Studenten ziehen ein

Da kommt Leben in die Bude

Studentenwohnheim auf dem Ellener Hof ist die neue Heimat von Neu-Bremern.
02.07.2020, 07:00
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Da kommt Leben in die Bude
Von Christian Hasemann

Seit Anfang der Woche ziehen die ersten Studenten in das neue Wohnheim „Holzbude“ auf dem Gelände des Ellener Hofes. Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe hat die Bremer Heimstiftung die ersten Bewohner willkommen geheißen.

Für Miriam Löbbering aus Sittensen ist das Appartement im fünften Stock des Wohnheims die erste eigene Wohnung in Bremen. Bisher pendelte die Achtzehnjährige zwischen der niedersächsischen Kleinstadt und Bremen. Nun verkürzt sich der Weg für die junge Frau, die im zweiten Semester Mechatronik an der Hochschule Bremen studiert, erheblich. „Die Wohnungen sind sehr schön und auch die Anbindung an den Nahverkehr ist sehr gut“, sagt sie. Der Ausblick tut dann wohl das Übrige. Vom fünften Stockwerk hat man einen tollen Überblick über die Bäume der Umgebung. Und ein grünes Meer breitet sich im Südwesten aus: der Osterholzer Friedhof. Vom Stadtteil Osterholz hat Miriam Löbbering allerdings noch nicht viel gehört. „Aber meine Eltern haben gesagt, dass es ein schöner, ein grüner Stadtteil sei“, sagt sie.

Die Bremer Heimstiftung ist die Bauherrin und auch die Vermieterin des sechsstöckigen Wohnheims mit den 66 Appartements. Vergeben werden die Wohnungen vom Bremer Studierendenwerk. Die Nachfrage war in den vergangenen Jahren stets größer als das Angebot an günstigem Wohnraum für Studenten in Bremen. Auch deswegen hat die Stadt über die Senatorin für Wissenschaft und Häfen das Wohnheim mit einem Betrag von 2,8 Millionen Euro gefördert.

Die Bremer Heimstiftung wirbt unter anderem mit dem Bild des sozial-ökologischen Dorfes mitten in der Großstadt. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Alters sollen hier auf einander treffen. Der dörfliche Charakter, der sich an der Ludwig-Roselius-Allee allerdings noch manifestieren muss, könnte Miriam Löbbering entgegen kommen. „Ich komme ja vom Dorf, und oft fühlt man sich in der Großstadt verloren. Deswegen ist es schön, wenn hier etwas dörfliche Struktur entsteht“, sagt sie. Von ihren Kommilitonen habe sie allerdings noch niemanden überzeugen können, nach Osterholz zu ziehen. „Aber ich bin mir sicher, dass einige nachziehen werden, wenn sie die schönen Wohnungen gesehen haben.“ Sehr viel Platz ist in den möblierten Appartements nicht: Eine Kochzeile, ein kombinierter Arbeits- und Schlafraum sowie ein eigenes kleines Bad. Dafür stimme der Preis, sagt Miriam Löbbering. Knapp 350 Euro müssen die Studierenden für ein komplett eingerichtetes Appartement zahlen, inklusive des Highspeed-Internetanschluss, der gerade in Pandemie-Zeiten essenziell geworden ist.

Auf Gutes und Altes von Oma müssen die deutschen und ausländischen Studenten beim Einzug auf dem Ellener Hof nicht verzichten. Die Bewohner der Seniorenanlage der Bremer Heimstiftung haben in den vergangenen Wochen in ihre Schränke geschaut und Überzähliges gesammelt, aus denen sich die jungen Nachbarn für ihre Wohnungen Geschirr und andere Haushaltsgegenstände aussuchen können. „Unsere Mieter haben gesagt, dass sie so viele haben und spenden wollen, was noch gut ist“, sagt Sabine Schöbel, Hausleiterin bei der Bremer Heimstiftung, die mit Bewohnerin Annegret Fischer-Wönkend die Sammlung organisiert hatte.

Sie hofft im Gegenzug auf kräftige Unterstützung durch die künftigen Bewohner. „Wir suchen händeringend nach Gärtnern für den Gemeinschaftsgarten.“ Es solle ein echtes Stück Acker angelegt werden. „Vielleicht sind ja Studenten dabei, die dazu Lust haben“, sagt sie. Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter hob die besondere Situation, die die Entwicklung des Ellener Hofes mit sich bringt, hervor. „Bisher hat uns die Studentengeneration im Stadtteil gefehlt. Vielleicht entsteht ja jetzt auch so etwas wie ein kleines Nachtleben oder kleine Cafés, wo man mal schön abends etwas trinken kann“, hofft der Ortsamtsleiter, der sich noch gut an seine erste Studentenbude in Bielefeld erinnern kann. „Da lag die Toilette auf dem Flut.“ Mit Blick auf die Holzbude sagte er: „Da ist das hier schon etwas Anderes.“ Besonders freue ihn, dass von der Idee bis zur Umsetzung so wenig Zeit vergangenen sei. „Das jetzt Studenten kommen, ist auch gut für die Durchmischung des Stadtteils“, sagt Schlüter mit Blick auf die Demografie in Osterholz. Die Bauzeit des Wohnheims ist mit knapp einem Jahr kurz gewesen, denn viele Teile wurden vorab gefertigt und als Module an die Baustelle geliefert, die nur noch montiert werden mussten. Mit der Holzbude kommt in das höchste Gebäude auf dem Gelände des Ellener Hofes nun Leben. In den kommenden Wochen und Monaten rechnet die Bremer Heimstiftung mit weiteren Bauanfängen und Bauabschlüssen.

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