Eigeninitiative in Tenever Mit Wissen gegen das Virus in Tenever

Der Beirat Osterholz hat in Zusammenarbeit mit dem Ortsamt, dem Mütterzentrum Tenever und dem Krankenhaus Bremen-Ost einen Informationspunkt zum Thema Corona und Impfungen eingerichtet.
04.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Mit Wissen gegen das Virus in Tenever
Von Christian Hasemann

Die jüngste Sitzung des Osterholzer Beirats stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Ein Informations-Center im Stadtteil soll künftig besser über Vorsichtsmaßnahmen aufklären. Unterstützung bekommt der Stadtteil ab März außerdem von Gesundheitsfachkräften. Polizei und Ordnungsamt haben in derselben Sitzung von weitgehend einsichtigen Osterholzer Bürgerinnen und Bürgern gesprochen, die sich überwiegend an Masken- und Hygieneregeln hielten.

Zugeschaltet zur Sitzung, die teils virtuell und teils vor Ort in der Gesamtschule Ost an der Walliser Straße als sogenannte Hybridsitzung abgehalten wurde, war auch Dirk Gansefort. Er ist Fachreferent des Vereins Landesvereinigung für Gesundheit Bremen. Gansefort brachte eine für die Stadtteilpolitiker vor allem wegen der relativ kurzen Vorarbeit überraschende Nachricht mit in die Sitzung.

Gesundheitsfachkräfte ab März

„Wir haben einen Auftrag zu Corona-Projekten in allen Win-Quartieren bekommen“, beschrieb er die Ausgangslage. Auftraggeber ist das Gesundheitsressort von Senatorin Claudia Bernhard (Linke). Mit Win-Quartieren sind sozial benachteiligte Viertel gemeint, die über das Programm Wohnen in Nachbarschaften (Win) gefördert werden. In einigen benachteiligten Quartieren wird schon seit Jahren die Forderung nach einer besseren Gesundheitsprophylaxe formuliert – so eben auch in Osterholz.

Die soziale Benachteiligung lässt sich statistisch beispielhaft an der Lebenserwartung ablesen, die in Tenever signifikant niedriger ist als in Oberneuland. Letztlich lässt sich der Zusammenhang auf eine einfache Formel runterbrechen: Armut macht krank. Umgekehrt lässt sich aber auch sagen: Krankheit macht arm. Diesen Teufelskreis sollen verschiedene Maßnahmen und Projekte wie Gesundheitstreffs und Mütterzentren durchbrechen. Das neueste Vorhaben in dieser Richtung sind die Gesundheitsfachkräfte, bei denen es jetzt ganz schnell gehen soll.

„In allen Quartieren wurden Stellen ausgeschrieben“, so Gansefort weiter. „Und diese sollen ab dem ersten März eingesetzt werden.“ Zunächst sollten diese Fachkräfte vor allem unterstützend bei allen Gesundheitsfragen rund um Corona in den Quartieren wirken. „Sie werden die Aufgabe haben, Informationen über Corona, über Impfungen und Quarantäne niedrigschwellig in die Quartiere zu bringen“, erklärte Gansefort das Aufgabenspektrum der Gesundheitsfachkräfte, die zunächst befristet bis zum Ende des Jahres eingestellt werden. Nach Corona sollen dieselben Kräfte unterstützend bei allen weiteren Themen der Gesundheitsvorsorge arbeiten. Aykut Tasan, Quartiersmanager im Schweizer Viertel, sprach von einem großen Gewinn für die Quartiere. „Wir werden auch nach der Pandemie noch genügend Gesundheitsthemen haben.“ Schon vor Corona seien Fragen zu Ernährung, Bewegung und Gesundheitsvorsorge große Themen gewesen. Er schloss mit einer Forderung: „Wir brauchen diese Stellen dauerhaft und nicht nur bis zum Ende des Jahres.“ Gansefort dazu: „Die Stellen sollen in die kommenden Haushaltsverhandlungen einfließen.“ Das Ziel sei, die Unterstützung nachhaltig zu implementieren.

Breites Bündnis

In Osterholz treffen diese Kräfte, vorgesehen sind anderthalb Personalstellen, ab März auf eine bestehende Corona-Informationsstruktur, denn ab diesem Donnerstag können Bewohner Osterholz’ einen Informationspunkt im Ote-Saal in Tenever-Zentrum nutzen. Dieser geht auf eine Initiative der Beiratsmitglieder Wolfgang und Christine Haase (beide SPD) zurück. „Diese Idee ist am Küchentisch entstanden“, sagte der Osterholzer Beiratssprecher Haase. Anlass seien die im Herbst vergangenen Jahres hochschießenden Zahlen an Corona-Neuinfektionen in Tenever gewesen. „Wir haben uns gefragt, was können wir tun?“ Die Hygienemaßnahmen seien den meisten Menschen geläufig. „Aber es gibt so viele andere Fragen: Wie gehen Eltern damit um, wenn ihr Kind wegen Corona von der Schule nach Hause geschickt wird? Wie geht man mit einer Quarantäne-Anordnung um? Wie kann man sich in seiner eigenen Wohnung schützen, wenn jemand an Corona erkrankt ist?“ Das seien alles Fragen, deren Antworten sich einige Menschen eben nicht aus den behördlichen Schreiben ableiten könnten. „Und genau diese Fragen wollen wir beantworten“, so Haase.

Unterstützt wird das Corona-Info-Center vom Mütterzentrum Tenever mit Personal und der Gewoba, die den Ote-Saal für den Informationspunkt zur Verfügung stellt. Mihdiye Akbulut vom Mütterzentrum: „Wir hoffen, dass viele Menschen teilnehmen und das Angebot wahrnehmen.“ Zunächst startet der Informationspunkt mit einem Nachmittag in der Woche, an dem eine Beratung rund um das Thema Corona angeboten wird.

Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter betonte, welche Bedeutung die Initiative aus dem Stadtteil habe. „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir nicht wie der Hase auf die Schlange schauen, sondern selbst die Dinge organisieren – zusammen mit den Bürgern.“ Beirat, Ortsamt und Mütterzentrum seien nah an den Menschen dran. „Und diese Nähe nutzen wir“, so Schlüter. Neben der Eigeninitiative aus dem Stadtteil kommt mit den Gesundheitsfachkräften eher unverhofft Unterstützung in den Stadtteil. „Das werden wir gerne annehmen, um unsere Ehrenamtlichen und das Mütterzentrum zu entlasten“, kündigte Schlüter an.

Info

Zur Sache

Beratung im Ote-Saal

Ab Donnerstag, 11. Februar, hat ein Info-Center wöchentlich in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Im Ote-Saal in der Otto-Brenner-Allee 44-46 beraten und informieren dann ehrenamtliche Fachkräfte des Krankenhauses Bremen-Ost rund um die Themen Corona und Impfung, zudem beantworten sie Fragen der Anwohner. Zum Überwinden von Sprachbarrieren unterstützen Sprach- und Integrationsvermittlerinnen des Mütterzentrums Osterholz-Tenever. Es werden Übersetzungshilfen in verschiedenen Sprachen angeboten. Um eine vorherige Anmeldung bei Mihdiye Akbulut unter der Telefonnummer 01 52 / 06 42 67 91 wird gebeten. An diesem Donnerstag, 4. Februar, findet eine Auftaktveranstaltung mit einem Oberarzt und einem Pfleger des Klinikums Bremen-Ost am selben Ort statt. Auch hier wird um eine vorherige Anmeldung gebeten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+