Bessere Versorgung für Familien

Hebammen sollen nach Osterholz

Drei Standorte im Stadtteil Osterholz stehen offenbar für ein Hebammenzentrum zur Auswahl. Eine Entscheidung des Gesundheitsressorts steht noch aus.
17.10.2019, 19:06
Lesedauer: 3 Min
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Hebammen sollen nach Osterholz
Von Christian Hasemann
Hebammen sollen nach Osterholz

Könnte auch in Osterholz zum Alltag werden: die Arbeit der Hebammen.

Caroline Seidel

Bekommt Osterholz ein Hebammenzentrum? Diese Frage schwebt seit Wochen im gesundheitspolitischen Raum. Zuletzt hatte es Hinweise auf einen möglichen Standort in Osterholz gegeben. Der Beirat sieht einen steigenden Bedarf im Stadtteil.

Die Koalitionsparteien Rot-Grün-Rot hatten sich im Koalitionsvertrag auf ein Bekenntnis zur besseren Gesundheitsversorgung in benachteiligten Stadtteilen geeinigt. Dazu zählt auch der Ausbau von Hebammenzentren und ein spezieller Studiengang. Hintergrund ist ein Mangel an Geburtshelferinnen und Geburtshelfern in Bremen, die sich zudem auch noch örtlich auf wenige Stadtteile konzentrieren.

Besonders in den benachteiligten und geburtenstarken Stadtteilen hätten es Schwangere schwer, eine Hebamme zu finden, so die Aussage einer Studie des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik (Socium) der Universität Bremen, die 2018 vorgestellt wurde.

In der Studie kommen die Wissenschaftler auf eine Zahl von insgesamt 216 Hebammen in Bremen. Genau ist diese Zahl allerdings nicht, da zum Beispiel auch freiberufliche Hebammen aus dem niedersächsischen Umland in Bremen tätig sind. Freiberufliche Hebammen hatten in Bremen im Schnitt 2016 je 52 Frauen betreut, so das Ergebnis der Studie.

Standort nach dem Vorbild Gröpelingen

Im Frühjahr hatte die Bürgerschaft beschlossen, dass noch in diesem Jahr in Gröpelingen ein Hebammenzentrum eröffnen soll. In dem Zentrum sollen mehrere Hebammen im Team arbeiten und dadurch mehr Familien vor und nach der Geburt betreuen können. Nach diesem Vorbild könnte auch in Osterholz ein Standort für Hebammen entstehen.

Osterholz zählt zu den am stärksten wachsenden Stadtteilen in Bremen. Die Versorgung mit Hebammen ist dagegen im Vergleich zu sehr gut aufgestellten Quartieren wie dem Barkhof oder Schwachhausen eher schlecht. Ein Hebammenzentrum würde also durchaus Sinn ergeben. Als mögliche Standorte wurden in den vergangenen Wochen immer wieder das Zentrum Osterholz-Tenever, das derzeit im Bau befindliche Mehrgenerationenhaus in der Graubündener Straße im Schweizer Viertel und der Ellener Hof im Ellener Feld gehandelt.

An den beiden letztgenannten Standorten ist die Bremer Heimstiftung aktiv. Die Gerüchte sind auch dem Vorstandsvorsitzenden André Vater zu Ohren gekommen. Und abgeneigt ist der Chef von Bremens größtem Altenhilfeträger nicht, im Gegenteil.

„Wir wissen natürlich von den Planungen“, sagt André Vater. „Wenn das in Osterholz umgesetzt werden soll, dann bieten sich die Standorte Graubündener Straße und Ellener Hof an.“ Er jedenfalls würde sich freuen, wenn es zwischen Stadt und Heimstiftung zu einem Zueinander käme. Er sieht dabei den Ellener Hof noch als ein wenig besser geeignet an. „Auf dem Ellener Hof haben wir unterschiedliche Gesundheitsschwerpunkte und als sozial-ökologisches Dorf und Fahrradmodellquartier eine gute Umgebung für ein Hebammenzentrum.“ Die Entscheidung liege aber nicht bei der Heimstiftung. „Aber wir würden ein solches Zentrum mit offenen Armen empfangen“, sagt André Vater und bietet die Stiftung damit quasi als Geburtshelfer für das Projekt an.

Beirat will Hebammen

Im Stadtteil selbst sähen die verantwortlichen Lokalpolitiker nur zu gerne ein Hebammenzentrum. Ende August hatte der Gesundheitsausschuss des Beirats einen gemeinsamen Beschluss der Fraktionen gefasst. Darin begrüßt der Ausschuss die Planungen zu Hebammenzentren und rührt dabei die Werbetrommel für Bremens östlichen Stadtteil.

Zum einen gebe es eine hohe Anzahl alleinerziehender Mütter, zum anderen gebe es im Stadtteil ein sehr gutes System vernetzter Sozialeinrichtungen. Der Gesundheitsausschuss hält außerdem den Ellener Hof als bestens geeignet. Er sei verkehrsgünstig gelegen, zwei Kitas seien auf dem Gelände angesiedelt, die AOK baue dort ein Kundenzentrum und es könnte zeitnah ein Gebäude errichtet werden, in dem Hebammen einen Platz finden könnten, heißt es in dem Beschluss.

„Wir halten es für wichtig, dass schnell über die Gründung von Hebammenzentren beschlossen wird und würden es sehr begrüßen, wenn ein Hebammenzentrum in den Stadtteil Osterholz käme“, sagt der Sprecher des Gesundheitsausschuss Jörn Krauskopf (CDU) auf Nachfrage des STADTTEIL-KURIER. Und weiter: „Wir sind ein Stadtteil mit vielen jungen Familien und haben ein gutes Netzwerk sozialer Einrichtungen, in das sich das Hebammenzentrum ausgezeichnet einfügen wird.“

Im Ressort selbst sind allerdings noch keine konkreten Weichen gestellt worden. „Die Arbeitsgruppe ist bisher noch dabei, verschiedene mögliche Standorte zu prüfen. Das Konzept wird abhängig vom jeweiligen Standort entwickelt werden“, sagt Malte Hinrichsen, Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Es gebe mehrere Stadtteile, die in Frage kämen.

Einen festen Zeitplan gibt es ebenfalls noch nicht, zunächst müssten die Mittel in den Haushalt eingestellt werden, heißt es aus dem Gesundheitsressort. Die Planungen laufen zwischenzeitlich aber weiter, denn die zuvor vakante Projektleiterstelle ist inzwischen wieder besetzt.

Weitere Informationen

Familien, die eine Hebamme suchen, können seit diesem Jahr über ein Online-Portal, recherchieren. Das mehrsprachige Portal www.hebammensuche-bremen.de vermittelt Geburtshelferinnen und bietet außerdem eine Telefonsprechstunde an.

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