Eingeschränkte Öffnungszeiten

Kinder- und Jugendhaus im Schweizer Viertel hat künftig vier Tage in der Woche geschlossen

Das Deutsche Rote Kreuz kann nun ein Tag weniger pädagogische Arbeit in dem Jugendhaus betreiben. Grund hierfür ist, fehlendes Geld.
15.12.2019, 22:52
Lesedauer: 4 Min
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Kinder- und Jugendhaus im Schweizer Viertel hat künftig vier Tage in der Woche geschlossen
Von Christian Hasemann
Kinder- und Jugendhaus im Schweizer Viertel hat künftig vier Tage in der Woche geschlossen

Weil dem DRK 30.000 Euro an Personal- und Mietkosten fehlen, muss das Kinder- und Jugendhaus an vier Tagen in der Woche geschlossen bleiben.

Petra Stubbe

Ein Tag weniger pädagogische Arbeit im Kinder- und Jugendhaus im ohnehin schon oft als „benachteiligt“ betitelten Schweizer Viertel: Das ist die Konsequenz, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) aus der Entscheidung des Controlling-Ausschusses „Offene Jugendarbeit“ zieht , dem Jugendhaus nicht mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Der Ärger darüber ist auch nach der jüngsten Beiratssitzung beim DRK nicht verraucht. Statt der beantragten 277.732 Euro bekommt der DRK für die Jugendhütte nur 248. 597 Euro und damit genauso viel im Vorjahr. Das ist allerdings in der haushaltslosen Zeit die Regel für alle Einrichtungen.

„Uns fehlen jetzt fast 30.000 Euro bei gestiegenen Miet- und Personalkosten“, sagt Sara Dahnken, die beim DRK für die Jugendfreizeiteinrichtungen verantwortlich ist. Die Ursache liege unter anderem in einem Rechenfehler. Vor ein paar Jahren stellte die Sozialbehörde auf ein neues Antragsverfahren um und dabei schlich sich offenbar ein Rechenfehler ein. Dieser führte dazu, dass bei einigen Anträgen die Mietkosten nicht zur Gesamtsumme addiert wurden. Dadurch sei der Antrag knapp 20.000 Euro zu niedrig ausgefallen, so Dahnken.

Kursleiter entlassen

„Wir hatten im Antrag extra darauf hingewiesen“, sagt sie. Dennoch sei der zu niedrige Betrag in den Controlling-Ausschuss zur Abstimmung gegangen und bewilligt worden. „In 2019 haben wir den Fehlbetrag aus eigenen Mitteln ausgeglichen“, so Sara Dahnken. Dies alles in der Hoffnung, dass in der neuen Vergaberunde die Mittel wieder aufgestockt würden. Es blieb allerdings mit der Entscheidung im November dieses Jahres beim zu niedrigen Vorjahresbetrag. Als Konsequenz habe man vor Weihnachten langjährige Kursleiter entlassen müssen, um Geld einzusparen und hat die Reparatur der Außenjalousie aufgeschoben, die knapp 7000 Euro kostet. Künftig würden ausschließlich die zwei Festangestellten an vier Tagen die Woche das Jugendhaus öffnen. „Wenn einer krank ist, müssen wir das Haus schließen“, so Sara Dahnken.

Die Mittel für die offene Jugendarbeit verteilt der sogenannte Controlling-Ausschuss. Dieser setzt sich aus Vertretern des Amtes für soziale Dienste (AfsD), dem Beirat und Träger der Jugendhilfe zusammen. Für Osterholz betrug das zu verteilende Budget 980.807 Euro.

Dahnken wirft dem Osterholzer Controlling-Ausschuss Intransparenz vor. In anderen Stadtteilen sei es üblich, dass die Träger ihre Anträge vorstellen könnten. „In Osterholz wird innerhalb kürzester Zeit eine Million Euro mit einem Blick auf die Tabelle verteilt“, meint Dahnken.

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Vorwürfe die Wolfgang Haase (SPD), Mitglied des Controlling-Ausschusses, nicht stehen lassen möchte. „Bisher gab es nie Kritik an dem Verfahren.“ Wenn es Beschwerden an dem Verfahren gegeben hätte, hätte man auch darüber gesprochen. Alle Träger hätten außerdem Möglichkeit, sich über die Arbeitskreise zu äußern. Für den Ausschuss seien die Konsequenzen nicht absehbar und absolut nicht wünschenswert gewesen. „Aber ich frage mich, warum man uns nicht rechtzeitig vor der Sitzung angesprochen hat.“

Wolfgang Haase glaubt, dass die negativen Folgen auf verschiedenen Wegen abgefedert werden können. „Wir haben als Beirat angeboten, dass wir kleinere Reparaturen wie zum Beispiel der Außenjalousie aus Globalmitteln bezahlen können.“ Dafür müsste allerdings das Rote Kreuz möglichst noch bis Ende des Jahres die Anträge stellen.

Quartiersmanager Aykut Tasan, der sich in der Vergangenheit für eine Stärkung des Standortes eingesetzt hatte, ist nicht glücklich über die angekündigte Einschränkung der Öffnungszeiten. „Man wünscht sich Plätze für Jugendliche und Kinder und wir haben das Jugendhaus und die Nachbarschaft unheimlich ausgebaut und jetzt kann der Betrieb nicht mehr an allen Tagen aufrecht erhalten werden.“

Jugendhaus wollte sportpädagogische Angebote nutzen

Tatsächlich wird aktuell der Spielplatz neben dem Jugendhaus im Ute-Meyer-Weg umgebaut und sollte, so war der Plan, auch vom Jugendhaus für sportpädagogische Angebote genutzt werden.

„Eigentlich bräuchten wir ein Sieben-Tage-Programm“, sagt Tasan. „Dafür brauchen wir aber Personal und Mittel.“ Daran mangelt es aber. Tasan erinnert außerdem daran, dass es vor zehn Jahren mit der Jugendhütte noch eine zweite Jugendeinrichtung gab. „Die wurde geschlossen, damit wir hier etwas Neues entwickeln können.“ Die jetzige Reduzierung sei daher kein gutes Zeichen. Möglicherweise könnten über Mittel aus dem Förderprogramm Wohnen in Nachbarschaften (Win) Honorarkräfte für einzelne Projekte im Jugendhaus finanziert werden.

Künftig könnte die Finanzierung der offenen Jugendarbeit bremenweit anders aussehen. Mitte November hatte die Bürgerschaft einen entsprechenden Antrag der Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Linken angenommen. „Das ist Rückenwind für die Jugendarbeit“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) damals. Kern der Neuerung könnte ein spezielles und zentzrales Budget für stadtteilübergreifende Einrichtungen sein, wie den Sportpark oder den Fun Park in Obervieland, das die Budgets der Stadtteile entlastet.

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Zu den eingeschränkten Öffnungszeiten im Jugendhaus Schweizer Viertel gab es auf Nachfrage des STADTTEILKURIER aus dem Ressort die Auskunft, dass die Sozialsenatorin das aktuelle Verfahren respektiere und daher nicht jede einzelne Entscheidung in einem Controlling-Ausschuss kommentieren könne.

Mehr Geld für die Jugendarbeit kann nur in den Verhandlungen über den kommenden Doppelhaushalt bereitgestellt werden. Die Beirätekonferenz hatten eine Steigerung der Budgets gefordert. Wolfgang Haase hofft, dass es tatsächlich zu einer deutlichen Erhöhung kommt. „Denn sonst wäre der Ärger groß in den Stadtteilen“, meint Wolfgang Haase. Wenn es dazu kommt, könnte es auch für das Jugendhaus Schweizer Viertel mehr Geld geben.

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