Gleichstellungsverordnung

Osterholzer Revier mit Barrieren

Der Weg zur Zeugenvernehmung im Osterholzer Polizeirevier führt über viele Treppen und war ein Problem für eine Rollstuhlfahrerin. Ihr Bruder empfiindet dies als Missachtung des Gleichstellungsgesetzes.
20.02.2019, 12:50
Lesedauer: 2 Min
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Osterholzer Revier mit Barrieren
Von Ulrike Troue
Osterholzer Revier mit Barrieren

Rollstuhlfahrer haben ein Problem, in das Polizeigebäude an der Osterholzer Straße 100 zu gelangen, denn es ist nur über eine Treppe zu erreichen. Auch innen fehlen barrierefreie Wege.

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Das Gleichstellungsgesetz wird vom Revier S 44 Ost-Osterholz nach Ansicht von Gordon Hamschmidt nicht ernst genommen. Der Verdener kritisiert, dass beide Polizeigebäude an der Osterholzer Heerstraße 100 nicht barrierefrei betreten werden können und bezieht sich auf ein persönliches Erlebnis.

Gordon Hamschmidt hat seine Schwester, die an Multiple Sklerose erkrankt und teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen ist, im Januar zu einer Zeugenvernehmung aufs ­Osterholzer Revier begleitet. Dort seien sie von einem Beamten am Eingang empfangen worden. Nach einer kurzen Wartepause hätten er und ein Kollege geholfen, die Zeugin im Rollstuhl die Treppe mit etwa 20 Stufen hinauf ins Büro zu tragen. Im Obergeschoss stellte sich nach dem Bericht von Hamschmidt jedoch heraus, „das wir im falschen Gebäude waren.“

Beamte mussten Rollstuhl Treppen hochtragen

Folglich seien er und seine Schwester gebeten worden, sich bitte in das zweite Polizeigebäude zu begeben. Das würde über eine Rampe verfügen. Allerdings, das habe der Beamte eingeräumt, stünden die Zeugin und ihr Begleiter dort erneut vor Treppenstufen, da der Vernehmungsraum in der zweiten Etage liege. Deshalb rief er gleich seinen Kollegen an, der die im Rollstuhl sitzende Frau daraufhin in seinem Büro im Erdgeschoss zwei Stunden lang befragt hat. Und als seine Schwester danach eine Toilette aufsuchen wollte, wurde der Verdener auf einen zweiten Missstand aufmerksam. Weil es auf dem Osterholzer Revier keine Besuchertoilette gibt, musste sie die der Beamten benutzen. Die wiederum liege ein Stockwerk höher, berichtet Gordon Hamschmidt. Den Weg dort hinauf über zwei Treppen bewältigte die gesundheitlich gehandicapte Zeugin erneut nur mithilfe eines Polizisten.

„Der Beamte half vorbildlich“, schreibt der Verdener. Aber dass diese Missstände auf dem Revier Osterholz, auf die die Beamten seines Wissens nach bereits seit 1965 hinweisen würden, auch nach dem Umbau des alten Gebäudes nicht beseitigt worden seien, ist für Gordon Hamschmidt ein Unding. Da hätte die Gleichstellungsverordnung greifen und eine Rampe eingebaut werden müssen, um die Barrierefreiheit sicherzustellen.

Der Verdener hat inzwischen schriftlich die Innenrevision der Polizei Bremen und den Landesbehindertenbeauftragten Joachim Steinbrück darauf hingewiesen, dass die Gleichstellungsverordnung in Osterholz nicht umgesetzt wird. Der Vorfall sei bekannt, teilt Christian Schubert aus der Dienststelle des Landesbehindertenbeauftragten auf Nachfrage mit. Es gebe zu diesem Fall einen Schriftwechsel, in dem Joachim Steinbrück diesen Mangel anprangere. Doch dieser lasse sich nicht kurzfristig beseitigen, so Schubert.

„Sind auf Improvisation angewiesen“

„Barrierefreiheit ist auf unserem Revier nicht gegeben. Wir sind tatsächlich auf Improvisation angewiesen“, räumt der Osterholzer Revierleiter Udo Lankenau ein und weist auf die derzeitige Umstrukturierung der Bremer Polizei hin. Im Zuge der Polizeireform und damit einhergehenden Neubündelung von Aufgaben, etwa dass die Bürgerinnen und Bürger nun an sechs Standorten rund um die Uhr Anzeigen aufgeben könnten, würde auch auf die Gebäude geschaut.

Das Osterholzer Revier müsste auf längere Sicht in einem anderen Gebäude untergebracht werden, ist daher Udo Lankenaus Wunsch für die Zukunft. Es könnte auch ein neues sein. „Es wäre schön, wenn alles barrierefrei wäre“, so der Revierleiter. Doch das sei derzeit nicht der Fall, stellt er fest und spricht die Klingel am Eingang an und die Möglichkeit, in den Saal des Ortsamtes auszuweichen, falls die Treppe für einen Besucher eine Hürde darstellt. „Das ist sicher nicht ideal, aber zumindest eine Möglichkeit“, erklärt Udo Lankenau. „Alle im Haus sind sich des Problems bewusst, alle versuchen, dass es möglichst reibungsfrei gelöst wird.“

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