Innovative Entwürfe

Neue Ideen für Kita im Schweizer Viertel

Architekturstudenten entwickelten Modelle für einen Neubau in der Graubündener Straße. Die Räume des Kita- und Familienzentrums sind nämlich etwas in die Jahre gekommen.
20.01.2019, 22:02
Lesedauer: 3 Min
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Neue Ideen für Kita im Schweizer Viertel
Von Christian Hasemann
Neue Ideen für Kita im Schweizer Viertel

Lea Lobocki (von links), Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), Patrick Kappacher und Patrizia Lang mit den Entwürfen für eine neue Kita an der Graubündener Straße.

PETRA STUBBE

Bekommt das Schweizer Viertel nicht nur ein Schweizer Foyer, sondern auch eine Schweizer Welle? So jedenfalls heißt einer der Entwürfe für einen Neubau des Kinder- und Familienzentrums in der Graubündener Straße, die Architekturstudenten in der Aula der benachbarten Grundschule vorstellten. Der Neubau könnte Teil eines Bildungscampus „Schweizer Viertel“ sein.

Eingeladen war zu der Präsentation auch Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Sie fand lobende Worte für die Entwürfe, indessen konnte sie keine Versprechen geben, wann und ob mit dem Neubau der Kita begonnen werden kann. Zumindest so viel konnte sie sagen: „Wir haben einen Platzhalter für die Fläche geschaffen.“

Arbeit am neuen Bildungscampus

Das Kinder- und Familienzentrum in der Graubündener Straße soll zukünftig Teil eines Bildungscampus Schweizer Viertel sein. Die Zusammenfassung von Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen zu Bildungscampussen ist erklärtes Ziel der Bildungsbehörde. Daran erinnerte auch Claudia Bogedan in ihrer kurzen Ansprache. „Wir wollen eine durchgängige Bildung gestalten von der Kita bis zur weiterführenden Schule.“ Diese Stabilität sei besonders wichtig für Kinder, die aus instabilen Verhältnissen stammten. „Denn überall wo Unsicherheit herrscht, wirkt sich das auf den Lernerfolg der Kinder aus.“ Das Bildungsleben dürfte nicht von den Institutionen her, sondern müsse aus der Perspektive der Kinder gedacht werden.

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Der Zugang zu diesem Projekt sei die Campus-Idee, so Claudia Bogedan weiter. Sie betonte, dass es mit Schulbildung alleine aber nicht getan sein. „Wir wollen die Stadtteile stark machen und an jeder Bildungseinrichtung neue Möglichkeiten anbieten.“ Dazu zählten zum Beispiel Beratungsangebote für Familien und Gesundheitsfachkräfte. So könnten Anlaufpunkte in den Quartieren entstehen. In diesem Zusammenhang nahm sie auch die anderen Ressorts wie Gesundheit und Soziales in die Pflicht. „Wir brauchen die Unterstützung.“

Mathias Weigt, Leiter des Kinder- und Familienzentrum wies auf die Dringlichkeit eines Neubaus hin. „Was uns fehlt: Wir haben Räume ohne Wärmeisolierung, ohne Lärmschutz.“ Es fehlten außerdem Differenzierungsräume. Sein Fazit: „Wir wünschen uns Räume, damit wir unseren Anspruch als Kinder- und Familienzentrum erfüllen können.“

Würfelhaus und Schweizer Welle

Die Architekturstudenten hatten also eine durchaus herausfordernde Aufgabe: Sie mussten nicht einfach eine Kita planen, sondern ein ganzes Kinder- und Familienzentrum mit Differenzierungsräumen, Beratungsräumen und das Ganze außerdem unter dem Aspekt der Energieeffizienz. Herausgekommen sind teils sehr innovative, teils auch gewagte Entwürfe. Auch wenn sie vielleicht nicht umgesetzt werden, dürften sie mindestens zum Nachdenken und Nachahmen anregen.

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Lea Lobocki aus der Vahr nannte ihren Entwurf „Würfelhaus“: verschiedene kubenförmige und rechteckige Räume verschachteln sich zu einem Gesamtkomplex. Die Idee dahinter: „So kann überall Licht reinfallen“, erklärte die Studentin in ihrer Präsentation. Eine weitere Besonderheit verbirgt sich in den Gruppenräumen. „Die Räume sind so hoch, dass es einen Einzug gibt, wo auf einer Hochebene Kletternetze gespannt sind.“ Natürlich seien diese so gesichert, dass kein Kind herunterfallen könne, ergänzte sie. Ergänzt wird diese zusätzlich Spielfläche mit einer begehbaren Dachterrasse. Für Lea Lobocki war die Aufgabenstellung, eine Kita zu entwerfen, die praxisnächste. „Wir hatten verschiedene Auswahlmöglichkeiten, aber das die ortsbezogenste, das fand ich gut, das war mal etwas ganz Anderes.“

Mit Besuchen im Viertel näherten sich die Studenten der Aufgabe, sprachen mit Kindern der Kita Graubündener Straße, erkundeten das Umfeld. „Danach haben wir uns Beispiele aus der Praxis angesehen und uns mit den Auflagen für einen Kitabau beschäftigt“, sagte Lea Lobocki. Ein Semester hatten die Studenten Zeit, ihre Entwürfe zu perfektionieren.

Praxisnahe Arbeit für Studenten

Ähnlich äußerte sich auch ihr Kommilitone Patrick Kappacher. „Es war spannend, weil die Aufgabenstellung nahe an der Realität war und nicht fiktiv.“ Es habe einen Bestand gegeben, den die Studenten haben analysieren können. Sein Entwurf sieht eine nach Südosten geöffnete große zweistöckige Fensterfront zur Sonnenwärmegewinnung vor. Eine Lochfassade im Norden dagegen soll den Wärmeverlust vermindern. Eine große glatte Fläche an einer Außenwand könnte dagegen für ein Graffiti-Projekte für Jugendliche aus dem Quartier dienen.

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Der vielleicht exotischste Entwurf war aber die „Schweizer Welle“ mit seinen runden, organischen Formen, die sich so in den vorhandenen Baumbestand einfügt. Im Inneren setzen sich die geschwungenen Formen fort: runde bis ovale Gruppen- und Differenzierungsräume. Gleichzeitig zeigte dieser Entwurf auch das Dilemma der teils großzügigen und progressiven Entwürfen: Sie sind unter Umständen zu aufwendig zu bauen und damit schlicht zu teuer. Dennoch: Vielleicht schicken Familien zukünftig ihre Kinder in ein Kinder- und Familienzentrum „Würfelhaus“ oder auch in die „Schweizer Welle“.

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