„Singende Balkone“ in Tenever

Melodien von Balkonen

Zum fünften Mal erklangen am Dienstagabend am OTe-Bad an der Koblenzer Straße Musik und Lieder von den Balkonen. Rund 400 Gäste hörten das traditionelle Nachbarschaftskonzert.
17.09.2019, 22:49
Lesedauer: 3 Min
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Melodien von Balkonen
Von Nina Willborn
Melodien von Balkonen

Ein Herz für Musik und Tenever: Sebastian Schell spielt „Whisper in time“ und begleitet sich auf der Gitarre.

Frank Thomas Koch

Er selbst hätte dank einer Erkältung höchstens Joe Cocker imitieren können, bekannte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und krächzte zum Beweis – aber das gar nicht mal so schlecht – die ersten Takte von „Unchain my heart“ ins Mikrofon. Aber an Sängerinnen und Sängern gibt es bei den „Singenden Balkonen“ traditionell keinen Mangel, deshalb konnte es der Bürgermeister bei seinem inoffiziellen Antrittsbesuch in Tenever beim Reden belassen.

„Das, was ihr hier habt, diese Veranstaltung ist einmalig in Deutschland“, sagte Bovenschulte den rund 400 Besuchern, die am Dienstagabend auf den Boulevard am OTe-Bad an der Koblenzer Straße gekommen waren, darunter neben Teneveranerinnen und Teneveranern und ihren Gästen auch Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) und die Bürgerschaftsabgeordneten Elombo Bolayela (SPD) und Claas Rohmeyer (CDU).

Positive Reaktion von Bovenschulte

„Kultur in Bremen findet eben nicht nur in der Innenstadt statt“, sagte Bovenschulte, „sondern auch in den Quartieren und Stadtteilen. Und das macht mich stolz.“ Ähnlich äußerte sich auch Gewoba-Prokurist Thomas Scherbaum. „Für uns ist es immer wieder eine Freude, diesen Platz zu bespielen“, sagte er. „Es ist eine Kulisse, die die ,Singenden Balkone‘ auch verdienen.“ Zum fünften Mal haben sie in Tenever das Musikevent nun auf die gestemmt – und wieder einmal hatte wie von den Organisatoren Christel Fangmann und Ralf Schumann, bislang Gebietsleiter für Osterholz und Tenever der Gewoba, bestellt, das Wetter gehalten.

Singende Balkone on Osterholz Tenever - Sängerin Iryna aus der Ukraine

Iryna Samartseva aus der Ukraine singt ihren Song „Galina“ vom Balkon aus und mit viel Gefühl.

Foto: Frank Thomas Koch

Es wehte zwar ganz schön doll über den Boulevard zwischen den Hochhäusern, aber da rückten die Konzertbesucher auf den Bierbänken eben einfach etwas enger zusammen oder kuschelten sich in die mitgebrachten Decken. Gelegenheiten, sich zumindest die Hände zu wärmen, gab’s sowieso genug. Beim Mitklatsch-Refrain des ersten Songs von Komponist und Sänger Mark Scheibe, dem musikalischen Direktor der „Singenden Balkone“, etwa: „C’est la vie, so ist das Leben“, aber auch beim russisch-deutschen Evergreen „Kalinka“, dargeboten vom russischen Frauenchor Viva aus Blockdiek.

Die Damen um Chorleiterin Olga Koposova am Knopfakkordeon, alle mit türkisem Halstuch sind erprobt, was die „Singenden Balkone“ angeht. In diesem Jahr standen sie aber erstmals unten auf der Bühne neben Scheibe an seinem Klavier, in den Jahren zuvor auf einem der bunt angeleuchteten Balkone, die die Bewohner den Sängerinnen und Sängern traditionell für das große Nachbarschaftskonzert zur Verfügung stellen. „Wir sind extra zwei Stunden vorher gekommen, damit wir unsere Nerven beruhigen konnten. Das hat gut geklappt“, sagte Katharina Wottschek.

Singende Balkone on Osterholz Tenever -

Beim deutsch-syrischen Spielmannszug werden die Handys dutzendfach gezückt.

Foto: Frank Thomas Koch

Spielmannszug ist Highlight des Abends

Das erste Mal war’s dagegen für die Jungs und Mädchen des deutsch-syrischen Spielmannszugs – und ihr Auftritt das erste Highlight des Abends. Mit Trommeln und Trompeten in typischer Formation zog die erst 2018 gegründete Gruppe auf den Boulevard. Spätestens bei den bekannten Klängen von „Bruder Jakob“ wippten die Konzertgäste mit. Gegründet hat den Spielmannszug Nina Abdo-Wazir. Die Syrerin war selbst 20 Jahre lang Pfadfinderin. „Bei uns hat jede Gruppe einen eigenen Spielmannszug“, erzählte sie. „Ich wollte meinem Sohn diese Erfahrung auch ermöglichen.“ Jetzt spielt Imil Trommel, den nächsten Auftritt des Spielmannszugs gibt’s am 16. Dezember, wenn das Friedenslicht aus Bethlehem am Bremer Dom ankommt.

Die „Singenden Balkone“ soll es nach Aussage von Gewoba-Sprecherin Christine Dose auch in Zukunft geben. „Es ist eine wichtige Veranstaltung in Zeiten, in denen das Thema Diversity von einigen auch kritisch gesehen wird“, sagte sie. Tenever zeige, dass es auch anders geht. „Hier hören sich Menschen unterschiedlichster Herkunft zu.“

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