Privater Schulbau

Ein Handschlag für die Grundschule

Dank der Einigung zwischen Investor und Bildungsressort scheint die neue Grundschule in Osterholz Realität zu werden. Frühestens 2024 könnte sie an den Start gehen.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerald Weßel
Ein Handschlag für die Grundschule

Unterricht in einer neuen Grundschule in Bremen-Osterholz. Ein privater Investor will es möglich machen.

Friso Gentsch/dpa

Eine Idee, die durch den Handschlag zweier Menschen angeschoben wird, steht auch für das Vertrauen der Partner darauf, das Abgemachte umzusetzen. In diesem Fall geht es beiden Seiten auch um die Zukunft der Bremer Kinder. Investor Marco Bremermann und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) wollen den Bau der seit langem gewünschten, dreizügigen Grundschule Osterholz-Süd für 300 Schülerinnen und Schüler auf den Weg bringen. Das Neue daran: Die Schule wird privat finanziert und die Stadt wird das Gebäude mieten.

Wie berichtet, gab es bereits seit einiger Zeit Überlegungen dieser Art. Nach einem Gespräch zwischen Bogedan und Bremermann rückt eine amtliche Entscheidung näher: Die Stadt wird die östlich des Ehlersdamms angedachte Schulstätte dann nicht bauen, wie es sonst immer üblich gewesen ist, sondern sie nach Fertigstellung mieten. Errichten und auch danach weiterhin besitzen wird sie ein privates Unternehmen, nämlich Müller & Bremermann Immobilien. Wenn alles glattgeht, könnte die Schule nach Angaben des Investors 2024 fertiggestellt sein. Aber: Ein Handschlag ist kein rechtlich bindendes Votum der demokratisch legitimierten und bürokratisch zuständigen Stellen. Es gibt bisher keine Unterschrift für oder eine Abstimmung über einen Plan, es ist nur ein Handschlag und das Vertrauen zueinander, wie alle Seiten auf Nachfrage des WESER-KURIER bestätigen. Dennoch besteht Grund zur Hoffnung, eine mittelfristige Lösung für ein drängendes Problem in Osterholz gefunden zu haben.

Schule wird dringend gebraucht

Nicht erst, aber spätestens seit dem Zuzug von Geflüchteten 2016/2017 sind sich viele Anwohner, der Beirat, das Ortsamt und auch der hiesige Bürgerschaftsabgeordnete Mustafa Güngör (SPD) einig: Osterholz braucht schnellstmöglich eine neue Grundschule. „Sehr zufrieden, dass unsere Forderung Gehör gefunden hat“, blickt Sprecher Wolfgang Haase (SPD) mit Genugtuung auf das seit Jahren wiederholte Beiratsbestreben zurück. „Wir haben in Tenever keinen Leerstand mehr“, verweist Güngör auf den Bevölkerungszuwachs. Zudem zogen in den vergangenen Jahren viele Familien in Häuser, die von dem Investor gebaut worden sind, der auch die angedachte Grundschule plant. „Die Misere konnte jetzt ja nur provisorisch abgewendet werden, indem an einem bestehenden Standort Container aufgestellt wurden“, bemängelt Haase die Überfüllung der örtlichen Grundschulen. Und auch Güngör kann es kaum schnell genug gehen, „denn desto eher wir hier eine Schule haben, desto eher haben wir auch Entlastung“, drängt er und bietet an, bei allen Fragen auch weiter zu unterstützen: „Ich habe bisher und werde mich auch weiter für eine schlanke und schnelle Lösung stark machen.“

„Positiv auseinander gegangen“

Marco Bremermann und sein Unternehmen sind die andere Seite der Planung. Er zeigt sich im Gespräch als Vater zweier Kinder auch persönlich und nicht nur geschäftlich motiviert, der Bildungslandschaft in Bremen Gutes zu tun. Sein Pressesprecher, Daniel Günther, bestätigt das Gespräch mit der Senatorin und das erfolgreiche Abklopfen von Bereitschaften zum Bau der Schule. „Man ist positiv auseinandergegangen“, berichtet er, verweist allerdings auch auf den frühen Planungsstand. Details zum Gebäude und zu den Flächen gibt es also nicht. Sobald alle Genehmigungen vorlägen, dauere der Bau etwa 18 bis 24 Monate, erfahrungsgemäß sei damit frühestens 2024 mit einer Eröffnung zu rechnen. Sollte das Vorhaben nicht zustande kommen, würde dort in Zukunft weitere Wohnbebauung entstehen.

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Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter hat Vertrauen in einen, ihm schon lange bekannten Partner im Stadtteil: „Das ist eine richtig gute Lösung für Osterholz.“ Marco Bremermann und sein Unternehmen hätten einen ausgezeichneten Ruf in Osterholz und vielen Bürgern zuverlässig die Häuser gebaut. Ähnlich sehen es Güngör und Haase. Indes verweist der Beiratssprecher auch auf den zunehmenden Verkehr, und dass eine Verbesserung der Straße Ehlersdamm dringend notwendig sei. Spätestens nach dem Grundschulbau müsste eine dauerhafte Lösung zur Verkehrseinbremsung und mitunter auch zur Reduzierung gefunden werden. Bis dahin seien provisorische Mittel aber ebenfalls frühzeitig erwünscht, um auf berechtigte Sorgen der Anwohner zu reagieren.

Deputation muss Konzept beraten

„Bei der nächsten Deputationssitzung wird das Konzept präsentiert werden“, verspricht Mustafa Güngör und hofft nach einem Ja auf ein zügiges Planungsverfahren. Frühestens 2024, spätestens 2025 sollte dann nach Jahren des Bangens, des Ringens, der Diskussion und Planung die neue Grundschule in Osterholz stehen.

Info

Zur Sache

Privater Schulbau

Wenn die neue Grundschule Osterholz-Süd von einem privaten Investor gebaut wird, wäre dies ein Novum für die Hansestadt. Es gibt zwar ein derzeit entstehendes Projekt in langfristiger Partnerschaft zwischen Kommune und Privatunternehmen, aber bisher hat Bremen als Mitbesitzer immer eine Hand mit am Hebel. Bei der Brebau besitzt die Hansestadt mehrheitlich die Gesellschafteranteile. In Kirchhuchting baut das Unternehmen als erste Wohnungsbaugesellschaft in Bremen eine dreizügige Grundschule und wird diese danach an die Stadt vermieten. In Osterholz wäre die Stadt gänzlich nur Mieter.

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