Neues Quartier in Planung

Investor will 90 Wohnungen in Osterholz bauen

Investor und Stadt haben erste Pläne für ein Baugebiet an der Osterholzer Heerstraße vorgestellt. Neuer Wohnraum und 100 neue Kitaplätze sollen auf dem brachliegenden Grundstück entstehen.
28.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Investor will 90 Wohnungen in Osterholz bauen
Von Christian Hasemann
Investor will 90 Wohnungen in Osterholz bauen

Seit Jahren liegt ein Grundstück einer ehemaligen Hofstelle am östlichen Ende der Osterholzer Heerstraße brach. Nun haben der Investor und die Stadt den Anwohnern die ersten Pläne für eine Bebauung des Areals des abgebrannten Gehöfts vorgestellt. Entstehen sollen 90 Wohnungen und eine Kita für bis zu 100 Kinder. Nicht bei allen Anwohnern fanden diese Pläne Anklang.

Das etwa 15.000 Quadratmeter große Gelände liegt auf der nördlichen Seite der Osterholzer Heerstraße. Im Norden wird das Areal durch das Wohnquartier an der Dürkheimer Straße begrenzt, im Osten schließt ein asiatisches Restaurant und eine Tankstelle an, während das Gelände des Vereins Conpart den westlichen Rahmen bildet.

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Der Bebauungsplan mit der Nummer 2463, der nun aufgestellt werden soll, umfasst dabei nicht nur das tatsächlich später zu bebauende Areal der ehemaligen Hofstelle, sondern auch die östlichen Grundstücke bis zur Otto-Brenner-Allee mit ihren Gewerbebetrieben. Dies hängt mit der aktuellen Situation an der Osterholzer Heerstraße zusammen: An der verkehrsbelasteten Straße haben sich in den vergangenen Jahren viele Betriebe, die direkt oder indirekt mit Autohandel zu tun haben, angesiedelt. Dazu kommen Casinos und Wettbüros – und diese sind schon lange ein Dorn im Auge des Ortsbeirats. Der neue Bebauungsplan will nun diese „autoaffinen Betriebe“, wie es im Entwurf heißt, einschränken und auch sogenannte Vergnügungsstätten, damit sind unter anderem Wettbüros gemeint, ausschließen.

Neuer Wohnraum an vorderster Stelle

Das vorrangige Ziel ist aber ein anderes. „Die Schaffung von Wohnraum“, sagte Miryam Blobel, von der Senatorin für Mobilität und Wohnungsbau. Das zweite Hauptziel, von dem auch die schon jetzt in der Nachbarschaft wohnenden Menschen profitieren sollen, sei eine neue Infrastruktur. Damit meinte die Referentin die geplante sechszügige Kindertagesstätte auf dem westlichen Teil des Geländes, die voraussichtlich vom Verein Conpart betrieben werden wird. „Das Gebiet liegt zwar sehr weit im Osten, aber es hat eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr“, sagte Blobel über die Lage des neuen Quartiers. Daneben gebe es schon jetzt in unmittelbarer Nachbarschaft soziale Einrichtungen. Gemeint waren damit unter anderem die Kita und Schule am Pfälzer Weg sowie die Oberschule Koblenzer Straße. „Außerdem gibt es die Egestorf-Stiftung mit der großen Parkanlage“, so Miryam Blobel.

Anwohner Jürgen Pilz wollte wissen, ob es einen Supermarkt geben könnte. „Das wäre das Wichtigste für Tenever.“ Hintergrund der Frage ist, dass es mit der Schließung des Aldi-Marktes in der Koblenzer Straße für den südöstlichen Teil Tenevers keine fußläufig erreichbare größere Einkaufsmöglichkeit mehr gibt. Einen Supermarkt in dem Plangebiet schloss Miryam Blobel aus, fügte aber hinzu, dass kleinere Geschäfte mit bis zu 200 Quadratmetern Ladenfläche, also beispielsweise ein Bäcker, durchaus möglich seien.

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Das neue Baugebiet an der Osterholzer Heerstraße wird demnach, bis auf die Kindertagesstätte, ein reines Wohngebiet sein. Die Pläne für den Häuserbau stellte Architekt Stephan Rosengart bei der Versammlung vor. „Es wird eine zentrale Zuwegung und im hinteren Bereich unter Erhalt der Bestandsbäume eine Reihenhausbebauung geben.“ Im vorderen Bereich zur Heerstraße hin, würden Mehrgeschosshäuser gebaut. „Mit entsprechenden Lärmschutz“, wie Rosengart sagte.

Zwei Mehrgeschosshäuser mit jeweils 28 bis 30 Wohnungen und einer Geschosshöhe von fünf Stockwerken sehen die derzeitigen Pläne, die noch nicht endgültig sind, vor. Das Erdgeschoss dient dabei als reiner Park- und Versorgungsraum. Im hinteren Bereich zur Dürkheimer Straße sollen etwa 30 Reihenhäuser mit einer maximalen Nutzfläche von 175 Quadratmetern entstehen. Insgesamt entstünden nach diesen Plänen also etwa 90 Wohneinheiten. Durchfahrtsverkehr Richtung Dürkheimer Straße ist ausgeschlossen: Die öffentliche Straße endet in dem neuen Quartier in einem Wendehammer. Sehr wohl sei aber eine Öffnung des neuen Quartiers zur Dürkheimer Straße für Fußgänger möglich – wenn die Nachbarn dies wollten.

Einigen Nachbarn behagte die Aussicht, ihr Quartier zu den neuen Nachbarn hin zu öffnen, allerdings nicht. „Die Idee mit der Stadt war eigentlich, dass wir eine Verbindung für ihr Quartier zur Osterholzer Heerstraße schaffen und nicht umgekehrt“, wandte sich Investor Amer Sandawi an die kritischen Stimmen. Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter brachte einen anderen Aspekt ein: „Ein Gedanke den Zaun zu öffnen, ist auch, dass die Schulkinder in den neuen Reihenhäusern einen sicheren Schulweg zum Pfälzer Weg haben und nicht den Umweg an der viel befahrenen Heerstraße machen müssen.“ Eine Entscheidung in der Frage ist noch nicht gefallen.

Anwohner befürchten Parkplatznot

Kritik gab es an auch an der Nähe der geplanten Reihenhäuser zu denen der Dürkheimer Straße. „Wir sehen ja überall, dass sehr eng gebaut wird“, sagte eine Anwohnerin, die Schattenwurf durch die zweigeschossigen Häuser befürchtet. Eine andere Anwohnerin brachte ihre Sorge zum Ausdruck, dass der Parkplatzschlüssel von eins zu eins bei den Reihenhäusern, also ein Parkplatz pro Haus, nicht ausreichen werde. „Das wird so nicht funktionieren bei einem Parkplatz. Das wird nicht reichen und am Ende parken die Leute an der Osterholzer Heerstraße.“

Torsten Kaal, Referatsleiter im Bauressort: „Wir erfüllen damit den aktuellen Stand der Dinge, aber wir nehmen das gerne mit.“ Jürgen Lohse, Vorstand bei Conpart, nahm den zu erwartenden Verkehr im Bereich der Kita in den Blick. „Ich befürchte Elterntaxis und würde deswegen anregen, dass eine weitere Ampelanlage an der Heerstraße gebaut wird, denn südlich der Straße gibt es mehr Parkflächen.“

Ein kleines Stück des Geländes bleibt gänzlich unbebaut: Das kleine Waldstück an der südöstlichen Ecke darf stehenbleiben. Gutachten hätten das Gebiet, so Miryam Blobel, als Wald eingestuft. Wälder stehen nach dem Bundeswaldgesetz und den eigenen Landesvorschriften unter besonderem Schutz. Künftig soll das Waldstück dauerhaft als private Grünfläche erhalten werden.

Nach der ersten Phase der Beteiligung schließt sich die sogenannten öffentliche Auslegung an. In dieser Phase können die Pläne im Bauressort und im Ortsamt eingesehen werden und Einwendungen und Anregungen gemacht werden. Die Bebauungspläne und Gutachten sind dann über die Internetseite www.bauleitplan.bremen.de einsehbar.

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