Klinikum Bremen-Ost

Pflegezentrum nimmt Gestalt an

Im Frühjahr 2022 soll das Medicum KBO am Klinikum Bremen-Ost fertig werden. Doch immer noch fehlen Fachärzte. Nur wenige wollen das nötige Investment tätigen, um ihre Praxen zu verlegen.
25.03.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Gerald Weßel
Pflegezentrum nimmt Gestalt an

Im November begann der Bau des Medicum am Klinikum Ost. In Osterholz hätte man sich dort auch Facharztpraxen gewünscht.

PETRA STUBBE

So einfach sollte Björn Claus nicht aus der Sache rauskommen. Denn als er, der Vertreter des Investors, seinen Kurzvortrag zum derzeit entstehenden neuen Pflegezentrum, dem Medicum KBO am Klinikum Bremen Ost, beendet hatte, brauchte Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter nur einen Augenblick der Stille, ehe er das Wort ergriff. Und eine dem Stadtteil sehr vertraute Diskussion wieder aufnahm und auf den virtuellen Tisch der Beiratssitzung Osterholz legte: Wo sind eigentlich die Ärzte? War da nicht mal was mit einem Ärztezentrum am Klinikum im Bremer Osten, wie es auch in anderen Stadtteilen inzwischen seit Jahren Realität ist?

Und ja, das stimmt: „Wir haben nur halb so viele Fachärzte wie der Stadtteil Schwachhausen“, begründet Schlüter auf Nachfrage des Stadtteil-Kurier seinen Einsatz. „Manche fehlen sogar ganz.“ Vor einigen Jahren stand dies bereits einmal zur Diskussion, aber nach Auskunft von Björn Claus, geschäftsführender Gesellschafter der Janßen Grundstücksgesellschaft, hätte sich schlicht keiner gefunden - beinahe zumindest: „Wir haben mit einigen Ärzten gesprochen, aber niemand wollte das nötige Investment tätigen, um seine Praxis in die neu entstehenden Räumlichkeiten zu verlegen.“

Lesen Sie auch

Eventuell kommt ein Neurologe

Nur ein Neurologe überlege derzeit noch, eventuell eine kleine Praxis von knapp 75 Quadratmetern im Erdgeschoss zu eröffnen. „Und ein Investor lässt nun mal eben keine große Zahl von Räumen frei, um diese eventuell später zu vermieten“, erklärt Claus. In enger Zusammenarbeit mit der Gesundheit Nord (Geno) habe man die neuen Anbieter am Standort ausgewählt.

Es handelt sich um mehrere Großkunden, die das neue mehrgeschossige Gebäude und seine rund 5000 Quadratmeter Mietfläche beleben werden - alle aus dem Bereich der Pflege. „Wir wollen hier ein für Bremen einzigartiges Konzept etablieren“, stellt Claus dem Beirat, einigen interessierten Bürgern und den Ortsamtsvertretern Konzept und Baufortschritt des neuen Zentrums vor. Begonnen wurde mit dem Bau im November, er verläuft nach Angaben des Bauherren reibungslos. „Wir sind nach einer problemlosen und raschen Genehmigung im Zeitplan“, lobt Claus den Prozess rund um die Freigabe des Bauplans. „Und bisher hat auch die Pandemie keine Auswirkungen gehabt.“ Im Frühjahr 2022 soll die Eröffnung folgen und ab dann nicht nur für das benachbarte Krankenhaus viele Vorteile mit sich bringen, sondern auch die ambulante Pflege in der Hansestadt entlasten.

Lesen Sie auch

Kurzzeitpflege für Erwachsene

Zum einen wird eine Kurzzeitpflege für Erwachsene eingerichtet, die sich mit ihrem 38 Plätzen speziell an Patienten richtet, die aufgrund des Abrechnungsschlüssels manchmal schlicht vorzeitig aus dem Krankenhaus entlassen werden, ohne dass sie alleine zu Hause klarkommen würden. „Die Menschen werden immer früher abverlegt“, sagt Claus und verweist in diesem Zuge auf die Möglichkeiten, die diesen Pflegebedürftigen auf Zeit geboten werden können. Für eine begrenzte Zeit könne die Behandlung stationär fortgesetzt und damit die Genesung soweit abgeschlossen werden, sodass die Personen wieder heimkehren könnten. Den Bedarf dafür bestätigt auch das Ortsamt. Dort seien laut Ortsamtsleiter Schlüter in der Vergangenheit bereits mehrfach Meldungen von Bürgern eingegangen, die den Eindruck hatten, zu früh und hinein in eine für sie schwer beherrschbare Situation entlassen worden zu sein.

15 Plätze für Intensivpflege

Zusätzlich werden auch 15 Plätze im Bereich der Intensivpflege angeboten werden. Eine Gruppe sind zum Beispiel die Wachkomapatienten, und auch hier sieht Schlüter den Bedarf. „Hier wird definitiv eine Lücke in Bremen geschlossen“, weiß er auf der Grundlage von vielen Gesprächen. Ein weiteres Feld, auf dem in Bremen laut Claus starker Bedarf herrsche, sei die Intensivpflege für Kinder. Es gebe nicht eine einzige intensiv-medizinische Pflegeeinrichtung für Kinder, sagt der Investor. In vielen Fällen werden die Kinder sogar zu Hause betreut - inklusive invasiver Beatmung. Der Personaleinsatz dafür sei enorm. Das neue Pflegezentrum soll da Entlastung bieten, indem zum Beispiel von Geburt an neurologisch beeinträchtigte Heranwachsende intensiv-medizinisch untergebracht werden können. Hinzu kommen Betten für Kinder, die aufgrund von Unfällen oder aus anderen Gründen stationärer Hilfe nach der eigentlichen Behandlung bedürfen. Insgesamt werden 16 Plätze nach Eröffnung zur Verfügung stehen.

Begegnungsstätte samt Außenterrasse

Im Erdgeschoss des Neubaus wird neben dem Empfang eine Begegnungsstätte mitsamt Außenterrasse und auf der einzigen, derzeit noch freien Fläche eventuell die Praxis des Neurologen zu finden sein. Der Außenbereich des Gebäudes soll zu größten Teilen offen zugänglich bleiben, nur einige Bereiche werden in Form von Gärten abgeschottet werden, sodass sich dort Patienten und Personal ungestört und beobachtet bewegen können. Man wolle aber, soweit es geht, auf Zäune verzichten und stattdessen die Grundstücksgrenze optisch aufwertend bepflanzen.

Einen öffentlichen Parkplatzbereich wird es allerdings nicht geben. Alle Stellflächen werden aller Wahrscheinlichkeit nach von den Mietern für ihre Angestellten vorgehalten werden, meint Claus. Besucher werden stattdessen auf die benachbarten Parkflächen der Geno verwiesen. Ulrich Schlüter ist letztlich „alles in allem zufrieden. Das Medicum wird den Menschen im Stadtteil und auch darüber hinaus zu Gute kommen“.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+