Zeremonie auf dem Ellener Hof

Neuer Hindu-Tempel entsteht in Bremen

Zeremonie zum Auftakt: Das hinduistische Gebetshaus mitten auf dem Gelände des Ellener Hofs soll in einem Jahr fertig sein.
31.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Leandra Hanke

Die Bauarbeiten für den geplanten neuen Hindu-Tempel auf dem Gelände des Quartiers „Stadtleben Ellener Hof“ sind mit dem ersten Spatenstich und einer feierlichen Zeremonie gestartet. Mit einem Jahr Verspätung konnte jetzt mit dem Bau des neuen hinduistischen Tempels in Osterholz begonnen werden. Dafür griffen jüngst die Mitglieder der Bremer Hindu-Gemeinde, unterstützt von André Vater, Vorstandsvorsitzender der Bremer Heimstiftung, und Sabine Schöbel, Hausleiterin im Stiftungsdorf Ellener Hof und Koordinatorin des „Stadtleben Ellener Hof“, symbolisch zur Schaufel. Als weitere Zeremonie hatte der Hindu-Priester Prasad Agilandam im Vorfeld den Saft eines Kürbisses auf dem Baugrund verteilt, um böse Geister vom zukünftigen Gebäude fernzuhalten.

Zudem war es für die Hindu-Gemeinden deutschlandweit auch das Datum für „Ganesha Chaturthi“ – das Geburtstagsfest zu Ehren des elefantenköpfigen Gottes und Glücksboten Ganesha, dem der Hauptaltar des neuen Tempels geweiht sein wird. Im hinduistischen Glauben ist der Gott des Hauptaltars so platziert, dass er in die Richtung des Sonnenaufgangs schaut. Die Figur blickt ebenfalls auf den Eingang des Tempels, daher sollte der Tempeleingang östlich gebaut werden. Da nicht sicher war, ob dies vom Bauamt genehmigt werde, habe man sich für den Gott Ganesha entschieden, der in alle Himmelsrichtung schauen könne.

Tempel soll aus Holzkonstruktionen bestehen

Drei Jahre wurde das Projekt mit Unterstützung der Bremer Heimstiftung vorbereitet. Der neue Tempel wird inmitten des Ellener Hofs errichtet, das sozial-ökologische Quartier setzt auf Nachhaltigkeit, sozialen Austausch und den Baustoff Holz. Auch der neue Tempel wird zu großen Teilen aus Holzkonstruktionen bestehen.

Der aktuelle Gebetsort der Hindu-Gemeinde sei nur provisorisch, die Etage zu klein und zu eng für ihre Mitglieder. Der neue Tempel bedeute Freiheit, „außerdem ist der Tempel so gebaut, wie wir es aus unseren Ländern, Sri Lanka oder Indien kennen“, erklärt Pathmakaran Pathmanathan, Schatzmeister des Vereins „Bremen Sri Varasiththivinayakar Tempel“. Pathamanathan kam 1989 aus Sri Lanka nach Deutschland und gründete in Bremen den Verein für gläubige Hindus.

Nicht nur für Anhänger des hinduistischen Glaubens, wird das neue Gebetshaus die Tempeltüren geöffnet haben, alle seien herzlich willkommen, so der Schatzmeister. Momentan sind 70 bis 80 Familien als Mitglieder in der Gemeinde eingetragen, das sind rund 300 Frauen und Männer, die überwiegend aus Sri Lanka und Indien stammen. „Aber es kommen nicht nur Mitglieder, sondern alle, die an die Hindu-Religion glauben und beten“, sagt Pathmanathan. Das heißt, auch aus Hamburg, Bremerhaven, Oldenburg und dem Bremer Umland werden Hindus den Tempel besuchen und an Gottesdiensten teilnehmen.

Mit 400 Quadratmetern Fläche wird das Bauwerk laut Bremer Hindu-Gemeinde nach Fertigstellung das größte seiner Art in Norddeutschland sein. Der fünf Meter hohe Tempel wird verziert mit Säulen und weißen, goldfarbenen und roten Elementen. Am Eingang wird ein zehn Meter hoher Turm errichtet. Ein etwa 200 Quadratmeter großes Nebengebäude soll auch Raum für Religions- und Tanzunterricht bieten.

Die Pläne für den Innenausbau mit aufwendigen Intarsienarbeiten stammen von einem Architekten aus Indien, der die Fortschritte auf der Baustelle bei einem Besuch begutachten wird. Dieser wird voraussichtlich im Winter nach Deutschland kommen und mit seinen Arbeiten beginnen.

600.000 Euro teurer Bau

Für den Tempel-Bau wird mit Kosten von bis zu 600.000 Euro gerechnet, die bisher zu einem Großteil über Spenden finanziert wurden. Die Spenden reichten jedoch nicht aus, um auf die Summe zu kommen, deshalb nahm die Gemeinde zusätzlich einen Kredit auf. Dieser könne später über die monatlichen Mitgliedsbeiträge der Gläubigen abbezahlt werden.

Eigentlich wollte die Gemeinde bereits im vergangenen Sommer mit dem Bau beginnen, der Start verzögerte sich aufgrund einer fehlenden Genehmigung hinsichtlich des Brandschutzes, die vom Bauamt erst Anfang des Jahres erteilt wurde. Auf Grund der Pandemie verschob sich der Baustart um weitere Monate. In einem Jahr sollen die Bauarbeiten fertiggestellt sein.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+