Nachfrage ist zu gering

Keine Hundewiese für Osterholz

Die Nachfrage sei zu gering und die Flächen zudem nicht geeignet: Der Beirat Osterholz lehnt zwei vom Bauressort vorgeschlagene Flächen für Hundeauslaufflächen im Stadtteil ab.
31.03.2019, 15:31
Lesedauer: 4 Min
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Keine Hundewiese für Osterholz
Von Christian Hasemann
Keine Hundewiese für Osterholz

Spielen und toben ohne Leine wie hier in der Vahr soll in Bremen zukünftig auf mehr Flächen möglich sein.

Christina Kuhaupt

Im Frühjahr zur Brut- und Setzzeit müssen sie wieder überall mit einer Leine ­verbunden sein: Hund und Mensch. Wer das Herrchen ist, mag zwar nicht immer klar sein, klar aber ist, dass die Zweibeiner sich für die Vierbeiner freie Auslaufflächen wünschen. Diese sind in einer Großstadt wie Bremen mit ihrer von wenigen Ausnahmen abgesehenen Leinenpflicht rar. Der Beirat Osterholz hat in einem gemeinsamen Beschluss aller Fraktionen infrage kommenden Plätzen im Stadtteil eine vorläufige Absage erteilt.

In der Diskussion standen zwei Standorte für eine Hundewiese im Stadtteil: In der Nähe des Kinderbauernhofes in Tenever und an der Kreuzung Hans-Bredow-Straße/Osterholzer Heerstraße neben dem Osterholzer See. Die Vorschläge für die Flächen kamen aus dem Bau- und Umweltressort, das nach zwei Pilotprojekten in der Vahr und der Neustadt auf der Suche nach weiteren möglichen Flächen ist.

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Standorte ungeeignet

Die Beiratsmitglieder waren sich allerdings einig, dass beide Flächen ungeeignet sind. Bei der Fläche am Kinderbauernhof habe es Einwände seitens der Bürger Tenevers und der Stadtteilgruppe, eine offene Gruppe von Bewohnern des Ortsteils Tenever, gegeben, heißt es in dem Beschluss. Die Tiere des Kinderbauernhofes, aber auch Familien mit ihren Kindern, könnten durch die Hunde gestört werden. Zudem sei die Fläche weitab von Parkflächen. Wildparken im Grünzug könnte die Naherholung stören, heißt es weiter. Kurios: Der vorherige Quartiersmanager Jörn Hermening hatte die Fläche noch als Möglichkeit ins Spiel gebracht.

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Gegen die Fläche am Osterholzer See spricht für den Osterholzer Beirat zumindest derzeit die ungeklärte Frage der Kostenübernahme für die Instandhaltung und die Reinigung. „Es gab den Vorschlag aus der Behörde, dass der Umweltbetrieb die Kosten für die Pflege übernehmen könnte“, sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Allerdings habe es bisher keinerlei Signale gegeben, dass das Budget, das dem Umweltbetrieb für Osterholz zur Verfügung steht, tatsächlich erhöht wird. „Wir sind da auch ein gebranntes Kind“, erklärt Ulrich Schlüter die Skepsis. In der Vergangenheit habe es mehrere Projekte gegeben, nach deren Fertigstellung kein Geld für den Erhalt und die Pflege zur Verfügung stand. „Die Folgekosten hatte nie jemand auf dem Schirm“, so Ulrich Schlüter. So fehle zum Beispiel das Geld für die Halle der Bewegung, für die Pflege einer Skateranlage und für drei Spielpunkte in Osterholz. Eine generelle Absage an Hundeauslaufflächen im Stadtteil sei dies aber nicht.

Die Nachfrage beim Ortsamt nach Hundeauslaufflächen ist eher gering. Ulrich ­Schlüter spricht von fünf oder sechs Anfragen von ­Bürgern in den vergangenen Jahren. „Es ­wurden auch Flächen vorgeschlagen, die ­waren allerdings nicht so geeignet.“ Darunter waren unter anderem Flächen an Wasser­läufen. Allerdings: Die notwendige Um­zäunung war nicht möglich, da der Deich­verband sein Veto einlegte, der den Uferbereich für die Pflegemaßnahmen, zum Beispiel zum Ausbaggern der Fleete, benötigt. Charmant findet der Ortsamtsleiter eine Initiative der Hans-Wendt-Stiftung in Borgfeld, die für eine geringe Gebühr ein Gelände für Hundebesitzer öffnet. „So eine Variante wäre natürlich attraktiv.“ Als Alternative steht Osterholzern aber auch die Hundewiese in der benachbarten Vahr zur Verfügung. „Die ist auch noch ganz gut zu erreichen“, sagt Ulrich Schlüter.

Jens Tittmann, Pressesprecher beim ­Senator für Bau und Umwelt, bekräftigt die Absicht des Ressorts, weitere Hundeauslaufflächen einzurichten. „Der Kollege durchforstet von Norden nach Süden das gesamte Stadtgebiet.“ Es sei aber schwierig, geeignete öffentliche Flächen zu finden. „Und da sind auch juristische Fragen zu klären“, sagt Jens Tittmann. So zum Beispiel die Frage, ob jede Hundeaus­lauffläche unbedingt teuer eingezäunt werden muss. „Wir sind da in Gesprächen mit dem Innenressort, weil dafür Richtlinien und ­Gesetze geändert werden müssen“, sagt Jens Tittmann. Es sei außerdem der Wunsch des Ressorts, dass die Mehrkosten der Pflege im Haushaltsentwurf aufgenommen werden und nicht zu Lasten der Stadtteile gehen.

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Nachfrage ist da

Offizielle Hundeauslaufflächen gibt es derzeit zwei in Bremen. In der Neustadt am Neu­stadtsbahnhof und in der Vahr in unmittel­barer Nachbarschaft der Galopprennbahn. In der Vahr sind 16 000 Euro in die Freilauffläche geflossen, unter anderem für einen stabilen und bissfesten Zaun um eine bestehende Wiese mit einem kleinen Wäldchen von ­insgesamt 6000 Quadratmetern Fläche. In der Neustadt musste ein ehemaliger Lagerplatz des Umweltbetriebs entsiegelt und in eine Hundewiese umgebaut werden. Kostenpunkt: 30 000 Euro für 1500 Quadratmeter Platz, wo Hunde frei toben und spielen können.

Diese beiden Freilaufflächen sollten als eine Art Blaupause für weitere Hundewiese dienen. Acht bis zehn Hundeauslaufflächen in ganz Bremen hält das Bau und Umweltressort für möglich. Die Nachfrage jedenfalls wäre da – bisher allerdings stehen nur die beiden Flächen der Pilotprojekte zur Verfügung, die nun auch von Menschen aus anderen Stadtteilen genutzt werden. Inoffizielle Hundeauslaufflächen gibt es allerdings über das ganze Stadtgebiet verteilt, gerne direkt am Wasser, was immer wieder auch zu Konflikten mit anderen Nutzern führt, die die Hunde gerne angeleint oder am besten gar nicht sähen – vom Ärger mit dem Hundekot ganz abgesehen. Städtebaulich kann es für eine Stadt aber Sinn machen, Hundeauslaufflächen auszuweisen, denn sie gelten als Kontaktpunkte für Nachbarschaften.

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