Day of caring in Bremen Frische Farben fürs Jugendhaus

Gewoba-Beschäftigte verschönern das Jugendhaus Tenever – ein Ort des gegenseitigen Austausches in Bremen.
26.08.2018, 06:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Blau und Gelb: Das sind die Farben der St. Petri Jugendhilfe, die das Jugendhaus Tenever, die größte Jugendeinrichtung im Stadtteil betreibt. Im Rahmen des „Day of Caring“, bei dem Firmenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter für einen Tag frei gestellt sind, um in gemeinnützigen Einrichtungen zu arbeiten, hat sich die Wohnungsbaugesellschaft Gewoba in diesem Jahr diesen zentralen Treffpunkt mitten in der Hochhauslandschaft von Tenever ausgesucht.

Da die Gewoba auch in Tenever zahlreiche Wohnungen vermietet, passt der Einsatz der Frauen und Männer im Stadtteil gut. „Unseren Day of Caring machen wir seit sechs Jahren in wechselnden Quartieren in Bremen und auch in Bremerhaven“, erklärt Daniela Klostermann, die bei der Gewoba das soziale Management leitet.

Kunstwerk an die Wand

40 Gewoba-Beschäftigte schwingen mal breite, mal schmale Pinsel: Sie streichen in den Farben von St. Petri: Gelb für die dicken Stangen über der Mauer und Blau für die hügelartigen Betonskulpturen draußen, die auch als Sitzgelegenheiten dienen. Grau ist den Wänden im Arbeits- und Ruheraum für das sogenannte „Lückeprojekt“ vorbehalten. Es soll künftig dort stattfinden, wo derzeit noch das Jugendbüro untergebracht ist. Außen sollen die Farben leuchten, schließlich ist ein Eingangsbereich eine Art Visitenkarte für das Gebäude und brauchte dringend eine Erneuerung durch frische Farbe. Ins Zimmer für das „Lückeprojekt“ kommen auch neue Möbel, und an der Wand entsteht ein Kunstwerk: Ein VW-Bus wird als farbige Grafik projiziert und mit Farben nachgemalt. „Den wollten die Kinder unbedingt haben“, sagt Daniela Klostermann.

Den ganzen Tag sind die Gewoba-Beschäftigten körperlich aktiv, die sonst eher sitzend ihre Schreibtischarbeit leisten. „Handwerker sind nicht dabei, die meisten sind kaufmännische Angestellte, und auch einige Bauleiter sind gekommen“, erklärt Daniela Klostermann, „doch sie machen ihre Arbeit gerne und gut.“ Jeder weiß, was er zu tun hat: Die Bank mit einem Schutzlack neu streichen, neue Farbtöpfe holen oder die Mitarbeiter mit gebratenen Hähnchenschenkeln für den Imbiss zwischendurch versorgen.

Zentrale Anlaufstelle

Das Jugendhaus Tenever ist eine zentrale Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zehn bis 21 Jahren: „Die Kinder und Jugendlichen in unserem Haus schätzen es, dass man sich Zeit für sie nimmt“, sagt Cemile Tolan von der St. Petri Kinder- und Jugendhilfe, die Fachbereichsleiterin für offene Kinder- und Jugendarbeit in Osterholz ist. „Für die jungen Menschen ist es wichtig, dass sie eine Bezugsperson haben, mit der sie vertraulich auch persönliche Probleme besprechen können.“ Dazu arbeiten im Jugendhaus zwei Sozialpädagogen und mehrere Honorarkräfte und Ehrenamtliche.

Das „Lückeprojekt“ füllt als außerschulisches Betreuungsangebot das Zeitfenster zwischen Schule und Feierabend: In der fest angemeldeten Gruppe erhalten derzeit 14 Kinder im Alter zwischen zehn und 15 Jahren täglich einen Mittagstisch, werden bei den Hausaufgaben unterstützt oder erhalten Nachhilfe, können aber auch im sogenannten „Club“ zum Beispiel Rennrad fahren oder basteln.

Von Kreativ bis Nachhilfe

Das offene Angebot im Jugendhaus reicht von einer Kreativ-Werkstatt über Nachhilfe-Angebote, gemeinsames Kochen bis zum Sport. „Wir haben zum Beispiel im Keller eine Boulderwand selbst gebaut, an der die jungen Leute Kraft und Konzentration einsetzen können“, sagt Cemile Tolan, „Mädchen finden einen eigenen geschützten Raum, und auf einer Freizi-Konferenz, die regelmäßig stattfindet, können die Jugendlichen ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern.“

Um den Stadtteil näher kennenzulernen, wird regelmäßig eine Rallye gemacht, an der alle Schulen aus der Umgebung teilnehmen. „Und auch mit dem Übergangswohnheim besteht eine Kooperation“, erläutert Cemile Tolan, „die Kinder von Flüchtlingsfamilien werden von dort abgeholt und spielen im Jugendhaus mit anderen – wir wollen Begegnungen schaffen.“

Wertschätzung und Toleranz

Inklusion und Integration stehen im Jugendhaus also obenan, ebenso wie Wertschätzung und Toleranz, unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Religion. Denn im Jugendhaus kommen, entsprechend der Zusammensetzung der Stadtteilbewohner, die unterschiedlichsten Religionen zusammen. „Wir setzen aber auch den inklusiven Gedanken um, indem Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen zu uns kommen“, sagt Tolan. „Der gegenseitige Austausch ist für uns das A und O.“

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