Betreuungsplätze in Zeiten von Corona

Notdienste in den Kitas

Die Nachfrage an Betreuungsplätzen fällt im Bremer Osten sehr unterschiedlich aus. Es herrscht große Verunsicherung bei Eltern, und für Erzieher ist ein Schutz kaum möglich möglich.
09.05.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Notdienste in den Kitas
Von Christian Hasemann
Notdienste in den Kitas

Manuela Chorengel kann in der Kita Kinderhafen freie Plätze in der Notbetreuung anbieten.

PETRA STUBBE

An den Fenstern der Kita Kinderhafen in Tenever kleben eine Bastelanleitung und die Resultate, die kleine Kinderhände daraus gemacht haben. Für viele Kinder und deren Eltern ist dieser Blick von Außen eine der wenigen Verbindungen, die zum Alltag in der Einrichtung bleiben. Dabei gebe es noch freie Plätze in der Notbetreuung. Anders in der Vahr: Dort wird die Notbetreuung besser angenommen und weiter ausgebaut.

„Wir könnten 30 Plätze anbieten, derzeit sind davon 13 belegt“, sagt Manuela Chorengel, Einrichtungsleiterin des Hauses am Pfälzer Weg in Tenever. Dass bei aller Not von berufstätigen Eltern, die zurzeit ihre Kinder Zuhause betreuen, nicht mehr Familien das Angebot annehmen, erklärt sie so: „Wir haben hier in Tenever nicht überwiegend zwei berufstätige Elternteile, für die eine Notbetreuung in Frage kommt und auch nicht viele Alleinerziehende.“ Sie hat aber auch noch etwas Anderes beobachtet: „Viele Eltern haben Angst, dass sich ihre Kinder anstecken.“

Eltern und Kinder, die keinen Anspruch auf eine Notbetreuung haben, sollen den Kontakt zur Kita und den Bezugspersonen nicht verlieren. „Bei uns ist es, dass die Kolleginnen einmal in der Woche die Eltern anrufen und die Kinder auch einmal in der Woche Materialien, zum Beispiel zum Basteln, per Post bekommen“, sagt Manuela Chorengel. Eine Praxis, die in Bremen von allen Trägern in ähnlicher Form umgesetzt wird. Zusätzlich haben die Mitarbeiter der Kita Tipps gegen Langeweile an die Scheiben geklebt, die Eltern Zuhause mit ihren Kindern umsetzen können.

Die wöchentlichen Telefonate mit den Familien sind für die Mitarbeiter aber auch eine Art Gradmesser, wie Familien mit der sehr belastenden Situation klar kommen. „Da wird gefragt, wie es geht, wie es läuft. Wenn wir das Gefühl haben, dass dort Unterstützung gebraucht wird, dann würden wir uns auch um eine Betreuung kümmern“, sagt Chorengel. In der Praxis bedeutet Notbetreuung, dass maximal fünf Kinder in einer Gruppe sind. Geschwister sollen dabei zusammen in einer Gruppe sein. Anders als in den Schulen lassen sich Hygieneregeln, wie zum Beispiel das ­Abstandsgebot von 1,5 Metern, gerade im Krippenbereich allerdings kaum manuell ­umsetzen.

In der Neuen Vahr hat Silvia Zastrow, Einrichtungsleiterin der Kita Heilig-Geist-Kirche, dagegen einen sehr hohen Bedarf an Plätzen in der Notbetreuung beobachtet. Um genügend Platz für die nun mit fünf Kindern sehr kleinen Gruppen zu schaffen, nutzt die Kita zurzeit nicht benötigte Gemeinderäume. „Das ist ein sehr hoher organisatorischer Aufwand“, sagt Zastrow. Von dieser Woche an öffnet die inzwischen neunte Notbetreuungsgruppe. „Die Eltern kommen jetzt und melden Bedarf“, sagt Zastrow. Gerade zu Beginn der Epidemie sei das anders gewesen. „Da waren die Eltern sehr zögerlich.“ Durch die geänderte Regelungen hätten nun mehr Eltern Anspruch auf eine Notbetreuung. „Wir haben einen ganz hohen Anteil Alleinerziehende, die berufstätig sind und oft Eltern, wo nicht nur beide Eltern arbeiten, sondern wo die Eltern mehrere Jobs haben.“ Auch in der Kita Heilig-Geist-Kirche sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kreativ gewesen. „Die Gruppenteams haben Briefe für die Familien zusammengestellt mit Bastelmaterial.“ Über soziale Medien würden Bastelanleitungen zur Verfügung gestellt und auf der Homepage Kurzgeschichten veröffentlicht. „Und wir telefonieren regelmäßig mit den Eltern“, so Silvia Zastrow.

Trotz Kitabesuch: Für die Kinder in der Notbetreuung ist nicht nur wegen der Gruppengröße alles neu. „Die Gruppen sind jetzt ganz gemischt, denn wir haben eher nach Zeiten sortiert“, erklärt Zastrow. Die Gruppen werden also nach dem zeitlichen Betreuungsbedarf zusammengestellt. „Erst mal nehmen die Kinder das so hin, aber ich glaube, dass das auch schwer für sie ist.“ Viel schwieriger bis unmöglich sei es dagegen, das Maskengebot und die Abstandsregeln einzuhalten. „Mit zwei Metern Abstand könnten wir den Betrieb dicht machen“, sagt Zastrow.

Im Krippenbereich sind Masken ohnehin verboten – um die Kinder nicht zu erschrecken. „Was wir machen können, ist, dass wir viel reinigen, das Händewaschen mit den Kindern üben.“ Auf der anderen Seite seien das ohnehin eingeübte Hygieneregeln. „Eigentlich ist das nichts Neues.“ Anders hingegen der Umgang mit Eltern: „Die Eltern kommen nicht mehr in die Gruppen, damit so wenig Leute wie möglich in den Häusern herumlaufen.“ Kleingruppen mit nur wenigen Kindern: Eröffnet das auch Chancen? „Das gibt Zeit für intensive pädagogische Arbeit“, sagt Zastrow. Eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, denn die Erzieherinnen müssten viel auffangen. „Viele Kinder sind von der Weltgeschichte mitgenommen, das beobachten wir.“ Manche Kinder würden zu viele Nachrichten sehen. „Das verunsichert genauso wie die Maskenpflicht.“

Aufgabe sei es, den Kindern die Angst zu nehmen. Während in der Vahr der Bedarf an einer Notbetreuung da ist, sind in Tenever noch Plätze vorhanden. Zur nahe liegenden Möglichkeit Kinder auf andere Standorte zu verteilen, sagt Manuela Chorengel: „Ich halte nichts davon, die Kinder aufzuteilen, das wird ihnen nicht gerecht. Aber ich plädiere dafür, die Spielplätze zu öffnen, das würde für einige Familien eine große Entlastung bedeuten.“

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