfalt

Ziel der Bremer Heimstiftung ist eine möglichst große Vielfalt auf dem Gelände. Neben neuen Wohnungen entstehen deshalb zahlreiche soziale Einrichtungen. Darunter ist etwa ein Kita-Neubau, aber auch ein Gästehaus der Stiftung Maribondo, eine Wohngruppe des Deutschen Roten Kreuzes und Räume für die Volkshochschule in einem Gebäude der Bildungsstiftung Brede. Daneben bleibt noch Raum für einen religiösen Bau: Am westlichen Rand baut die hinduistische Gemeinde einen Tempel.

Baugemeinschaften

An anderer Stelle hakt es an der Umsetzung, auf dem Ellener Hof hingegen stehen mehrere Projekte privater Baugemeinschaften und -genossenschaften vor dem Baubeginn. Erklärtes Ziel der Häuslebauer: Günstigen Wohnraum schaffen, den sie dauerhaft dem Zugriff von Investoren und Spekulanten entziehen wollen. Möglich wird dies durch eine spezielle Organisationsform, die einen Verkauf an Investoren unmöglich machen soll.

Neue Bremer Häuser

Das „Bremer Haus“ gilt als charakteristisch für die Architektur in Bremen. Auf dem Ellener Hof entstehen ab diesem Jahr die Bremer Häuser des 21. Jahrhunderts. Vollständig aus Holz gebaut, sollen sie die Tradition aufgreifen, aber die Schwächen ablegen. Das heißt, dass sie barrierefrei, also zum Beispiel ohne Hochparterre gebaut werden. Die privaten Bauherren entwickeln dabei mit ihren Architekten individuelle Häuser.

Die neuen Bremer Häuser sollen ebenfalls nur aus Holz bestehen.

Die neuen Bremer Häuser sollen ebenfalls nur aus Holz bestehen.

Foto: BREMER HEIMSTIFTUNG

Pacht statt Kauf

Alle Grundstücke des Ellener Hofes vergibt die Bremer Heimstiftung als Pachtparzellen. Das Erbpachtsystem funktioniert wie eine Art Miete für Grundstücksflächen. Statt eines Kaufpreises zahlt ein Interessent jedes Jahr einen Erbpachtzins. Der Vorteil gerade für private Bauinteressenten: Sie müssen keine hohen Grundstückspreise zahlen. Der Vorteil für die Verpächter: Sie erhalten langfristige, sichere Einnahmen. In der Regel gelten Erbpachtverträge für bis zu 99 Jahre.

Holzbude für Studenten

Das erste fertiggestellte Gebäude ist auch das höchste. In nur knapp einem Jahr Bauzeit entstand Bremens neuestes Studentenwohnheim auf dem Ellener Feld und damit in einem Stadtteil, in dem bisher nur wenige Hochschüler wohnen. Möglich wurde der Holzbau durch Modulbauweise mit vorgefertigten Teilen. So entstanden 66 Appartements für angehende Akademiker.

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Klimaschutz soll auf allen Ebenen greifen

Charakteristisches Merkmal der Neubauten auf dem Ellener Hof ist der Baustoff Holz, der zur Zeit in der Architektur eine Renaissance erlebt. Für den Klimaschutz soll er nach Angaben der Heimstiftung gleich zwei Effekte haben: Erstens würden weniger fossile Baustoffe beim Bau benötigt und zweitens diene das Holz als CO2-Senker. Das im Baustoff gespeicherte Kohlenstoffdioxid werde der Umwelt für lange Zeit entzogen.

Gleichzeitig ist Holz auch ein natürlicher Dämmstoff. Eine gute Dämmung der Häuser ist notwendig, denn sie müssen alle dem sogenannten KfW-40-Standard entsprechen. Das bedeutet, dass der Heizbedarf pro Qua­dratmeter nicht 25 Kilowattstunden im Jahr übersteigen darf. Eine 100 Quadratmeter große Wohnung dürfte demnach maximal 2500 Kilowattstunden verbrauchen – das entspricht etwa 135 Euro Heizkosten.

Erreicht wird die hohe Energieeffizienz auf dem Gelände auch mit Hilfe eines neuen Blockheizkraftwerkes, das die SWB gebaut hat und mit Bio-Methan betrieben wird. Ergänzt wird dies durch den Anschluss an das Fernwärmenetz. Das ökologische Bauen soll darüber hinaus mit ökologischem Handeln verbunden werden. „Klimaquartier Ellener Hof“ nennen das die Kooperationspartner aus Bund für Naturschutz Deutschland (BUND), Heimstiftung und Stadt. Dieses Projekt ist derzeit in der Umsetzung und soll mit den Bewohnern Ideen für den Klimaschutz entwickeln. Im Gespräch sind Reparatur-Cafés, Tauschpartys und ökologische Gemeinschaftsgärten.

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Das Fahrrad hat Vorfahrt im Ökodorf

Der neue Ellener Hof greift nicht nur mit dem Baustoff Holz auf eine ökologische Komponente zurück, sondern setzt mit dem Fahrrad auf eine emissionsfreie Fortbewegung. Zwischen den Straßen Am Hallacker und der Ludwig-Roselius-Allee entsteht mithilfe einer Bundesförderung Bremens zweites Fahrradquartier.

Damit sich die zukünftigen Bewohner auch tatsächlich auf das Fahrrad schwingen und der Verzicht auf das eigene Auto leichter fällt, stellen die Bremer Heimstiftung, die Stadt Bremen und weitere Kooperationspartner die nötige Infrastruktur bereit. Dazu gehören eine Fahrradwerkstatt, organisiert vom Beschäftigungsträger Bras, mehr als 300 Fahrradparkplätze und eine Fahrradverleihstation. Daneben soll das Quartier durch Umbaumaßnahmen an das Radverkehrsnetz Bremens angeschlossen werden. In einem ersten Schritt wurde die Kreuzung an der Düsseldorfer Straße umgebaut. Zum Konzept des Fahrradquartiers gehört außerdem eine Warenverteilstation, die den Bewohnern des Quartiers ihre Pakete per (Lasten)-Rad oder Handkarren zustellt und so zu einer Reduzierung des Lkw-Verkehrs im Quartier führen soll.

Ende März ging es einen weiteren Schritt voran: Die ersten Leihfahrräder, Material für die Verleihstation und die Fahrradselbsthilfewerkstatt im umgebauten „Bruderhaus“ wurden angeliefert. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert das Modellprojekt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative mit 1,9 Millionen Euro.

++ Hinweis der Redaktion: In einer vorangegangenen Version stand, dass das Wohnheim vom Studierendenwerk Bremen betrieben wird. Tatsächlich wird es von der Bremer Heimstiftung betrieben. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten diesen zu entschuldigen. ++

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