Nachfolger gesucht

Schichtwechsel in der Kultur-Ambulanz

Achim Tischer, der die Kultur-Ambulanz seit vielen Jahren leitet, geht im Mai in Ruhestand – zwei weitere Stellen sollen ebenfalls ausgeschrieben werden.
25.09.2020, 10:53
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Schichtwechsel in der Kultur-Ambulanz
Von Christian Hasemann
Schichtwechsel in der Kultur-Ambulanz

Stephan Uhlig (l.), Leiter des Haus im Park, und Achim Tischer, Leiter der Kultur-Ambulanz arbeiten noch bis Mai zusammen.

PETRA STUBBE

Den drei Kultureinrichtungen im Bremer Osten – Krankenhaus-Museum, Haus im Park und Galerie im Park – steht an der Spitze eine Veränderung bevor: Achim Tischer, der langjährige Leiter des Gesamtensembles Kultur-Ambulanz auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost, geht im kommenden Jahr in den Ruhestand. In der jüngsten Sitzung des Beirats Osterholz ist nicht nur die personelle Nachbesetzung Thema gewesen, sondern auch die zukünftige Finanzierung, denn die Gesundheit-Nord (Geno) als Geldgeber der Einrichtung ist notorisch klamm.

Bevor Achim Tischer im kommenden Mai in den Altersruhestand geht, stehen ihm und seinem Team noch ein paar echte Highlights bevor: Eine neue Dauerausstellung und der barrierefreie Umbau des Krankenhaus-Museums seien geplant, kündigte Tischer im Beirat an. Die Grundlage für die neue Ausstellung hatte die Kultur-Ambulanz in den vergangenen Jahren mit der Bewerbung auf das Museums-Gütesiegel des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen gelegt, das dem Krankenhaus-Museum im Januar verliehen worden war. Es ist das einzige Bremer Museum, das der Verband 2020 mit dem Gütesiegel 2020 bis 2026 auszeichnete.

Auszeichnung befördert Museumsarbeit

„Das Jahr ging sehr erfolgreich los“, sagte Achim Tischer. Die Verleihung des Gütesiegels sei eine große Anerkennung gewesen. Hinzu sei das dreißigjährige Bestehen des Krankenhaus-Museums gekommen. „Wir werden von außen positiver wahrgenommen als in der Stadt“, so Tischer weiter. Schon jetzt habe sich das Siegel gelohnt. „Es zeigt sich, dass wir bessere Chancen haben, außerbremische Mittel zu akquirieren.“ Im Gespräch mit dem STADTTEIL-KURIER verriet er außerdem, dass das Museum auch beim Ausleihen von Ausstellungsstücken von dem Gütesiegel profitiere.

Im März allerdings war dann aber erst mal Schluss mit den guten Nachrichten. Die Corona-Krise hinterließ auch in der Kultur-Ambulanz ihre Spuren. „Wir wurden in voller Fahrt erwischt.“ Alle Schulprojekte hätten eingestellt werden müssen. Daneben außerdem die Konzertreihen und Veranstaltungen. „Wir sind jetzt wieder dabei, Fahrt aufzunehmen, zum Beispiel mit der Gesamtschule Ost, und haben gestern unsere neue Ausstellung ‚Irr-real‘ eröffnet“, sagte Tischer über die zurückliegenden Wochen.

Die Kultur-Ambulanz stand, im Gegensatz zu anderen Kultureinrichtungen in Bremen, vor einem ganz speziellen Problem. Denn der Standort auf dem Krankenhausgelände des Klinikums Bremen-Ost ist von besonderen Einschränkungen betroffen. Auf dem gesamten Gelände gilt, wie in allen Krankenhäusern, ein strenges Besuchs- und Veranstaltungsverbot. „Auf dem gesamten Gelände darf es keine Veranstaltungen geben bis zum Ende des Jahres“, so Tischer.

„Insgesamt 60 bis 80 Veranstaltungen für den Stadtteil konnten wir nicht durchführen“, fasste Stephan Uhlig, Leiter des Haus im Park, die Situation in Zahlen. Er hoffe, dass man die Geschäftsführung der Geno umstimmen könne, das Veranstaltungsverbot für das Haus im Park aufzuheben.

In der Kultur-Ambulanz steht nicht nur wegen des Rückzugs von Achim Tischer ein Generationenwechsel an. „Zwei weitere Stellen sollen neu besetzt werden und auch für meine Stelle wird jetzt das Verfahren eingeleitet“, sagte Tischer. In der Nachbesetzung sieht er ein klares Zeichen der Geno, dass es mit der Kultur-Ambulanz langfristig weitergehen wird. „Wir haben da volle Rückendeckung“, schätzte Tischer die Situation ein.

Im Beirat sorgte diese Nachricht für Erleichterung, denn die schwierige finanzielle Situation des Klinikverbundes bereitet den Stadtteilpolitikern aus mehreren Gründen immer wieder Sorge. Zum einen ist die Klinik eine der größten Arbeitgeberinnen des Stadtteils und spielt für die Versorgung der Menschen eine große Rolle, zum anderen ist sie die Geld- und Arbeitgeberin für die Kultur-Ambulanz. Diese ist eine der wenigen Kultureinrichtungen im Stadtteil. Kultur ist aber nicht unbedingt originäre Aufgabe eines Krankenhausträgers. Die Verlockung zum Rotstift zu greifen, könnte da nicht weit liegen, so der sorgenvolle Gedankengang im Beirat.

In diese Richtung zielte jedenfalls Beiratssprecher Wolfgang Haase (SPD) ab. „Wenn wir sehen, dass die Kultur-Ambulanz eine Auszeichnung bekommt, dann wäre es doch nur logisch, wenn das Kulturressort unsere Einrichtung auch besser unterstützt.“ Sein Blick richtete sich dabei auf Verena Borgmann. Bisher unterstützt das Kulturressort vor allem fachlich und inhaltlich die Arbeit der Kultur-Ambulanz. „Tatsächlich gibt es keine institutionelle Förderung, da die Ambulanz bisher im Verantwortungsbereich der Geno lag“, sagte Borgmann. Es habe diverse Förderungen für Projekte und Unterstützung bei der Bewerbung für das Gütesiegel gegeben. „Ich kann nicht mehr sagen, als das für 2020/21 keine Gelder für die Kultur-Ambulanz vorgesehen sind.“ Das Kulturressort werde die Arbeit aber weiter inhaltlich und fachlich unterstützen.

Ralf Dillmann (Grüne) zeigte sich zunächst erleichtert: „Ich bin froh, dass mit der Ausschreibung der Stellen, der Status quo erhalten wird.“ Er wandte aber ein: „Mir wäre es schon wichtig, wenn sich im Kulturressort Gedanken gemacht wird, ob eine Finanzierung über Gesundheit eine gute Lösung ist.“

Zuletzt war der Etat des Kulturressorts erhöht worden. Diese Mittel sind allerdings schon fest eingeplant. Der weitaus größte Empfänger ist das Theater Bremen mit einer Fördersumme von etwa 28 Millionen Euro im Jahr.

Info

Zur Sache

Kunst als Vergangenheitsbewältigung

Die Kultur-Ambulanz setzt sich aus drei Einrichtungen zusammen: dem Krankenhaus-Museum, der Galerie im Park sowie dem Haus im Park. Die besondere Ambulanz wurde 1987 gegründet. Kooperationspartner sind die Hochschule für Künste Bremen, der Verein Stadtkultur Bremen, das Forum für ältere Menschen, die Quartiersprojekte Schweizer Viertel und Wohnen in Nachbarschaften sowie der Beirat Osterholz. Das Krankenhaus-Museum engagiert sich seit 1989 dafür, die Geschichte der Psychiatrie zu dokumentieren und die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik und Medizinverbrechen zu fördern. Die Galerie im Park ist ein Ausstellungsort und verknüpft die Themen Gesundheit, Bildung und Kultur. Das Haus im Park wiederum ist das gemeinsame Veranstaltungszentrum, in dem Konzerte, Lesungen und Theater stattfinden. Schwerpunkte sind Veranstaltungen für Kinder und Familien, zum Beispiel Kinder- und Puppentheater und Kunstprojekte.

Weitere Informationen

Die neue Ausstellung „Irr-real“ mit Porträts von Carl Julius Milde von Patientinnen und Patienten der Psychiatrie im Hamburger Krankenhaus St. Georg ist von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr im Krankenhaus-Museum, Züricher Straße 40, zu besichtigen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+