Anwohner fordern mehr Polizeipräsenz

Brennpunkt Marktplatz

Anwohner betiteln den zentralen Platz in Osterholz als Kriminalitätsschwerpunkt. Bei der jüngsten Quartiersforumssitzung Schweizer Viertel wurde über die Einrichtung einer Polizeistation diskutiert.
28.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Gerald Weßel
Brennpunkt Marktplatz

Anwohner betiteln den zentralen Platz in Osterholz als Kriminalitätsschwerpunkt. Bei der Quartiersforumssitzung Schweizer Viertel wurde über eine Polizeistation diskutiert.

PETRA STUBBE

Eine Einladung ins Schlafzimmer kommt nicht alle Tage während einer Quartiersforumssitzung Schweizer Viertel vor. Doch am vergangenen Donnerstag ist es soweit: Eine Anwohnerin des Marktplatzes Osterholz lädt die zwei anwesenden Polizisten und ihre Kollegen ein, gerne einmal dorthin zu kommen – um ihrer behördlichen Arbeit nachzukommen.

Ob Dirk Bülow und Julia Wenneborg der Einladung folgen werden, gaben sie bei der Sitzung nicht preis. Sie stünden der Idee aber wohlwollend gegenüber, denn der Blick aus eben diesem Fenster gewährleiste Übersicht über den Marktplatz Osterholz, der von der direkten Nachbarschaft sowie auch von Externen als Kriminalitätsschwerpunkt bezeichnet wird. Deshalb wünscht sich Aykut Taşan, Quartiersmanager des Schweizer Viertels, den Umzug der Polizeistation Tenever in den derzeit in der finalen Planung befindlichen Neubau der Gewoba, dem Schweizer Foyer.

„Wir würden damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, sagt er. „Die entscheidende Frage ist, wo wird die Polizei wahrgenommen.“ Eine Stationierung am Marktplatz Osterholz würde seiner Meinung nach die gefühlte Sicherheit aller Bewohner Tenevers erhöhen, da sie sich auch häufig vor Ort im Schweizer Viertel aufhalten, um dort einzukaufen. Und an dieser subjektiv empfundenen Sicherheit mangele es derzeit am Osterholzer Marktplatz, wo der Blick aus dem Schlafzimmer beispielhaft ins Spiel kommt.

Die Anwohnerin berichtet zum Beispiel detailliert von Drogenkonsum und -verkauf auf dem weitläufigen Platz. Andere Anwohner führen es bei der Sitzung weiter aus: Von Diebstahlsdelikten, Vandalismus und alles in allem einer oftmals aufgeladenen Atmosphäre, ist die Rede, da manche Gruppen angeblich versuchten, gezielt zu provozieren.

Katrin Höpker, Quartiersmangerin von Tenever, will die Probleme am Marktplatz Osterholz gar nicht in Frage stellen, wie sie sagt, aber sie widerspricht ihrem Kollegen Aykut Taşan dennoch: „Die Polizeistation in Tenever ist wichtig und darf nicht weichen oder verlegt werden. Sie wird von den Anwohnern sehrwohl angenommen.“ Sie beobachte häufig, dass Menschen direkt zur Wache gehen. „Die Station ist ein elementarer Bestandteil des Sanierungskonzepts von Tenever“, erklärt sie. Auch das Argument mit Bezug auf die gefühlte Sicherheit überzeugt sie nicht.

Eine der 33 Teilnehmerinnen sieht es ähnlich wie der Quartiersmanager. Eine Fahrt vom Zentrum Tenever ins Schweizer Viertel dauere nicht lange und wäre ihrer Ansicht nach zumutbar, um zur Polizei zu kommen. Höpker hält erneut entgegen: Die Entfernung betrage für manche Menschen weit mehr als nur zwei Haltestellen. „Aus meiner Perspektive kann es kein Entweder-oder geben, sondern nur eine Aufstockung der Kräfte“, betont sie erneut. Demnach könne es für sie nur eine zusätzliche Polizeistation am Marktplatz Osterholz geben. Das würde sie natürlich unterstützen, aber eben nicht auf Kosten von Tenever als ganzem Ortsteil.

Taşan betont in diesem Zuge, dass die Polizei auch jetzt schon einen guten Job mache, aber aufgrund der Entfernung oft zu spät an Ort und Stelle sei. „Es ist weniger Prävention als Feuerlöschen, sobald es eskaliert.“ Er wünsche sich mehr Polizisten vor Ort, deren Präsenz für die Nachbarschaft wahrnehmbar sei. Eine Dauerüberwachung möchte er aber nicht: „Wir wollen nicht überall Kameras oder ständige Präsenz, aber es ist einfach so, dass der Platz aktuell zu Randzeiten für unlautere Dinge genutzt wird.“ Dies sei nicht nur mitunter gefährlich, sondern führe vorrangig zu Störungen, Angst, Müll und Beschädigungen. „Die Leute sind frustriert über die Zustände.“

Ganz gleich, was letztendlich entschieden wird, umgesetzt werden würde eine Verlegung erst in etwa zwei Jahren. Denn der Neubau der Gewoba werde coronabedingt frühestens Mitte 2022 eröffnet werden. Ob in diesem neuen Kleinzentrum für den Stadtteil die Polizei mit eigenen Räumlichkeiten vertreten sein wird, darüber wird also noch viel diskutiert werden können.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+