Ausschreibungen in Vorbereitung

Recyclingstation in Osterholz kommt

Bürgerinitiative und Lokalpolitik begrüßen die Entscheidung zum Neubau einer Recyclingstation in Bremen Osterholz. Auch eine Zwischenlösung für die Entsorgung von Grünabfällen ist gefunden.
12.10.2020, 05:00
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Recyclingstation in Osterholz kommt
Von Christian Hasemann
Recyclingstation in Osterholz kommt

In Osterholz kann man bald wieder seinen Elektroschrott oder Grünschnitt bei einer Recyclingstation abgeben – aber wohl nicht vor 2022. (Symbolbild)

Heiko Wolfraum /dpa

Seit Mitte der vergangenen Woche ist klar, dass es einen Ersatzneubau für die geschlossene Recyclingstation im Weserpark geben wird. Bürgerinitiative, Beirat und das Ortsamt zeigen sich erleichtert über die Entscheidung. Ab dem kommenden Frühjahr soll es außerdem bis zum anvisierten Starttermin 2022 eine Übergangslösung für die Entsorgung von Grünabfall geben.

Entstehen soll die Recyclingstation auf dem vom Beirat Osterholz vorgeschlagenen Grundstück an der Straße An Krietes Park in der Nähe des Weserparks. Die Fläche stand bisher in Verwaltung der Wirtschaftsförderung Bremen, die diese Fläche ursprünglich vermarkten wollte. Dieser Gordische Knoten wurde in der vergangenen Woche von den beteiligten Ressorts durchschlagen: Als Ersatz werden nun Gewerbeflächen in Nusshorn angeboten.

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Bei der Stadtreinigung starten nun die Planungen für eine Vollsortiment-Station auf dem Gelände. Es soll eine Annahmestelle entstehen, die neben Gartenabfällen, Papier, Glas, Metall, Textilien, kleinen Elektrogeräten, Batterien, CDs, Druckerpatronen, Restmüll und Bioabfall auch Sperrmüll, Bauabfälle und Schadstoffe annimmt.

Ein detailliertes Konzept gibt es für den Neubau noch nicht. Die Bremer Stadtreinigung (DBS) nennt aber einige etablierte Standards, die sie so weit möglich auf dem etwa 3500 Quadratmeter großen Areal in Osterholz umsetzen möchte. Dazu zählten nach Angaben der Stadtreinigung unter anderem breite Fahrwege und Container, die von oben befüllt werden können, sodass Kunden ihren Abfall nur hineinfallen lassen müssen. Auch Überdachungen für Kunden und Mitarbeiter zählen dazu. Weitere Normen betreffen die Trennung von Besucherströmen und die Containerlogistik. Letzteres dient der Sicherheit von allen, die auf dem Gelände unterwegs sind: So müssen Lastwagen nicht zwischen Kunden rangieren. Eine genaue Investitionssumme konnte das Unternehmen nicht nennen. Der Betrag dürfte aber in die Millionen gehen.

Lösung hätte vorher gefunden werden können

In den kommenden Wochen sollen verschiedene Ausschreibungsverfahren gestartet werden, dann schließen sich Genehmigungsverfahren an. Für Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter überwiegt die Erleichterung über die nun erreichte Lösung. Er sagt aber auch: „Das Ergebnis hätte man auch vorher finden können. Das hat uns sehr viel Arbeit gemacht.“ Er hätte sich gewünscht, dass die Bremer Landespolitik und DBS vor dem unvermittelten Schließen der Station im Weserpark einen neuen Standort gesucht hätte.

Vor knapp einem Jahr war die Recyclingstation am Weserpark geschlossen worden. Als Grund nannte die DBS damals unter anderem Anforderungen an den Arbeitsschutz, die nicht ohne erheblichen finanziellen Aufwand umzusetzen seien. Der Aufschrei in der Bevölkerung und der Ortspolitik war groß. Eine Wiedereröffnung auf dem Gelände war allerdings ausgeschlossen. Denn in der Zwischenzeit hatte der Weserpark Eigenbedarf für die Fläche angemeldet. Es bildete sich schließlich eine Bürgerinitiative, die sich seitdem für eine Übergangslösung und dem Bau einer Ersatzstation einsetzt. Ein erster Erfolg war die temporäre Möglichkeit, Grünabfälle am Betriebsgelände des Umweltbetriebs Bremen abzugeben. Eine Lösung, die nur noch bis November möglich ist.

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Seitens der Bürgerinitiative, aber auch des Personalrats der Bremer Stadtreinigung, wurde wiederholt der Verdacht geäußert, dass die Station am Weserpark eine Art Testballon gewesen sei, um herauszufinden, wie die Bevölkerung in einem solchen Fall reagieren würde. Tenor der nicht belegbaren Vermutungen: Die Bremer Stadtreinigung möchte die Anzahl der Recyclingstationen in Bremen verringern – eine Behauptung, die die DBS abstritt. In der vergangenen Woche bekannte sich Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) zum wiederholten Male zu dem derzeitigen Recyclingsystem in Bremen mit im Vergleich zu anderen Großstädten vielen Stationen.

Inbetriebnahme nicht vor 2022

„Unter dem Strich sind es gute Nachrichten“, sagt Wolfgang Schäfer von der Bürgerinitiative über die politische Entscheidung, die nun von der DBS umgesetzt werden soll. „Es wird wohl leider etwas länger mit der neuen Station dauern, als man sich wünschen würde“, so Schäfer weiter. Nach derzeitigem Stand ist eine Inbetriebnahme nicht vor 2022 zu rechnen. Für die Zwischenzeit drängte die Bürgerinitiative auf eine Übergangslösung für den Grünschnitt.

Tatsächlich ist eine Alternative offenbar in greifbarer Nähe. So heißt es seitens der DBS auf Nachfrage, dass das Unternehmen am selben Standort oder in unmittelbarer Nähe für das Frühjahr wieder eine Grünfallannahme anbieten werde. „Mit dieser Übergangslösung können wir gut leben“, sagt Schäfer. Für überflüssig hält er die Bürgerinitiative auch nach der positiven Entscheidung nicht. „Wir werden den Neubau kritisch begleiten und den Finger in die Wunde legen“, kündigt Wolfgang Schäfer an.

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