Verlorene Generation

Jugendliche wollen raus

Die Jugendeinrichtungen in Osterholz berichten von einer sehr belastenden Situation für Kinder und Jugendliche durch die Schulschließungen und das begrenzte Angebot der Jugendfreizeitheime.
29.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Jugendliche wollen raus
Von Christian Hasemann
Jugendliche wollen raus

Gemeinsame Aktionen wie hier am Jugendhaus Ute-Meyer-Weg fehlen den Jugendlichen in Osterholz.

PETRA STUBBE

Knapp 14 Monate nachdem die Pandemie Deutschland erfasst hat, sprechen einige Kinderärzte und Psychologen inzwischen von einer „Lost Generation“, also einer verlorenen Generation. Schulausfälle, soziale Isolation und Stress zehren besonders stark an der Psyche von Kindern und Jugendlichen. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Vertreter der Osterholzer Jugendeinrichtungen haben im Ausschuss für Jugend und Soziales des Beirats ein differenziertes Bild zur Lage der Jugendlichen im Stadtteil gezeichnet.

Den Anfang machte Marek Kempinski vom Jugendtreff Blockdiek. Der Diplomsportlehrer hatte wegen eines Corona-Falles eines Besuchers die erste Osterferienwoche streichen müssen. „Gott sei Dank ist kein weiterer krank geworden“, sagte er. Nach Ostern sei der Jugendtreff wieder geöffnet worden. „Wir müssen die Besucherzahl begrenzen, dürfen aber immerhin den Kraftraum nutzen.“ Allerdings: Auch dort dürfen nach seinen Angaben maximal zwei Jugendliche trainieren.

Angst habe der neue Bundes-Lockdown gemacht. „Aber zum Glück dürfen wir trotzdem offen haben und können für die Jugendlichen da sein.“ Und das ist offenbar nötig. „Die Jugendlichen leiden unter der Situation. Sie erzählen uns, wie unzufrieden sie mit der Situation in den Schulen sind.“ Alle Jugendlichen würden sich über den Distanzunterricht beklagen. „Und die Jugendlichen haben Zukunftsängste, dass sie keine Ausbildung bekommen“, so Kempinski. Dazu komme der Stress zuhause. „Es gibt große Bedarfe, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“

Jugendliche wollen einfach mal raus

Derzeit sehe es auch für die beliebten Ferienfahrten im Sommer nicht gut aus, so Kempinksi. „Wir werden wohl keine Sommerreise machen können.“ Stattdessen soll es spontane Tagesausflüge geben. „Damit die Jugendlichen wenigstens für ein paar Stunden ihren Stadtteil verlassen können.“ Derzeit könne er nicht mehr sagen. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagte er mit Blick auf die nach wie vor angespannte Corona-Lage.

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Cemile Tolan von der Petri und Eichen Kinder- und Jugendhilfe hat bei den Jugendlichen ihrer Einrichtung Ähnliches beobachtet. „Die Kinder haben große Wünsche, viele wollen eine Reise mit Übernachtung machen.“ Viele wollten einfach mal weg aus der Wohnung, aus Tenever, aus Bremen. „Einfach mal rauskommen“, so Tolan. Weit weg wird es voraussichtlich auch nicht für die Kinder gehen, die die Häuser von Petri und Eichen besuchen. „Es wird Tagesausflüge geben, Fahrradtouren, Outdoor-Angebote“, kündigte Tolan an.

Auch sie sprach von einer sehr schwierigen Schulsituation für die Kinder. „Die Kinder haben durch die Schulschließungen viel weniger soziale Kontakte und kommen zu uns mit ganz vielen Fragen und haben ganz unterschiedliche Probleme und Bedürfnisse.“ Viele Kinder berichteten, dass sie mit den Aufgaben der Schulen nicht mehr hinterherkämen.

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