Schneller bauen mit Privaten

Investor als Bauherr im Gespräch

Südlich der Osterholzer Heerstraße soll mindestens eine neue Schule entstehen. Geplant ist, dass diese Schule von einem privatwirtschaftlich geführten Unternehmen gebaut wird – noch eine Seltenheit in Bremen.
25.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Investor als Bauherr im Gespräch
Von Christian Hasemann
Investor als Bauherr im Gespräch

Die Kita in der Graubündener Straße ist in die Jahre gekommen. Sie soll einem Neubau weichen.

PETRA STUBBE

Osterholz. Am Ehlersdamm in Osterholz soll ein neuer Bildungsstandort entstehen, der den steigenden Bedarf an Schulplätzen decken soll. Während noch offen ist, ob dort eine oder sogar zwei Schulen entstehen, deutet alles darauf hin, dass nicht Immobilien Bremen (IB) als Anstalt des öffentlichen Rechts, sondern ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen das Gebäude bauen wird.

Als Beispiel für die für Bremen ungewöhnliche Partnerschaft zwischen einem privaten Bauherren und der Stadt kann Kirchhuchting den Stadtteilpolitikern aus Osterholz dienen. Dort baut das Unternehmen Brebau als erste Wohnungsbaugesellschaft überhaupt in Bremen eine dreizügige Grundschule für den Ganztagsbetrieb. Bei der Brebau hat die Stadt allerdings immer noch ein Wörtchen mitzureden, denn deren Gesellschafteranteile sind, ähnlich wie die Aktienanteile der Gewoba, mehrheitlich in städtischer Hand.

Ob es in Osterholz zu dem gleichen Modell kommt, ist noch offen. Denn bisher ist das fragliche Grundstück auf der östlichen Seite des Ehlersdammes nicht in der Hand einer der beiden Wohnungsbaugesellschaften. Möglich ist also auch noch, dass der aktuelle Eigentümer ein oder mehrere Schulgebäude selbst in die Höhe zieht und dann an die Stadt vermietet. Ein Name fiel auf der Sitzung des Stadtteilbeirats zwar nicht, aber es ist kein Geheimnis im Stadtteil, dass das Unternehmen Müller und Bremermann viele Grundstück entlang des Ehlersdammes gekauft und zum größten Teil auch schon bebaut hat.

Vonseiten der Bremer Schulstandortplanung sind die Verantwortlichen für diesen Standort von dem Modell offensichtlich überzeugt. Jedenfalls ließen sich so die Worte von Daniel de Olano, Schulstandortplaner im Ressort von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), deuten. „Wir halten das Grundstück für sehr geeignet“, sagte Olano. Der Standort Osterholz Süd sei außerdem ganz oben auf der Liste der geplanten neuen Schulstandorte.

„Mit der Vergabe an einen Privatinvestor in Kirchhuchting haben wir nun die ersten Erfahrungen gemacht“, so Olano weiter. Diese seien durchweg gut gewesen, und das Verfahren könne jetzt in andere Stadtteile implementiert werden. „Kirchhuchting kann eine gute Blaupause sein“, hofft Olano. Sollte tatsächlich ein Investor die Schule bauen, dann könnte Zeit aufgeholt werden. „Bei Immobilien Bremen dauert es ungefähr fünf bis sechs Jahre, in Kirchhuchting rechnen wir mit drei Jahren, bis die Schule steht“, schätzte Olano die Bau- und Planungszeit ein.

Fest geplant ist eine Grundschule südlich der Osterholzer Heerstraße. Neu ist, dass unter Umständen eine weiterführende Schule am selben Standort entstehen könnte. Ob denn die Fläche dafür reiche, wollte Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter wissen. „Das ist nur eine von vielen Fragen. Hat der Investor überhaupt Interesse, noch eine weiterführende Schule zu bauen? Da kann ich ihnen keine Antwort drauf geben“, machte Olano deutlich, dass das Modell auch seine Tücken hat. Das Mitspracherecht ist naturgemäß geringer, als wenn die Stadt als Bauherr auftreten würde.

„Wäre es nicht hilfreich, wenn die Bildungsbehörde schon mal einen Bebauungsplan beantragt hätte für das Grundstück?“, erkundigte sich Horst Massmann (SPD), einst selbst Schulstandortplaner in Bremen. „Durch einen Bebauungsplan hat in Kirchhuchting das Projekt drei Jahre länger gedauert, und das erste Vorhaben ist daran gescheitert“, antwortete Olano. „Das ist auch eine Lektion gewesen, dass man erst in die Gespräche geht und dann den Bebauungsplan erarbeitet“, so Olano weiter. An anderer Stelle im Stadtteil ist die Behörde einen Schritt weiter. Es seien zwar noch keine riesengroßen Neuigkeiten, aber die Planungsmittel für den Neubau der Kita in der Graubündender Straße seien freigegeben, konnte Janina Griem, bei der Bildungsbehörde verantwortlich für den Kita-Ausbau in Osterholz, den Kommunalpolitikern berichten. „Es wird jetzt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, was wirtschaftlich ist.“ Es sei Bewegung in das Projekt gekommen und es sei auf den Weg gebracht. Hintergrund: Die Kita ist in die Jahre gekommen und ein Neubau soll entstehen.

Quartiersmanager Aykut Tasan sieht f an der Stelle eine große Möglichkeit. „Mit dem Mehrgenerationenhaus und anderen Trägern direkt in Nachbarschaft haben wir die Chance, etwas wirklich Neues zu entwickeln.“ Seine Idee: Ein ganzer Campus, der nicht nur Bildung der Kinder, sondern die gesamte Familie einbezieht und dessen Angebot sich mit dem Mehrgenerationenhaus vom Krippenalter zum Rentenalter erstreckt. „Das Grundstück ist riesengroß und bietet die Möglichkeit für eine große Lösung“, warb er bei der Vertreterin der Bildungsbehörde für ein Konzept für den Standort.

Info

Zur Sache

Bundesweites Phänomen

Dass private Unternehmen zunehmend Kindertagesstätten und Schulen bauen und dann vermieten, ist ein Phänomen, das sich deutschlandweit beobachten lässt. Der Grund dafür liegt einerseits im hohen Bedarf durch den Ausbau des Ganztagsbetriebs und dem Rechtsanspruch auf Krippen- und Kitaplätzen, andererseits sind die Kommunen häufig personell nicht mehr ausreichend ausgestattet, um alle Kita- und Schulneubauten in Eigenregie zu organisieren. Für die Unternehmen ist das Bauen und anschließende Vermieten ein sicheres Geschäft: Die sehr langfristigen Mietverträge sind eine krisen- und ausfallsichere Einnahmequelle. Ein häufig genannter Vorteil für die Kommunen: die kürzere Bauzeit und Entlastung der kommunalen Verwaltung und der Budgets.

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