Ellener Hof

Fahrräder und E-Bikes fürs Quartier

Im „Fahrradquartier Ellener Hof“ soll baldmöglichst eine Leihstation für Zweiräder eröffnet werden. Die ersten Räder wurden am Freitag angeliefert und dabei zeigte sich: Die Auswahl ist groß.
28.03.2020, 14:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Margot Müller

Osterholz. Nach einer längeren Umbauphase ist das sogenannte Bruderhaus mitten im Stiftungsdorf Ellener Hof fast fertig. Nach historischem Vorbild saniert, soll sich das Gebäude möglichst ab April wieder mit Leben füllen. Dann finden hier in der Quartiersmitte eine Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt sowie die Fahrradvermietung ihren Platz. Das sind zwei der Vorhaben, die zum Projekt „Fahrradquartier Ellener Hof“ gehören, das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wird. Umgesetzt wird es von der Bremer Heimstiftung, gemeinsam mit der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau.

Am Freitag wurden im Stiftungsdorf die ersten 25 Leihräder und Zubehör für die neue Fahrradstation im Stiftungsdorf angeliefert. Ein Lieferwagen brachte verschiedene Fahrräder für Kinder- und Erwachsene, Tandems, besondere Lasten- und Klappräder, spezielle Dreiräder – einige davon in Elektro-Ausführung – ein Rollstuhl-Rad sowie Anhänger für Kinder- und Hundetransport ins Quartier. Als Zubehör sind Kindersitze und Helme in verschiedenen Größen dabei. „Damit können wir den Bewohnern im Stiftungsdorf und in der Nachbarschaft Alternativen zum Auto und eine ideale Ergänzung zu Bus und Bahn bieten“, erklärt Alexander Künzel, Seniorvorstand der Bremer Heimstiftung, der die Gelegenheit für eine Probefahrt nutzte.

„Die Räder werden hier zunächst provisorisch untergestellt. Aber damit sind wir hier für den Saisonbeginn bestens vorbereitet“, sagt Heike Wohltmann vom Büro Plan-Werk-Stadt, die das Fahrradquartier Ellener Hof im betreut. Die Leihstation soll eröffnet werden, sobald es die aktuelle Corona-Lage erlaubt, und von einem Bremer Beschäftigungsträger für arbeitssuchende Menschen betrieben werden. Die Räder lassen sich tage- oder stundenweise mieten. Wie das Leihsystem genau funktionieren soll, daran wird derzeit noch getüftelt. Vielleicht könne man einen Verein gründen, deren Mitglieder durch Beitragszahlungen die zur Verfügung stehenden Räder nutzen können. Denn es gebe viele Gründe, auf ein Leihrad zurückzugreifen, meint die Organisatorin und nennt einige Beispiele: „Wenn der Zweirad-Fuhrpark für den Familienausflug nicht ausreicht oder wenn man längere Strecken fährt und dabei ein E-Motor unterstützen soll.“ Dann lohne es sich, zu teilen, statt neu zu kaufen. „Das zahlt sich nicht nur für den eigenen Geldbeutel aus, sondern schont auch die Umwelt“, betont Heike Wohltmann. So komme das sozial-ökologische Modellprojekt in Bremen-Osterholz gut voran. Auf dem Gelände des Stiftungsdorfs und umzu soll der Radverkehr gestärkt werden, weil dies für eine verbesserte Lebensqualität im Quartier sorge. Das neu entstehende „Dorf in der Stadt“ mit 500 Wohneinheiten für rund 1000 Bewohner soll nach Angaben der Bremer Heimstiftung eine eigene soziale Infrastruktur erhalten sowie kulturelle Veranstaltungen und Bildungsprojekte anbieten. Für das Fahrradquartier Ellener Hof sind neben der Servicestation mit Ladepunkt für die E-Bikes, auch weitere Maßnahmen für einen funktionierenden Radverkehr vorgesehen. Dazu zählen zum Beispiel ausreichend Möglichkeiten, die Räder zu parken. Bis zu 300 wetterfeste und diebstahlsichere Fahrradstellplätze sollen auf dem Gelände entstehen. „Es muss Spaß machen, mit dem Rad zu fahren. Genau dafür wollen wir die notwendige Infrastruktur schaffen“, sagt Sabine Schöbel, Hausleiterin im Stiftungsdorf Ellener Hof. Darüber hinaus ist ein Logistiksystem für Paketlieferungen geplant. Päckchen und Pakete, die an die Bewohner zugestellt werden müssen, sollen an eine Station am Quartierseingang geliefert werden und anschließend auf dem Rad weiterverteilt werden. So würden im zehn Hektar großen Stiftungsdorf Ellener Hof die Waren klimaschonend ausgeliefert. „Damit kann es gelingen, dem ansteigenden Lieferverkehr im Quartier entgegenzuwirken“, ist sich Alexander Künzel sicher. Langfristig könne das durch einen sozialen Träger mithilfe von Elektro-Lastenfahrrädern und Handkarren geleistet werden. So sollen auf dem Ellener Hof zusammen mit den Partnern und zukünftigen Bewohnern viele Ideen zum Klimaschutz im Alltag entwickelt und realisiert werden.

Mit dem „Fahrradquartier Ellener Hof“ und dem „Fahrradmodellquartier“ in der Alten Neustadt gibt es zwei Projekte zur Radverkehrsförderung in Bremen. Nach Angaben der Umweltbehörde und dem Amt für Straßen und Verkehr, sei dies nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern sorge auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Ziel ist es, den Anreiz zur Fahrradnutzung zu erhöhen. Zum Konzept gehören ebenso die radverkehrsfreundliche Gestaltung von Kreuzungen und Straßenräumen für Autos, Busse und Straßenbahnen. Von den Maßnahmen in beiden Quartieren sollen alle profitieren die dort leben, arbeiten oder einfach nur hindurchfahren.

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