Stadtteil-Check Osterholz Ein Stadtteil voller Hilfsbereitschaft

Mihdiye Akbulut ist als junge Frau nach Osterholz gekommen. Der Stadtteil hat ihr Hilfe gegeben, als sie welche brauchte, nun gibt sie diese zurück.
12.09.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein Stadtteil voller Hilfsbereitschaft
Von Christian Hasemann

Als Mihdiye Akbulut Anfang der 90er-Jahre in den Bremer Stadtteil Osterholz gezogen ist, war der Ortsteil, der fortan ihre Heimat werden sollte, noch keine gute Adresse: die Hochhäuser in Tenever, zu der Zeit in die Jahre gekommen, soziale Probleme häuften sich im Schatten der Wohntürme. Doch nun möchte sie Osterholz nicht mehr verlassen.

"Ich bin 1992 nach Tenever gezogen, da hatte der Umbau noch nicht angefangen", erzählt Akbulut auf dem Gelände des Gartenprojekts Querbeet. Im Hintergrund sind die Hochhäuser zu erkennen, größtenteils renoviert, die marodesten Blöcke abgerissen. Dass sie nach 30 Jahren immer noch in Osterholz-Tenever wohnt, erklärt sie so: "Ich wurde hier sofort aufgenommen, wurde sofort weitergeleitet, wenn ich mal Hilfe brauchte." Ein wichtiger Treff- und Informationspunkt: die Kita Kinderhafen. "Ich habe immer Hilfe bekommen, wenn ich Hilfe brauchte."

Kulturelle Vielfalt

Für Akbulut ist es genau dies, was Osterholz ausmacht. "Und das ist auch der hauptsächliche Grund, warum ich geblieben bin." Osterholz böte außerdem eine große interkulturelle Vielfalt. Warum das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen in Osterholz weitgehend funktioniere? "Ich glaube, das liegt daran, dass man die Menschen zusammenbringt, Informationen weiterträgt und sich die Menschen auf Augenhöhe begegnen." Vieles laufe auch über die Bildungsinstitutionen und Initiativen im Stadtteil. "Da wird einfach viel in die Familien reingetragen", ist Akbulut überzeugt.

Akbulut kam 1985 aus den Kurdengebieten in der Türkei nach Deutschland. Damals spitzte sich der Konflikt zwischen der Türkei und der kurdischen Untergrundorganisation PKK zu. Ihr Vater war schon 1979 als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Von Münster führte ihr Weg über Lüneburg nach Bremen.

Drei Kinder Akbuluts sind in Tenever groß geworden. Die älteste Tochter studiert bereits, die jüngere beginnt in diesem Herbst ihr Studium und die jüngste besucht derzeit noch die Gesamtschule Bremen-Ost (GSO).

Auch für die Mutter bedeutete Tenever ein Bildungsaufstieg. Ohne echte Ausbildung ging Akbulut Schritt für Schritt ihren Weg. "Irgendwann waren die Kinder größer und damit ist auch der Wunsch nach Arbeit größer geworden."

Über den damaligen Quartiersmanager Joachim Barloschky, "Barlo", habe sie Kontakt zum Mütterzentrum Tenever bekommen. Inzwischen ist sie als pädagogische Mitarbeiterin eingestellt und macht Angebote für Familien und Frauen. Derzeit läuft ein Projekt, das Frauen für Arbeit qualifizieren soll. "Mit Praktika, Sprachkursen und Qualifizierungsmaßnahmen", erklärt Akbulut, die außerdem das Sprach- und Kulturcafé im OTe-Zentrum leitet und als Dozentin an der Bremer Uni lehrt.

Wenn man so möchte, gibt sie nun zurück, was ihr in den Anfangsjahren in Osterholz selbst widerfahren ist: Hilfe und Hilfestellung. Und noch mehr: 2021 wurde sie mit zehn weiteren Frauen als Bremer Frau des Jahres für ihr Engagement während der Corona-Epidemie ausgezeichnet.

Einige Probleme im Stadtteil

Bei aller Lobhudelei auf Osterholz. Es blieben auch Probleme im Stadtteil, so Akbulut. "Ein großes Problem ist die Buslinie 37 Richtung Sebaldsbrück." Diese habe einen zu geringen Takt. "Die Menschen haben so Schwierigkeiten, ihre Termine beim Behördenzentrum einzuhalten."

Generell würden von den Bewohnern mehr Aktivitäten in den Wintermonaten gewünscht. "Da müsste etwas mehr passieren", sagt sie. Ein anderes, zumindest für Tenever wichtiges Thema, sei inzwischen vom Tisch: "Wir hatten uns sehr lange mit dem Thema Nahversorgung befasst, aber so wie es aussieht, geht es im September los." An der Neuwieder Straße soll ein Supermarkt gebaut werden, nachdem Teile Tenevers jahrelang ohne einen fußläufigen Supermarkt auskommen mussten.

"Und wo wirklich was geschehen muss, ist in der Neuwieder Straße 1 und 3", sagt Akbulut. Die teilweise maroden Hochhaus-Blöcke gelten seit Jahren als Problemfälle im ansonsten sanierten Tenever. "Man darf die Menschen nicht alleine lassen", fordert Mihdiye Akbulut.

Ihr Fazit zu Osterholz auf einen kurzen Nenner gebracht: "Bunt, familienfreundlich, vielfältig".

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