Graffitikunst in Bremen Kunst aus der Sprühdose

Jesse Himme hat eines der ersten Wettbüros in Bremen gegründet und professionell Poker gespielt. Beides hat er mittlerweile aufgegeben: Stattdessen verdient er sein Geld heute mit Graffitikunst.
15.07.2018, 05:57
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Kunst aus der Sprühdose
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Jesse Himme hat schon vieles gemacht. Nach dem Fachabitur leitete er eine Recycling-Station, gründete eines der ersten Wettbüros für Sportwetten in Bremen und spielte professionell Poker. Doch die nervliche Belastung in der Welt des Glücksspiels war groß. Zu groß. "Deshalb habe ich beschlossen etwas zu machen, was mir Spaß macht und mich nicht so sehr belastet", sagt Himme.

Die Kunst begeistert ihn seit jeher. Schon als Kind habe er viel gemalt und gezeichnet. Deshalb entschied er sich dazu, seiner Leidenschaft zu folgen und Künstler zu werden. Im Alter von 24 Jahren begann er schließlich sein Studium an der Kunsthochschule in Ottersberg.

Zum Graffiti kam Himme durch seinen Bruder. Mit ihm hat er im Alter von elf Jahren die ersten Sprühversuche gemacht. "Das Medium Sprühdose sagte mir viel mehr zu als Pinsel oder Stift", sagt der Künstler. Doch nach der Schule spielte das Graffiti zunächst eine untergeordnete Rolle in seinem Leben. Stattdessen konzentrierte er sich vorwiegend auf seinen jeweiligen Job. Auch während seines Studiums beschäftigte ihn die Graffitikunst kaum. Trotzdem stand am Ende sein Entschluss: "Auf Graffiti habe ich Bock und damit will ich mich selbstständig machen. So bin ich zu dem Job gekommen", sagt der 34-Jährige.

Aufträge gewinnt er heute über sein eigenes Unternehmen. Die Kundengruppen, die sich für seine Kunst interessieren, seien sehr gemischt. "Ich arbeite sowohl für Privatleute als auch für Unternehmen", sagt der Künstler. Deshalb sind seine Werke sowohl auf Gebäuden im öffentlichen Raum wie auch versteckt auf einem Firmengelände oder in einem Einfamilienhaus zu finden. Im Laufe der Zeit seien viele seiner Auftraggeber zu Stammkunden geworden.

Zudem bietet Himme Workshops an, die größtenteils von Kindern und Jugendlichen besucht werden. "Graffiti ist ein subkulturelles Thema, womit man sowohl Jungs als auch Mädchen aus allen sozialen Schichten erreichen kann", sagt der Künstler mit der Sprühdose. Deshalb kommen Schulen und Jugendfreizeitheime regelmäßig auf ihn zu. "Ich habe allerdings auch schon einen Workshop angeboten, bei dem die älteste Teilnehmerin 83 Jahre alt war", sagt Himme.

Ab kommendem Dienstag gestaltet er gemeinsam mit Kindern eine Graffitiwand am Spielplatz Luganer Straße in Osterholz. Daran reizt ihn besonders die Mischung aus einer gestalterischen Tätigkeit und einem Workshop. Daneben ist es ihm nach eigenen Angaben wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit dem Graffiti identifizieren und ihren eigenen Teil dazu beitragen können. "Ich arbeite sehr gerne mit Kindern und Jugendlichen, weil sie unglaublich dankbar sind", sagt Himme.

Noch mehr Spaß als die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht ihm die Gestaltung seiner Kunstwerke, wenn er alleine eine Wand besprühen kann. Manche Auftraggeber gewähren ihm dabei einen gewissen Freiraum. Diese Arbeiten mag er ganz besonders.

Von der Kunst können er und seine Familie mittlerweile gut leben. "Das ist ein Geschenk. Ich kann etwas machen, was mir Spaß macht," sagt Himme. Deshalb möchte er seinen Job als Graffitikünstler niemals gegen eine andere Tätigkeit eintauschen.

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